Märkte / Makro

EZB bleibt bei ihrer lockeren Geldpolitik

Europas Währungshüter lassen sich trotz hoher Inflation beim Leitzins nicht aus Reserve locken, halten sich aber Optionen offen.

(Reuters) Trotz der auch zu Jahresbeginn rasant steigenden Preise bleibt eine Zinswende in der Euro-Zone aus. Die Europäische Zentralbank (EZB) beliess den geldpolitischen Schlüsselsatz am Donnerstag auf dem Rekordtief von 0,0%. Zugleich müssen Finanzinstitute weiterhin Strafzinsen berappen, wenn sie überschüssige Gelder bei der Notenbank parken. Der dafür gültige sogenannten Einlagesatz bleibt bei minus 0,5%. Die Währungshüter halten sich jedoch weiterhin die Tür für eine künftige Erhöhung offen: Der EZB-Rat steht bereit, «alle seine Instrumente» bei Bedarf anzupassen. Damit will er sicherstellen, dass sich die Inflation mittelfristig bei dem EZB-Zielwert von 2,0% stabilisiert.

Die Notenbank strich dabei zugleich die Passage vom Dezember, wonach sie bereit sei, diese Werkzeuge «in jede Richtung anzupassen». Offenbar ein Fingerzeig, dass zumindest an eine weitere Zins-Senkung vorerst nicht zu denken ist. Im Januar war die Teuerungsrate im Euroraum mit 5,1% überraschend gestiegen. Die EZB gerät damit in Erklärungsnöte, da sie laut ihrer Prognose vom Dezember mit einem schrittweisen Abklingen des Preisdrucks rechnet.

«Zweifel am Kurs»

«Die Zinspolitik und Wertpapierkäufe der EZB wirken inzwischen wie aus der Zeit gefallen», sagte Ökonom Friedrich Heinemann vom Mannheimer ZEW. Sie betreibe im Grunde immer noch eine Politik der Deflationsbekämpfung, obwohl Europa den stärksten Inflationsschub seit Einführung des Euro erlebe und auch die Inflationserwartungen kletterten.

Angeheizt wird die Inflation durch die Energiepreise — insbesondere auch bei Gas. Die Ukraine-Krise hat laut dem deutschen Top-Ökonomen Achim Wambach das Potenzial die Preise weiter zu treiben. Auch spielen bei dem derzeit hohen Preisdruck Störungen der Lieferketten eine Rolle, die sich aus der Pandemie ergeben haben.

Die US-Notenbank Fed unterschätzte diesen Effekt laut ihrem Chef Jerome Powell lange, hat mittlerweile aber umgesteuert. Sie hat für März eine Zinswende signalisiert, der mehrere weitere Schritte nach oben im Jahresverlauf folgen dürften. Am Geldmarkt wird nun bereits bis zum Sommer auf eine leichte Anhebung des Einlagesatzes im Euroraum gesetzt. «Die Finanzmärkte sehen die EZB unter Zugzwang und bezweifeln, dass am gegenwärtigen Kurs festgehalten werden kann», sagte Chefökonom Thomas Gitzel von der VP Bank (VPBN 90.20 +3.68%). Gerade diese Diskrepanz zwischen Markterwartungen und offizieller Kommunikation dürfte seiner Ansicht nach zusätzlich für Unruhe unter den europäischen Währungshütern sorgen. «Christine Lagarde hat also heute erheblichen Klärungsbedarf.»