Meinungen

Ewiggestrig

Gewisse Konzerne scheren sich nicht um eine gute Governance. Der Markt wird sie sanktionieren. Ein Kommentar von FuW-Redaktor Eflamm Mordrelle.

«Solange die finanzielle Performance stimmt, mag man auf eine zeitgemässe Governance pfeifen und auf die Nachsicht der Investoren setzen.»

Alle Jahre wieder knöpft sich FuW die Verwaltungsräte (VR) der wichtigsten Schweizer Gesellschaften vor. Die Analyse sieht 2020 wieder den VR von Swisscom (SCMN 479.8 -1.6%) vorn, gefolgt von Lonza (LONN 567.8 0.21%) und Georg Fischer (FI-N 856 0.23%). Gute Governance ist bei den meisten VR im vorderen Tabellenfeld eine Selbst­verständlichkeit und Teil der Mana­gementkultur: ­Unabhängige VR-Mitglieder, ausgewogene Kompetenzverteilung, moderate Vergütung und zeitgemässer Frauenanteil zeichnen sie aus.

Doch die Qualitätsunterschiede sind gross. Während die Mehrheit der Blue Chips akzeptable Ergebnisse vorweist, scheren Unternehmen wie Richemont (CFR 57.06 -0.07%), Swatch Group (UHR 193.2 -0.67%) oder Lindt & Sprüngli (LISN 78000 -0.64%) traditionell aus. Mit dem Vorwand, «atypisch und unkonventionell» zu sein, begründet der Hayek-Konzern sein Ergebnis als schlechtestes SMI-Unternehmen (Platz 145).

Solange die finanzielle Performance stimmt, mag man auf eine zeitgemässe Governance pfeifen und auf die Nachsicht der Investoren setzen. Doch in einem unsicheren Marktumfeld wie jetzt schauen institutionelle Anleger genauer hin. Für grosse Investmenthäuser reicht eine starke Bilanz nicht mehr, sie haben ESG – also Umwelt-, soziale und Governance-Aspekte – als festen Bestandteil ihrer Anlagebeurteilung aufgenommen, zumal Governance Teil eines umfassenden Risikomanagements ist.

Solide Governance gehört heute zum Mainstream, und Unternehmen, die nicht gewillt sind, die fundamentalen Prinzipien guter Unternehmensführung im VR und auch sonst in der Organisation anzunehmen, werden früher oder später vom Markt bestraft werden: Institutionelle Investoren werden von den Aktien dieser Unternehmen davonlaufen. Und die kleinen Anleger werden ihnen folgen.