Meinungen

EZB: Der friktionsfreie Ausstieg

Die EZB gibt endlich bekannt, wie sie die Wertschriftenkäufe drosseln will, und erfüllt erst einmal alle Erwartungen des Marktes. Ein Kommentar von FuW-Redaktor Andreas Neinhaus.

«Mit ihrem Entscheid hat sich die EZB ein Jahr Zeit eingeräumt, um den nächsten wichtigen geldpolitischen Schritt auszuleuchten.»

Die EZB hat mit ihrem heutigen Entscheid die Markterwartungen voll bestätigt. Sie wird ab Januar die monatlichen Wertschriftenkäufe halbieren. Mindestens bis September 2018 kauft sie jeweils für 30 Mrd. € Papiere an. Sie hält sich die Option offen, bei Bedarf die Interventionen erneut hochzufahren. Und sie bestätigt, was EZB-Chef Mario Draghi vor kurzem in Washington unterstrichen hat: Die Zinsen werden erst «sehr, sehr lange» nachdem die Käufe beendet wurden erhöht.

Zusätzlich betont sie die Neuanlage fällig werdender Gelder. Auch das hatten die meisten Marktbeobachter im Vorfeld in Aussicht gestellt. Nächstes Jahr werden viel mehr Anleihen im EZB-Portefeuille fällig als 2017. Die EZB wird diese Rückzahlungen der Emittenten erneut in Anleihen anlegen. Da sie die Beträge nicht in die Obergrenze von 30 Mrd. € pro Monat einbezieht, wird sie de facto mit einem höheren Betrag weiterhin auf den europäischen Kapitalmärkten auf Kauftour gehen.

Sie hat damit viele Vorkehrungen getroffen, um den Exit aus dem Multimilliarden-Subventionsprogramm für die Märkte so reibungslos wie möglich zu gestalten. Indem sie die Markterwartungen diese Woche vollständig zufriedenstellte, verhinderte sie einen Zinsanstieg am Geld- und Anleihenmarkt. Stufe eins der heiklen Mission hat sie so erst einmal erfüllt.

Darüber, wie es konkret weitergeht, gibt sich Draghi hingegen erstaunlich wortkarg. Also (ALSN 277.50 +1.09%) darüber, welche Anleihentypen in welchem Umfang gekauft werden und was dann ab Oktober 2018 passiert. Die EZB hält sich diese Fragen bewusst offen. Draghi sprach während der Presskonferenz nach der Sitzung des EZB-Rats mehrfach davon, dass das QE-Programm flexibel sei und der Zentralbank eine grosse Handlungsfreiheit einräume.

Und er betonte, wie wichtig es sei, Geduld zu haben. Mit ihrem Entscheid hat sich die EZB denn auch ein Jahr Zeit eingeräumt, um den nächsten wichtigen geldpolitischen Schritt auszuleuchten. Sie wird beobachten, wie sehr sich die Konjunktur erholt und die Inflation anzieht, und dann erst über den nächsten Schritt entscheiden.