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EZB warnt vor Anschwellen fauler Kredite

Die Banken haben die Viruskrise bislang glimpflich überstanden. Doch das Risiko einer plötzlichen Zunahme notleidender Kredite wächst laut EZB-Bankenaufsicht.

(Reuters) Die Geldhäuser der Euro-Zone haben aus Sicht der Bankenwächter die Virus-Krise bislang relativ glimpflich überstanden. Allerdings gebe es vor allem beim Kreditrisiko Schwachstellen, teilte die EZB-Bankenaufsicht am Donnerstag in Frankfurt anlässlich der Vorlage ihrer Ergebnisse der jährlichen Bankenprüfung mit. «Im Zentrum steht dabei das Risiko einer plötzlichen Zunahme notleidender Kredite», erklärten die Bankenwächter. Der Abbau fauler Darlehen in den Bilanzen habe sich während der Krise verlangsamt. Da einige Stützungsmassnahmen auslaufen, könnte die Gefahr von Klippeneffekten steigen. «Die Verschlechterung der Aktivaqualität bereitet uns im Jahr 2021 eindeutig immer noch die grösste Sorge und ist eine Aufsichtspriorität, die wir weiterverfolgen werden», sagte EZB-Chefbankenaufseher Andrea Enria. Dabei warnte er unter anderem vor einer zu niedrigen Risikovorsorge der Institute. «Wir müssen die Praktiken der Banken, die zu einer zu geringen Risikovorsorge führen, weiter im Auge behalten», sagte er. Geldhäuser seien wegen der jüngsten wirtschaftlichen Eindämmungsmassnahmen möglicherweise genötigt, zusätzliche Anstrengungen zu unternehmen. Laut Enria erhielten rund 80% der bedeutenden Banken Empfehlungen zu ihrem Kreditrisiko.

Neun Banken nutzten Erleichterungen bei Kapitalpuffern 

Im vergangenen Jahr blieben laut Europäischer Zentralbank (EZB) die Anforderungen und Empfehlungen für das harte Kernkapital (CET1) stabil. Im Schnitt lagen sie bei rund 14%. Die EZB war den Banken in der Corona-Krise mit einer Reihe von Erleichterungen entgegen gekommen und hatte ihnen unter anderem erlaubt, ihre Kapitalpuffer anzugreifen. Bis mindestens Ende 2022 können sie diese vollständig nutzen. Davon haben den Aufsehern zufolge aber bislang nur neun Banken Gebrauch gemacht. Ihre Kernkapitalquoten lagen unter den Kapitalanforderungen und -Empfehlungen von vor Einführung der Covid-Massnahmen. Die Namen der Banken nannte die EZB nicht.

«Seit dem dritten Quartal 2020 sind die von uns beaufsichtigten Banken gut kapitalisiert», sagte Enria. Aus seiner Sicht sind vor allem «strukturelle Probleme» und nicht die Virus-Krise der Grund, warum bislang nur wenige Geldhäuser ihre Puffer genutzt haben. Denn es seien noch keine durch die Krise verursachten Kreditausfälle aufgetreten. Er rief die Institute dazu auf, die Puffer auch zu verwenden, sollten durch die Pandemie verursacht Verluste anfallen.

Aus Sicht des Bundesverband deutscher Banken (BdB) sind die deutschen Institute stabil aufgestellt. Die Eigenkapitalanforderungen seien weitgehend unverändert geblieben, nur in Einzelfällen seien die Anforderungen angehoben worden, sagte BdB-Hauptgeschäftsführer Christian Ossig. Die Banken seien mit einer soliden Kapitalausstattung in die Krise gegangen. «Auch für den weiteren Verlauf der Pandemie haben sie nach derzeitigem Stand ausreichend vorgesorgt.»

Die EZB hatte den Instituten zuletzt auch nahelegt, nicht mehr als 15% der zusammengefassten Gewinne der Jahre 2019 und 2020 als Dividenden an ihre Aktionäre auszuschütten. Laut Enria folgten die Banken im allgemeinen dieser Aufforderung. Mit einigen werde noch diskutiert, etwa, wie die Berechnung erfolgen soll, sagte er. Seine Erwartung ist, dass Banken in diesem Jahr zwischen 10,5 und elf Mrd. € als Dividenden ausschütten werden. Das wäre lediglich in etwa ein Drittel der üblicherweise ausgezahlten Summe.