Meinungen

Explosive Mischung

Eine US-Inflation auf Vierzigjahreshoch und eine hart straffende Notenbank erhöhen das Risiko einer Rezession. Ein Kommentar von US-Korrespondent Valentin Ade.

«Noch erscheint der US-Aktienmarkt als sicherer Hafen. Doch Anlegern sei zu erhöhter Vorsicht geraten.»

Da braut sich ein Sturm zusammen. Die US-Wirtschaft läuft richtiggehend heiss. Mit Macht ist die grösste und dynamischste Volkswirtschaft der Welt aus der Coronakrise zurückgeschnellt. Nicht zuletzt dank massiver staatlicher Hilfsgelder und einer nie dagewesenen ultralockeren Geldpolitik der US-Notenbank Fed. Aufgrund hoher Nachfrage und pandemiebedingt unterbrochener Lieferketten ist die Inflation mit 8,5% so hoch wie seit 1981 nicht mehr.

Fed strafft Geldpolitik

Die hohe Teuerung wird von einem Rohstoffpreisschock aufgrund der Sanktionen gegen Russland massiv verschärft. Der Arbeitsmarkt brummt, es herrscht auch wegen Corona immer noch Personalmangel. In dieses explosive Gemisch hinein will das Fed nun die Geldpolitik so rasch straffen wie seit dreissig Jahren nicht mehr.

Das lässt nichts Gutes erahnen, hat das Fed in der Geschichte doch fast immer die Zügel so lange angezogen, bis es die Nachfrage abgewürgt und die Wirtschaft in eine Rezession gestürzt hat. Ökonomen verweisen hier auf Ende kommendes Jahr. Bis dahin kann der US-Aktienmarkt jedoch noch der sicherste Anlegerhafen von allen sein, aufgrund der minimalen Handelsbeziehungen mit Russland und vieler Unternehmen, die sich im aktuellen Umfeld widerstandsfähig zeigen oder sogar davon profitieren.

Vorsicht am Aktienmarkt

Das erklärt, warum der US-Markt nicht allzu weit entfernt von seinem Höchst von Ende vergangenem Jahr handelt. Umgekehrt spricht es aber auch dafür, dass die straffe Fed-Politik bei weitem noch nicht eingepreist ist. Den Anlegern sei zu erhöhter Vorsicht geraten, denn die Zeit, in der die Geldflut alle Boote hob, ist vorbei.