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Evergrande belastet Hongkonger Börse

Die Hongkonger Börse rutscht auf ein Zwölfmonatstief. Chinas Krisenkonzern Evergrande will Investoren mit Immobilien auszahlen.

(Reuters) Aus Furcht vor einer Zahlungsunfähigkeit von China Evergrande nehmen weitere Anleger des Immobilienriesen Reissaus. Die Anteilsscheine des Krisenkonzerns brachen am Montag in Hongkong um gut 12% ein und schlossen mit 2,23 Hongkong-Dollar auf dem niedrigsten Stand seit zehn Jahren. Der Hang Seng (Hang Seng 25'330.96 +1.48%), der Leitindex in Hongkong, büsste zeitweise bis zu 4,2% ein und markierte ein Zwölfmonatstief. «Die Aktie wird weiter fallen, weil es noch keine Lösung für die Liquiditätsprobleme der Firma zu geben scheint», sagte Kington Lin, Geschäftsführer der Vermögensverwaltung beim Brokerhaus Canfield. Ausserdem sei unklar, wie eine mögliche Restrukturierung von Chinas zweitgrösstem Immobilienentwickler aussehen könne. Sollte der Kurs unter einen Hongkong-Dollar fallen, erwarte er eine Zerschlagung. Eine Rettungsaktion der Regierung in Peking halten Experten für unwahrscheinlich.

Mit Immobilien auszahlen

Derweil will der Immobilienriese Investoren in seine Vermögensverwaltungsprodukte mit Immobilien auszahlen. Man habe mit diesem Vorgehen bereits begonnen, teilte eine Unternehmenssparte mit. Über den Messengerdienst WeChat erklärte der Konzern am Samstag, dass Anleger, die an der Rückgabe von Vermögensverwaltungsprodukten gegen Sachwerte interessiert sind, sich an ihre Anlageberater wenden oder eine lokale Niederlassung aufsuchen sollten. Laut dem Finanzmagazin Caixin stehen bei Evergrande Vermögensverwaltungsprodukte im Volumen von schätzungsweise 40 Mrd. Yuan (rund 5,77 Mrd. Fr.) aus. Solche Produkte werden in der Regel von Kleinanlegern gehalten.

Spezifische Zahlungsmethoden und Details seien abhängig von den örtlichen Bedingungen, sagte ein Vertreter des Kundendienstes am Sonntag. Einem Vorschlag zufolge, der Reuters bereits zuvor vorlag, von Evergrande aber nicht bestätigt wurde, können die Anleger für die Rückzahlung zwischen vergünstigten Wohnungen, Büros, Einzelhandelsflächen oder Parkplätzen wählen. Am Samstag hatte der Konzern zudem Fehlverhalten einiger Führungskräfte eingeräumt. Sie hätten Investmentprodukte des Unternehmens vorzeitig abgelöst. Die Vorgänge seien sehr ernst und die Manager aufgefordert worden, die vorzeitig erhaltenen Gelder zurückzuzahlen.

Evergrande hat einen 305 Mrd. $ schweren Schuldenberg aufgetürmt. Am Wochenende hatte der angeschlagene Konzern angekündigt, Investoren in seine Vermögensverwaltungsprodukte mit Immobilien auszahlen zu wollen. So sollen sich Anleger, die an der Rückgabe von Vermögensverwaltungsprodukten gegen Sachwerte interessiert seien, an ihre Anlageberater wenden oder eine lokale Niederlassung aufsuchen.

Unterdessen bilden einige Gläubiger Insidern zufolge Rückstellungen für Kreditausfälle, während andere Fristverlängerungen einräumen. In den kommenden Tagen werden allein bei zwei Evergrande (3333 0.31 -5.27%)-Anleihen mit Laufzeiten bis 2022 und 2024 Zinsen im Volumen von insgesamt rund 130 Mio. $ fällig. Offiziell wird ein Zahlungsausfall allerdings erst, wenn Evergrande die Nachfrist von 30 Tagen verstreichen lässt. Sollte es soweit kommen, könnten Gläubiger bei einer Umschuldung nur mit der Rückzahlung eines Bruchteils ihrer Forderungen rechnen, warnten Börsianer.

Die Talfahrt des Mutterkonzerns setzte auch Evergrande-Beteiligungen zu. So verloren die Immobilienverwaltungssparte und die Streaming-Tochter Hengten jeweils mehr als 10%. Ähnlich steil ging es für den Evergrande-Rivalen Sunac bergab. Konkurrent Greentown kam dank seiner staatlichen Beteiligung mit einem Minus von 6,4% vergleichsweise glimpflich davon.

Evergrande-Krise belastet Rohstoffmärkte

Die Evergrande-Krise sorgte auch an den Rohstoffmärkten für einen Ausverkauf. So steuerte der Kupferpreis mit einem Minus von knapp 3% auf 9053 $ je Tonne auf den grössten Tagesverlust seit drei Monaten zu. «Bei einem Kollaps von Evergrande würden zahlreiche Immobilienprojekte gekippt», sagte Rohstoff-Experte Malcolm Freeman vom Brokerhaus Kingdom Futures. Dies würde die Industriemetall-Nachfrage signifikant dämpfen. Kupfer wird unter anderem für Stromkabel und Wasserrohre verwendet.

Vor diesem Hintergrund gingen die Aktien von Minen-Betreibern in die Knie. Der europäische Branchenindex fiel um mehr als 4% und steuerte auf den grössten Tagesverlust seit einem halben Jahr zu.

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