Märkte / Makro

«Der EZB-Rat hat ein QE diskutiert»

Die EZB hat an ihrer geldpolitischen Sitzung keine Zinsänderung beschlossen. Der EZB-Rat ist sich aber einig, dass zukünftig auch unkonventionelle Massnahmen ergriffen werden könnten.

Tommaso Manzin und Tina Haldner

Worte statt Taten: So lässt sich die Strategie der Europäischen Zentralbank (EZB) auch im April zusammenfassen.

Seit nunmehr fünf Monaten sträubt sich die EZB ­hartnäckig, die Geldpolitik weiter zu ­lockern, um die ausserordentlich niedrige Teuerung zu bekämpfen. Diese lag im März noch bei 0,5% und damit deutlich unter dem Zielwert der EZB von knapp unter 2%, bei dem sie die Preisstabilität als gewahrt erachtet. Das Vorgehen der EZB scheint konsensfähig zu sein: Marktbeobachter erwarteten für die Sitzung am ­Donnerstag keine Zinssenkung und schon gar keine weiter gehenden Massnahmen.

Dafür hat EZB-Präsident Mario Draghi erneut in die verbale Trickkiste gegriffen. «Der EZB-Rat ist sich einig in seinem ­Bekenntnis, auch unkonventionelle Instrumente zu ergreifen, um gegen eine lang andauernde tiefe Inflation vorzugehen», erklärte er. Ein Anleihenkaufprogramm (Quantitative Easing) sei eine mögliche Massnahme. Der Euro fiel unmittelbar nach Draghis Aussagen auf 1.3717 $, von 1.3770 $ vor der Pressekonferenz.

Das Limit dieser Strategie dürfte dennoch langsam erreicht sein. Der Rückgang der Inflationsrate im März ist laut der EZB einem saisonalen Effekt geschuldet. Sie prognostiziert daher einen Anstieg im April. Bewahrheitet sich diese Prognose nicht und bleibt die EZB auch im Mai ­untätig, ist es fraglich, ob sich die Finanzmärkte weiterhin mit vagen Versprechen werden abspeisen lassen.

Live-Ticker von der Pressekonferenz:

15.32

Die Pressekonferenz ist beendet.

15.30

Auf die erneute Frage des Designs eines QE in der Version der EZB antwortet Draghi, dass es unterschiedliche Meinungen gebe, welche Art von QE effektiver sein werde. Man werde das in den kommenden Wochen diskutieren. Der Kauf von privaten Schuldverschreibungen hänge davon ab, wie tief und liquid der Markt sei. Der Markt für ABS müsse weiterentwickelt werden. Unternehmenskredite müssten gepreist, von Agenturen eingestuft und handelbar werden. Die EZB mache sich dafür stark, dass die Regulierung von ABS überarbeitet wird, um diesen Markt zu entwickeln. Die Ausfallquoten von ABS sei in Europa deutlich tiefer gewesen als in den USA, trotzdem sei die Regulierung dieselbe, das könne nicht sein. Die EZB werde zusammen mit der Bank of England ein Konzept erarbeiten.

15.29

Draghi erklärt, die verschiedenen geldpolitischen Massnahmen, die der EZB zur Verfügung stehen, zielen auf die Lösung verschiedener Probleme ab. Wichtig sei, dass sich der EZB-Rat einig sei, dass auch unkonventionelle Massnahmen eine Alternative seien.

15.26

Ein Journalist fragt, wie das Konzept der Inflationserwartungen besser erklärt werden könnte. Draghi erklärt, dass die kurzfristigen Erwartungen sänken, auf lange Sicht aber nicht. Draghi geht davon aus, dass sich die Kreditvergabe nicht erst nach dem AQR verbessern werde. Die Neukreditvergabe nehme bereits zu. Aber die Bruttokreditvergabe, also inklusive Rückzahlung alter Kredite, nehme weit weniger zu. D.h. insgesamt finde weiterhin ein Schuldenabbau bzw. ein Deleveraging statt.

15.20

Die schwache Kapazitätsauslastung der Unternehmen ist nach wie vor ein Problem, obwohl die konjunkturelle Erholung langsam voranschreitet. Auch der Arbeitsmarkt ist immer noch in schlechtem Zustand, mit einer rekordhohen Arbeitslosenrate.

15.17

Auf die Frage, ob ein QE in Europa aufgrund der Ausrichtungen auf den Bankenkanal hier nicht so gut funktionieren würden wie in den USA, erklärt Draghi, diese Möglichkeit müsse in Betracht gezogen werden. In den USA ändere das Fed mit seinen Massnahmen über die Preise der Wertschriften direkt die Finanzierungsbedingungen der Privatwirtschaft. In Eruopa sei die Funktionsfährigkeit des Bankensektors zur Kreditvergabe zentral. Daher werde der AQR (EZB-Bankenbilanzprüfung) so wichtig. Die Banken seien bereits daran, ihr Kapital zu erhöhen oder Abschreibungen mit Blick auf den AQR vorzunehmen. Wenn der AQR stattfinde, werde das Bankensystem daher bereits stärker sein als zur Zeit der Ankündigung.

15.12

Die EZB hat im März zwar mit einer fallenden Inflationsrate gerechnet, doch Draghi bezeichnet den Rückgang als unerwartet stark. Draghi bekräftigt, dass ein Anleihenkaufprogramm auch bei einer anhaltend niedrigen Teuerung zum Zuge kommen könnte, nicht nur bei einer weiterhin fallenden Inflationsrate.

15.10

Draghi erklärt, die Kerninflation sei deshalb nicht das Ziel der EZB, weil schon seit Gründung der EZB auf die Gesamtinflation abgestellt werde (Headline Indflation). Es bestehe mit der Kerninflation die Gefahr, wichtige Komponenten auszuklammern. Allerdings sei wahr, dass die Kerninflation weniger abgenommen habe, nämlich von 1% im Februar auf 0,8% im März. Das Mandat der Preisstabilität beziehe sich aber auf die Gesamtinflation.

15.03

Viele Probleme in der Eurozone seien strukturell, daher seien Reformen wichtig. Draghi befürchtet insbesondere, dass die hohe Arbeitslosigkeit in der Eurozone zu einem langfristigen Problem werden könnte.

15.00

Draghi betont erneut, dass er keine Deflationsgefahr für die Eurozone sehe. Dennoch müsse die EZB auf der Hut bleiben. Bei einer sehr niedrigen Teuerung werde die Korrektur von Ungleichgewichten schwieriger. Bei 0,5% heisse das, dass in einigen Ländern die Anpassungen negative Inflation mit sich brächten. Zudem werde die Staatsschuld bei tiefer Inflation weniger schnell abgetragen. Es sei zudem wichtig, einen gewissen Sicherheitsabstand zu haben zu einem Deflationszenario, dieser Puffer sei bei tiefer Inflation kleiner. Der Unterschied zu Japan sei allerdings sehr gross, trotzdem nehme die EZB die Gefahr ernst.

14.57

Ein QE wäre im Euroraum sehr verschieden vom Programm in den USA. Über das Design äussert sich Draghi nicht, man werde aber sehr gut darüber nachdenken.

14.55

Die Forward Guidance erachtet Draghi als erfolgreich, die Volatilität in den Zinssätzen habe abgenommen. Auch die Volatilität der Devisenkurse sei moderat geblieben. Der EZB-Rat hat im vergangenen Monat kein Anleihenkaufprogramm diskutiert. Aber je länger die Teuerung so niedrig bleibt, desto höher ist die Gefahr, dass die mittelfristigen Inflationserwartungen fallen.

14.54

Auf die Frage, auf welche zusätzlichen Daten die EZB warte, um auszuloten, ob die Daten den mittelfristigen Inflationsausblick der EZB kontrastieren oder nicht, antwortet Draghi, es handle sich um mehrere Faktoren: Erstens die Volatilität der Dienstleistungspreise und dass Ostern dieses Jahr später komme. Normalerweise steige dann die Nachfrage nach Dienstleistungen. Der entstehende Basiseffekt führe womöglich dazu, dass die Inflation im März tiefer ausgefallen sei und dass sie im April höher ausfallen könnte als im vergangenen Jahr. Ausserdem spielten die tieferen Energiepreise eine wichtige Rolle.

14.50

Draghi erklärt, der EZB-Rat schätze die Deflationsgefahr nicht als imminent ein. Es habe eine sehr lebhafte Diskussion zu den möglichen Reaktionen der EZB auf das gegenwärtige Wirtschaftsumfeld stattgefunden.

14.46

Die erste Frage geht auf die Einstimmigkeit des EZB-Rats ein, auch zu unkonventionellen Massnahmen bereit zu sein, um gegen eine zu lange Zeit zu niedriger Inflation vorzugehen. Draghi bejaht, dass darin auch ein QE enthalten sei und dass ein solches Programm ebenfalls diskutiert worden sei.

14.43
Die Fragerunde für die Journalisten ist eröffnet.

14.42
Um die Finanzierungssitutaion zu verbessern, soll die Fragmentierung weiter verringert werden. Dies ist das Ziel der Bankenbilanzprüfung und des anschliessenden Stresstest im Herbst.

14.40
Die Kreditvergabe für Unternehmen ausserhalb des Finanzsektors bleibt sehr niederig. Draghi erwartet, dass sich die Situation in den kommenden Monaten verbessern wird.

14.38
Die Inflationsrate dürfte im April wieder steigen. Bis Ende 2016 soll die Teuerung sich dem Inflationsziel von 2% annähern. Die Binnennachfrage dürften sich aufgrund der lockeren Geldpolitik erholen.

14.36
Die EZB steht weiterhin bereit, die nötigen Massnahmen zu ergreifen, sollte sich die Wirtschaftslage verschlechtern. Der EZB-Rat ist sich einig, dass auch unkonventionelle Mittel  ergriffen werden können. Draghi betont erneut, die Zinsen werden für längere Zeit tief bleiben.

14.34
Mario Draghi erklärt, die konjunkturelle Erholung im Euroraum setzte sich weiterhin fort. Die Inflationsrate werde zwar weiterhin sehr niedrig bleiben, sie bewege sich aber im Rahmen der Erwartungen der EZB. Die mittelfristigen Inflationserwartungen sind fest verankert.

