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Der Ex-Börsen-Chef handelt jetzt Kryptowährungen

Die Krypto-Handelsplattform SCX geht an den Start. Zwar wird sie von Ex-Börsen-Chef Christian Katz präsidiert, eine Börse nach Schweizer Recht ist sie aber nicht.

Valentin Ade

Christian Katz, Ex-Chef der Schweizer Börse, zielt hoch. Die «erste» und zugleich «führende regulierte Schweizer Handelsplattform» für Kryptowährungen und Blockchain-basierte Produkte gehe heute an den Start, sagt der Verwaltungsratspräsident der neuen Swiss Crypto Exchange (SCX). Selbstbewusst treten Katz und SCX-CEO Cyrill Tröndle im Gespräch mit «Finanz und Wirtschaft» auf.

Dabei sind sie in der Schweiz keinesfalls die Ersten, die mit Bitcoin und Co. handeln. Der Broker Bitcoin Suisse, das Unternehmen des schweizerischen Kryptopioniers Niklas Nikolajsen, setzt mit einem monatlichen Handelsvolumen von rund 300 Mio. Fr. zurzeit wohl das Gros der Kryptowährungen in der Schweiz um. Daneben gibt es Akteure wie Bity, Shape Shift oder Crypto Broker.

Der Unterschied zwischen SCX und den etablierten Handelsplätzen ist laut Katz und Tröndle: Wie eine Börse operiere SCX mit einem Order Book, sprich, Nutzer können via Plattform direkt miteinander Handel treiben – ohne den Umweg über einen der etablierten Broker. «Wir bieten das fehlende Glied in der Wertschöpfungskette», sagt Katz.

Das Versprechen vom sauberen Handel

Wer soll die neue Plattform nutzen? Die Zielgruppe sind Start-ups, die eigene Kryptowährungen herausgeben. Dazu kommen die junge Unternehmen unterstützenden Beratungs- und Anwaltskanzleien sowie private und institutionelle Anleger. Man habe gemäss Katz «mehrere tausend vorregistrierte Teilnehmer», von denen «eine gute Anzahl» erfolgreich den Selektionsprozess durchlaufen habe.

Ein angestrebtes Handelsvolumen wollen Katz und Tröndle nicht nennen. Man setze primär nicht auf Quantität, sondern Qualität, weshalb SCX zur Liquiditätsbeschaffung auch nicht auf andere global tätige Handelsplattformen zurückgreifen will. Dann könnten nämlich die «Sauberkeit» und die Herkunft der Coins im Sinne des Schweizer Geldwäschereigesetzes oder der Vorgaben für die Kundenidentifikation nicht mehr gewährleistet werden, erklärt Tröndle. «Der Handel wird sauber sein», sagt Ex-Börsen-Chef Katz.

Täglich werden gemäss der Plattform Coinmarketcap.com Kryptowährungen im Wert von über 11 Mrd. $ gehandelt. Die grössten Handelsplattformen sind BitMex, OKEx und Binance. Mit Ausnahme von BitMex sind sie alle in Asien beheimatet. Zum Vergleich: Die Schweizer Börse kam 2017 auf einen durchschnittlichen täglichen Handelsumsatz von 5,4 Mrd. Fr.

Auch wenn sich die neue Plattform SCX als Exchange (engl. für Börse) bezeichnet, eine Börse im Sinne des Schweizer Gesetzes ist sie nicht. Dann wäre sie der Finanzmarktaufsicht (Finma) direkt unterstellt und müsste härtete Auflagen erfüllen. Heute ist SCX ähnlich wie ein unabhängiger Vermögensverwalter «nur» einer Selbstregulierungsorganisation (dem Verein zur Qualitätssicherung von Finanzdienstleistungen, VQF) angeschlossen.

Somit ist der Handel auf der Plattform auch eingeschränkt. Coins, die gemäss der Finma-Definition Aktien respektive Wertpapieren ähnlich sind (sogenannte Asset Tokens), werden nicht auf der SCX gehandelt werden. Heute startet SCX den Handel mit den Kryptowährungen Bitcoin und Ethereum sowie den Coins Basic Attention Token, Streamr Datacoin und einem Coin ausgegeben vom Start-up Proxeus.

Der umtriebige Herr Katz

Die Sauberkeit der gehandelten Coins ist eine Sache, die Sicherheit eine andere. Seit Anfang Jahr wurden von Hackern weltweit bereits Kryptowährungen im Wert von 1,1 Mrd. $ gestohlen. SCX schützt sich hier selbst. Die Plattform hält gemäss Initianten weder Kryptowährungen noch traditionelle Währungen ihrer Nutzer. «Bei uns sollen keine Kundengelder gestohlen werden können», sagt CEO Tröndle.

Kryptodevisen und traditionelle Währungen liegen bei den Schweizer Banken der Kunden oder in digitalen Portemonnaies (sogenannten Wallets) anderer Anbieter. Einer der weltweit grössten Wallet-Anbieter ist beispielsweise Xapo, ebenfalls mit Sitz im schweizerischen Zug. SCX selbst hält nur geringe Mittel zum Eigenbedarf.

Der Start von SCX zeichnete sich bereits seit einigen Monaten ab. Die Plattform gehört dem Unternehmen Blockworks mit Sitz in Hergiswil. Seine Investoren sind laut Katz und Tröndle «Schweizer Unternehmer, europäische Tech-Investoren und das Management selbst». Man habe ein «gutes Kapitalpolster». Wie die «Handelszeitung» berichtete, haben Investoren gemäss Tröndle 2,5 Mio. Fr. in den Aufbau von SCX gesteckt.

Der Präsident von SCX ist kein Unbekannter. Christian Katz war von 2009 bis 2015 Chef der Schweizer Börse und Präsident der Europäischen Börsenvereinigung. Zuvor leitete er das Geschäft der US-Investmentbank Goldman Sachs (GS 228.89 0.44%) in der Schweiz. Nach seinem Abgang von der SIX blieb er umtriebig. So ist er, neben seinem Präsidentenamt bei SCX, Berater des Zuger Blockchain-Start-up Proxeus, Gründer und Managing Partner des Finanzberaters MainStrait, Verwaltungsrat der Banque Bonhôte & Cie und Vizepräsident der Saxo Bank Schweiz. Eine Zeit lang wurde er nach Informationen von «Finanz und Wirtschaft» zudem als Nachfolger von Jan Schon als Chef von Leonteq gehandelt.

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