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Ex-SNB-Direktor: Tiefere Zinsen dank Bargeldgebühr

Jean-Pierre Danthine glaubt, einen Weg gefunden zu haben, wie die Zinsen weiter unter null gesenkt werden können, ohne dass die Leute in Papiergeld ausweichen.

Alexander Trentin

Wie können die Zinsen noch tiefer unter null gesenkt werden, ohne eine Flucht in Bargeld auszulösen?

Mit einer Gebühr für grosse Bargeldbezüge. Das schlägt Jean-Pierre Danthine vor, der ehemalige Vizepräsident der Schweizerischen Nationalbank (SNB (SNBN 4'800.00 -1.03%)). Der Ökonom lehrt heute in Paris und präsentierte seinen Vorschlag am Montag als Referent an einer Veranstaltung in Washington, D.C.

«Damit würde gleichzeitig sichergestellt, dass die Kosten nicht an Privatkunden weitergegeben werden», sagte Danthine.

Bargeld sind Hindernis für Negativzinsen

Warum will der ehemalige SNB-Direktor den Bezug von Bargeld bestrafen? Der Grund sind die Negativzinsen. Wenn negative Zinsen auf dem Konto fällig werden, ist Papiergeld eine Ausweichmöglichkeit. Banknoten haben eine attraktive Nullrendite – und gelten als ultrasicher.

Zurzeit müssen Finanzinstitute ab einem gewissen Betrag einen Zins von 0,75% zahlen, wenn sie Geld bei der SNB deponieren. Das Zinsniveau ist laut Danthine nahe an einer Grenze, ab der das Halten von Bargeld attraktiv wird. «Rein von den Kosten her könnte sich bei den jetzigen Zinsen die Bargeldhortung anfangen zu lohnen», erklärt er.

Tiefere Zinsen notwendig

Für Danthine sind noch tiefere Zinsen unumgänglich. Die SNB könne eine Aufwertung des Frankens nur verhindern, wenn sie die Zinsen tiefer setzt als die EZB in der Eurozone.

Wie kann die Bargeldhaltung unattraktiv gemacht werden? Laut Danthine sind zwei Möglichkeiten in der Forschung in der Diskussion:

– Bargeld wird abgeschafft. Dafür plädiert etwa Willem Buiter, Chefökonom der Citibank. Das ist laut Danthine in der Schweiz kaum vorstellbar. «Schweizer lieben Papiergeld», beobachtet er.

– Es gibt einen Wechselkurs zwischen Bargeld und dem Geld auf dem Konto. Damit könnte Bargeld entwertet und damit gleich unattraktiv wie das Konto mit Negativzinsen werden. Diesen Vorschlag hat Miles Kimball von der Universität Michigan präsentiert. Doch auch diese Idee brauche laut Danthine «signifikante gesetzliche Änderungen». Das werde eine schwierige demokratische Debatte mit unsicherem Ausgang zur Folge haben.

Beide Vorschläge seien für die Schweiz daher nicht umsetzbar, denn die öffentliche Meinung stehe dem entgegen – Negativzinsen würden als «unnatürlich» betrachtet.

Direkte Demokratie macht es unmöglich

Danthine will jedoch einen Kompromiss gefunden haben, der schwierige Debatten vermeidet und gleichzeitig tiefere Zinsen unter null ermöglicht.

Aus Rücksicht vor der Volksmeinung will er die privaten Anleger weiterhin vom Negativzins ausnehmen. Es könne den Banken gesetzlich auferlegt werden, auf den Privatkonten immer mindestens einen Nullzins zu garantieren. Ein solches Gesetz sei in Belgien schon in Kraft.

Gebühr für Grosskunden

Die Gebühr für die Hortung von Bargeld durch institutionelle Investoren könne von der Notenbank jenen Institutionen auferlegt werden, die für den Bargeldtransport zuständig sind (Wholesale Cash Withdrawals). Diese müssten beispielsweise eine Gebühr auf alle Banknotenlieferungen aus der Nationalbank bezahlen.

Es würde aber eine Freigrenze geben, die sich am normalen jährlichen Bargeldbedarf orientiert. So würde nur die Papiergeldnachfrage bestraft, die aussergewöhnlich ist – also etwa dem Ausweichen von Negativzinsen dienen soll.

Die Ausführungen von Jean-Pierre Danthine zeigen, wie weit die Diskussionen um Negativzinsen schon gediehen sind. Vor wenigen Jahren war noch von der Untergrenze von Null (Zero-Lower Bound) für Zinsen die Rede. Nun arbeiten die Zentralbanken daran, wie man die Zinsen weiter unter null drücken kann.

Leser-Kommentare

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Peter W. Ulli 08.06.2016 - 20:24
Warum soll es nicht möglich sein, nur ausländische Investoren nur mit negativ Zinsen zu belasten.? Es sind doch vor allem Ausländer, die durch die Flucht in den CHF Sicherheit suchen, und folglich der Schweizer Wirtschaft schaden. Wenn ich mich richtig erinnere hatten wir dies nämlich schon mal, als zu viele DM den Weg in den CHF suchten. Bitte spart euch… Weiterlesen »