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EZB hält sich geldpolitisch alle Türen offen

Gemäss dem heute veröffentlichten Protokoll der Septembersitzung gehen die Währungshüter davon aus, dass der Krisenfonds voll ausgeschöpft wird.

(Reuters) Die Europäische Zentralbank (EZB) will sich angesichts der hohen wirtschaftlichen Unsicherheiten aufgrund der Virus-Pandemie geldpolitisch alle Türen offenhalten. Währungshüter argumentierten auf der jüngsten Zinssitzung aus diesem Grund dafür, die Notenbank müsse sich eine «offene Hand» bewahren, wie aus dem Protokoll der September-Sitzung hervorgeht, das die Notenbank am Donnerstag veröffentlichte. Angemessen sei es, weiterhin ruhig zu agieren. Dabei sei es wichtig, die aktuellen Wirtschaftsdaten genau zu analysieren. Dies gelte auch für den Euro-Wechselkurs, die Brexit-Verhandlungen und das Ergebnis der US-Wahl am 3. November.

Die EZB müsse die «Flexibilität aufrechterhalten, angemessen geldpolitisch zu handeln, wenn und wann dies erforderlich ist», hiess es im Protokoll. Die Währungshüter waren zudem der Auffassung, das im Lichte der aktuellen Lage das Volumen des Krisen-Anleihenkaufprogramms PEPP von 1,35 Bio. € wahrscheinlich voll ausgeschöpft werden wird. Es gab aber auch Stimmen, die dafür plädierten, angesichts der gesunkenen Spannungen an den Finanzmärkten das monatliche Volumen der Anleihenkäufe zu senken.

Manche Währungshüter merkten auf der Sitzung an, dass Zinssenkungen und eine Veränderung der Bedingungen für die grossen
Liquiditätsspritzen für Banken – in der Fachwelt TLTRO genannt – nötigenfalls ebenfalls als Werkzeuge genutzt werden könnten. Auf der Sitzung hatte die EZB keine neuen Beschlüsse gefasst und die Leitzinsen nicht angetastet. Sie liegen seit März 2016 auf dem Rekordtief von 0,0%t. Die nächste Zinssitzung ist für den 29. Oktober anberaumt.

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