14.30
Die Pressekonferenz beginnt.

13.45 Der Zinsentscheid
Die Europäische Zentralbank (EZB) belässt die Zinsen unverändert: Der Hauptrefinanzierungssatz beträgt damit weiterhin 0,25%, der Spitzenrefinanzierungssatz 0,75% und der Einlagensatz 0%. Analysten hatten im Vorfeld mit diesem Ergebnis gerechnet.

Ab 14.30 Uhr erläutert EZB-Präsident Mario Draghi den Zinsentscheid an einer Pressekonferenz. Verfolgen Sie hier den Live-Ticker.

Hintergrund:

(THA) Die EZB stand in den vergangenen Wochen zunehmend in der Kritik, nicht tatkräftig genug gegen die Deflationsgefahr vorzugehen. Doch obwohl die Inflationsrate im März erneut gesunken ist, sind sich Marktbeobachter diesmal weitgehend einig: Die Zentralbank wird im April keine einschneidenden Massnahmen beschliessen.

Als möglich erachten Analysten eine Senkung des Hauptrefinanzierungssatzes, der derzeit bei 0,25% steht. Dieser Schritt hätte aber höchstens symbolische Bedeutung und die EZB könnte damit dem Vorwurf der Untätigkeit begegnen.

Toleranz für tiefe Teuerung

EZB-Präsident Mario Draghi bekräftigte an der vergangenen Zinssitzung im März die abwartende Haltung der Notenbank und erklärte, die Wirtschafts- und Inflationsentwicklung liege im Rahmen der Erwartungen. Er hat damit die Hürde für eine weitere Lockerung der Geldpolitik erhöht. «Die EZB demonstriert eine hohe Toleranz für die niedrige Inflation», kommentieren die Analysten von Nomura. Sie erwarten daher, dass die niedrige Teuerung im März nicht ausreicht, um die EZB aus der Reserve zu locken. Zudem untermauern aktuelle Daten, dass sich die konjunkturelle Erholung im Euroraum fortsetzt und weitere geldpolitische Massnahmen in dieser Hinsicht nicht erforderlich sind.

Die Inflationsrate innerhalb des Währungsraums betrug im März lediglich 0,5%, nach 0,7% im Februar. Es ist der tiefste Stand seit November 2009. Der Zielwert von knapp unter 2%, bei dem die EZB die Preisstabilität als gewährleistet erachtet, liegt in weiter Ferne.

Allerdings hatten sowohl die EZB als auch Analysten eine sinkende Teuerung erwartet. Auslöser für den Rückgang ist ein saisonaler Effekt: Die Osterfeiertage, zu denen die Geschäfte tendenziell die Preise erhöhen, kamen im vergangenen Jahr bereits im März zu liegen. Das wirkte sich dieses Jahr dämpfend auf den Preisauftrieb aus, da Ostern erst auf den April fällt. Entsprechend dürfte die Teuerung im April wieder zunehmen. Bleibt dieser Effekt aber aus, wird es für die EZB dann schwierig sein, ihre zurückhaltende Position zu verteidigen.

Verschiedene Euroländer verzeichnen bereits heute eine negative Teuerung, dazu gehören Griechenland, Zypern, Portugal und seit kurzem auch Spanien. Der Abwärtsdruck bei den Preisen bleibt in der Europeripherie hoch: Durch sinkende Löhne erobert sie ihre Wettbewerbsfähigkeit zurück. Die Inflationsrate in Italien ist mit 0,3% zudem sehr tief und sie könnte noch weiter sinken, denn Italien hat bislang kaum Reformanstrengungen unternommen. Dasselbe gilt für Frankreich. «Beide Länder müssen massive Anstrengungen zur Wiedererlangung der Wettbewerbsfähigkeit unternehmen», schreiben die Analysten von Barclays (BARCl 1.59 +3.35%). Das eröffnet Potenzial für weiter fallende Preise.

Starker Euro als Gefahr

Neben der Teuerung rückte in den vergangenen Wochen die Entwicklung des Euros in den Fokus. Die starke Währung «wird bei der Bewertung der Preisstabilität zunehmend relevant», erklärte Draghi Mitte März in Wien. Zwar betont er regelmässig, dass die EZB keine Wechselkurspolitik betreibe. Doch die Aufwertung der Gemeinschaftswährung verschärft die deflationären Tendenzen: Der starke Euro verbilligt die Importe und wirkt dadurch dämpfend auf die Inflation.

Vorerst dürfte sich die EZB auf verbale Mittel beschränken, um eine weitere Aufwertung des Euros zu verhindern. Sowohl Jens Weidmann, der Präsident der Deutschen Bundesbank, als auch Erkki Liikanen, Gouverneur der finnischen Zentralbank, haben vergangene Woche Unterstützung für einen negativen Einlagesatz signalisiert. Er liegt derzeit bei 0%. Damit würden Gelder, die bei der EZB geparkt werden, faktisch mit einer Steuer belastet. Weidmann erklärte, das sei die beste Verteidigung gegen eine starke Währung.