Meinungen

Exzellenter Arbeitsmarkt

Die Schweiz erreicht die höchsten Erwerbsquoten in der OECD. Ein Kommentar von FuW-Redaktor Peter Morf.

«Der in der Schweiz grassierende Fachkräftemangel kann fast nur über Zuwanderung aufgefangen werden.»

Der schweizerische Arbeitsmarkt befindet sich in einem exzellenten Zustand. Die Anzahl Erwerbstätiger befand sich im zweiten Quartal auf einem Rekordniveau von gut 5 Mio. Personen. Gleichzeitig ist die Arbeitslosigkeit im laufenden Jahr deutlich gesunken. Die Arbeitslosenquote verharrte im September auf ausgesprochen niedrigen 2,1% – zu Jahresbeginn lag sie noch auf 2,7%. Die Zahl der gemeldeten Arbeitslosen sank seit Jahresbeginn 20% auf noch gut 99 000.

An der Diagnose ändert auch der oft zu hörende kritische Verweis auf die Arbeitslosenzahlen gemäss Definition der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO) nichts. Aufgrund definitorischer Unterschiede ist der schweizerische Wert so gerechnet mit 4,6% weit höher. Die Schweiz liegt jedoch deutlich unter dem EU-Durchschnittswert. Immerhin: Einige Länder haben eine niedrigere Erwerbslosenquote als die Schweiz.

Betrachtet man die Erwerbsquoten (Erwerbstätige gemessen an der Erwerbsbevölkerung) liegt die Schweiz gemäss neuesten Zahlen der OECD durchweg an der Spitze. Die Erwerbsquote erreichte im zweiten Quartal hierzulande 80,5%. Kein anderes Land der OECD kommt auf 80%, in den Niederlanden sind es 78,2%. Im OECD-Schnitt beläuft sich die Quote auf 68,7%.

Bei den Frauen erreicht die Schweiz eine Erwerbsquote von 76,4% – auch das der Spitzenwert. Schweden liegt mit 76% knapp dahinter. Die Tatsache, dass die Teilzeitarbeit bei den Frauen verbreitet ist, relativiert den Spitzenwert kaum. Die Erwerbsquote der Männer erreicht gar 84,5%. Lediglich Japan kommt mit 84,1% in die Nähe der Schweiz.

Dabei darf nicht vergessen werden, dass in den vergangenen Jahren eine rasante Zuwanderung in die Schweiz stattgefunden hat, die sich erst jüngst wieder abgeschwächt hat. Die eingewanderten Arbeitskräfte konnten vom Arbeitsmarkt jedoch weitgehend problemlos absorbiert werden. Auch die Digitalisierung bzw. Roboterisierung der Wirtschaft führte nicht zu sinkender Beschäftigung und mehr Arbeitslosen.

Die hohen Erwerbsquoten legen zudem nahe, dass das Potenzial an Erwerbstätigen nahezu ausgeschöpft sein dürfte. Eine weitere Steigerung der Quoten scheint kaum mehr möglich. Daran vermögen auch die, gut gemeinte, Fachkräfteinitiative oder andere Massnahmen nichts Grundlegendes zu ändern.

Der in der Schweiz grassierende Fachkräftemangel kann fast nur über Zuwanderung aufgefangen werden. Darum wäre eine Kündigung der Personenfreizügigkeit mit der EU, wie dies die «Begrenzungsinitiative» der SVP verlangt, fatal: Dem Wachstum würden enge Grenzen gesetzt.

Und es muss auch heissen: Hände weg von Beschäftigungshürden. Eine der höchsten dürfte ein restriktiver staatlicher Kündigungsschutz sein. Er macht es für Unternehmen unattraktiv, Personal zu rekrutieren. Eine hohe Hürde sind auch stetig steigende Lohnnebenkosten. Sie schaden der Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen.