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Märkte / Makro

EZB: «Die neuen Massnahmen reichen aus»

Die EZB hat den Einlagenzins für Banken von –0,2 auf –0,3% gesenkt. Das Anleihenkaufprogramm dauere länger, sagte Mario Draghi an der Pressekonferenz. Der Franken-Euro-Kurs steigt.

(Reuters/Beg) Die EZB flutet das Finanzsystem wegen der hartnäckig niedrigen Inflation noch länger mit billigem Geld. Die Euro-Währungshüter weiteten am Donnerstag ihr insbesondere in Deutschland umstrittenes Anleihenkaufprogramm auf nunmehr 1,5 Bio. € aus. An der Börse wurde allerdings zum Teil mit noch stärkeren Schritten gerechnet, was den Aktienmarkt nach unten zog und den Euro aufwerten liess.

Die EZB geht damit einen anderen Weg als die US-Notenbank. Denn dort deutet derzeit alles darauf hin, dass Fed-Chefin Janet Yellen Mitte Dezember erstmals seit fast zehn Jahren die Leitzinsen anheben wird.

«Wir machen mehr, weil es wirkt», verteidigte EZB-Präsident Mario Draghi seine in Deutschland viel kritisierten Massnahmen. «Wir sind zuversichtlich, dass diese Entscheidungen angemessen sind, um unser Ziel zu ereichen.» Die EZB wolle sicherstellen, dass sich die Inflation im Währungsraum wieder der Marke von knapp 2% nähere. Ohne diese Massnahmen wäre die Teuerung nächstes Jahr einen halben Punkt tiefer, so Draghi. Allerdings haben die hausinternen EZB-Experten wegen der niedrigeren Energiepreise ihre Inflationsprognosen für die Jahre 2016 und 2017 gesenkt.

Draghi zufolge werden sich die wirtschaftlichen Bedingungen durch das Anleihenkaufprogramm nach und nach verbessern. Die Beschlüsse seien zwar nicht einstimmig gefällt worden – aber mit einer «sehr grossen Mehrheit», so der Italiener.

Die Währungshüter wollen nun ihre monatlichen Käufe von rund 60 Mrd. € um ein halbes Jahr bis mindestens März 2017 verlängern. Damit erhöht sich der Gesamtumfang um 360 Mrd. €. Auch Anleihen von Kommunen und Regionen sollen jetzt erworben werden. So kann die Notenbank die mögliche Verknappung in einzelnen Ländern abfedern – etwa bei deutschen Bundesanleihen. Die EZB verdient mit ihren Transaktionen Geld, da sie Zinsen für die Anleihen einsackt. Diese Gewinne will sie einsetzen, um neue Papiere zu kaufen.

Auf die Geschäftsbanken im Euroraum kommen zudem höhere Strafzinsen zu, wenn sie überschüssige Gelder bei der Zentralbank parken. Die EZB setzte den sogenannten Einlagensatz von bisher –0,2 auf –0,3%. Den Leitzins beliessen die Währungshüter hingegen auf dem Rekordtief von 0,05%.

Mit ihren Massnahmen will die EZB das Wirtschaftswachstum ankurbeln und so auch die Inflation anheizen. Durch die Wertpapierkäufe sollen Bond-Renditen sinken und so als Investment für Banken unattraktiv werden. Die Geldhäuser sollen mehr Kredite an die Wirtschaft vergeben. In die gleiche Richtung zielen auch die Strafzinsen für Banken.

USA und Eurozone gehen getrennte Wege

Fed-Chefin Yellen stimmte die Märkte zuletzt mehrfach auf eine massvolle Zinsanhebung Mitte Dezember ein. Weitere Führungsmitglieder der Zentralbank liessen kaum einen Zweifel daran, dass sie die Geldpolitik straffen wollen. Denn mit einer Arbeitslosenquote von zuletzt 5% ist die US-Notenbank ihrem erklärten Ziel der Vollbeschäftigung bereits greifbar nahe gekommen.

Noch im September hatten die Schockwellen der Börsenturbulenzen in China und die Furcht vor einem Wachstumseinbruch in der Volksrepublik das Fed den lang erwarteten Schritt aufschieben lassen. Inzwischen hat Yellen aber erklärt, die vom Ausland auf die USA ausstrahlenden Risiken seien seit dem Sommer geringer geworden. In den USA, wo sich die Wirtschaft insgesamt viel besser erholt hat, liegen die Leitzinsen bereits seit dem Höhepunkt der Finanzkrise 2008 auf dem historisch niedrigen Niveau von 0 bis 0,25%.

 

Die Pressekonferenz im Liveticker

15:29 Uhr

Der Wechselkurs des Euros sei wichtig, aber kein geldpolitisches Ziel. Zielmarke sei die Inflation. Aber alle Massnahmen von sämtlichen Zentralbanken nähmen Einfluss auf die Wechselkurse, und diese beeinflussten das Wirtschaftswachstum und die Inflation.

Geopolitische Risiken könnten das Vertrauen beschädigen und die Lage verschlechtern. Der EZB-Rat sei zuversichtlich, aber nicht selbstzufrieden.

Die Risiken und Nebenwirkungen der getroffenen Massnahmen seien diesmal vom EZB-Rat nicht speziell diskutiert worden, sagt Draghi. Die Risiken würden aber von der EZB kontinuierlich beurteilt. Es gebe kein systemisches Finanzrisiko, sondern lediglich lokale Risiken. Diese könnten durch konventionelle Regulierung entschärft werden.

15:23 Uhr

Der Franken-Euro-Wechselkurs ist weiterhin über 1.09 Fr./€.
Der Dax ist 2,2% im Minus, in den USA handeln die Aktien-Futures fast unverändert zum Vortag.

Eine Journalistin aus Griechenland will Auskunft über den aktuellen Stand der Dinge mit Blick auf ihr Herkunftsland. Draghi verweist auf die «Institutionen», früher Troika genannt.

15:17 Uhr

Das Anleihenkaufprogramm dauert bis März 2017 oder länger statt nur bis September 2016. Ob es auf unbestimmte Zeit weitergeführt wird, hängt von der Inflationsentwicklung ab. Draghi betont erneut, die Reinvestition auslaufender Anleihen sei zentral. Anleihen würden nach März 2017 in unverändertem Umfang in der Bilanz bleiben, auch wenn das Kaufprogramm nicht verlängert werde.

15:13 Uhr

Die Bilanz sei ein Mittel der Geldpolitik. Ihre Grösse per se sei nicht wichtig, sondern die EZB müsse das geldpolitische Ziel erreichen. Sie habe die Instrumente, um künftig bei Bedarf die Bilanz zu verkleinern und damit die zusätzliche Liquidität aus dem Markt zu nehmen.

Berücksichtigt die EZB die Auswirkungen auf andere Währungen, etwa den Franken oder die schwedische Krone? Die EZB könne keine Rücksicht nehmen auf andere Notenbanken, sie müsse ihr Mandat verfolgen und nur die Eurozone beachten. Es gebe aber Konsultationen mit anderen Notenbanken, um die Auswirkungen zu diskutieren.

Der Einlagenzins wurde von –0,2 auf –0,3% gesenkt. Das verbessere die Wirkung resp. den Transmissionsmechanismus der Geldpolitik massiv. Der Einlagenzins ist neu der wichtigste Leitzins. Die Marktzinsen richten sich danach aus.

15:07 Uhr

Neu ist der Kauf von Anleihen von lokalen und regionalen Gebietskörperschaften. Draghi will zum geplanten Umfang keine genaueren Angaben machen. Es gebe allerdings auch im bisherigen Universum genügend Anleihen zu kaufen. Kritik, die EZB finde nicht ausreichend Schuldtitel zum Kauf, sei unberechtigt.

15:05 Uhr

Der wichtigste Faktor, der die Inflation beeinflusst hat, war der Ölpreis. Dazu kam die Wirtschaftslage in den Schwellenländern. Die Geldpolitik habe positive Wirkungen, auch wenn das Inflationsziel noch nicht erreicht sei. Das verfügbare Einkommen habe zugenommen, der Konsum ebenfalls. Das Anleihenkaufprogramm verbessere die Bedingungen in der Eurozone allmählich.

15:02 Uhr

Der Umfang der monatlichen Anleihenkäufe von 60 Mrd. € wird nicht erhöht. Das Programm sei flexibel, sagt Draghi, es könne jederzeit angepasst werden. Wichtig sei, dass nun die Anleihen jeweils am Ende der Laufzeit ersetzt werden, damit die ausstehende Liquidität nicht wieder abnehme. Derzeit reichten die neuen Massnahmen aus.

14:58 Uhr

Am wichtigsten sei die Abnahme der Kreditkosten, führt Draghi weiter aus. Die Transmission von der Geldpolitik zu den Kreditkosten sei effektiv. Das BIP in der Eurozone werde 2015 dank der Massnahmen der EZB um 1 Prozentpunkt höher ausfallen.

Die Rendite spanischer Staatsanleihen steigt 0,2 Prozentpunkte. Der Euro-Dollar-Kurs steigt auf 1.085 $/€, ein Vierwochenhoch. Der Franken-Euro-Kurs steigt über 1.09 Fr./€.

14:55 Uhr

Die Finanzmärkte sind offenbar enttäuscht von den Massnahmen. Ist die Kommunikation der EZB falsch gelaufen? Nein, sagt Draghi, die Märkte brauchten Zeit, um die Massnahmen einzuschätzen.

Die Entscheide seien im EZB-Rat nicht einstimmig gefällt worden, aber mit grosser Mehrheit.

14:53 Uhr

Neu sei die Reinvestition von Anleihen, die auslaufen. Dadurch bleibe die zusätzliche Liquidität im Markt länger erhalten. Es gebe autonome Faktoren, die die Liquidität reduzierten. Dazu gehöre die Rückzahlung der Liquiditätsspritzen TLTRO. Die EZB will sicherstellen, dass die Anleihen für lange Zeit auf der EZB-Bilanz bleiben, dass sich die Bilanzsumme also nicht automatisch verkleinert.

14:49 Uhr

Weshalb hat die EZB nicht mehr getan? Draghi: Die Erholung verlaufe zwar schrittweise, aber sie setze sich fort. Unterstützung böten die Geldpolitik, eine weniger restriktive Fiskalpolitik und der tiefe Ölpreis. Die Geldpolitik sei effektiv, die Bedingungen an den Finanzmärkten und am Kreditmarkt hätten sich verbessert. Mit Blick auf die Inflation reichten die bisherigen Massnahmen aber nicht aus. Die EZB tue mehr, weil die Massnahmen wirkten.

14:47 Uhr

Draghi antwortet nun auf Fragen von Journalisten.

14:46 Uhr

Es seien mehr Kredite an Unternehmen vergeben worden, aber das Wachstum sei gering und spiegle die verhaltene Situation am Kreditmarkt. Insgesamt habe sich ergeben, dass eine weitere Stimulierung durch die Geldpolitik notwendig sei. Die Erholung müsse von strukturellen staatlichen Massnahmen und Investitionen unterstützt werden. Die strukturelle Arbeitslosigkeit in der Eurozone sei nach wie vor hoch.

14:43 Uhr

Die Inflationsraten sollten zum Jahreswechsel steigen, weil der Ölpreisverfall vom vergangenen Jahr aus der Statistik verschwindet (Basiseffekt). Bis 2017 sollte die Inflation auf 1,7% steigen. Die Geldmenge wachse solid.

14:40 Uhr

Der Wirtschaftsausblick bleibt mehr oder weniger unverändert. Draghi erwähnt geopolitische Risiken, die das Vertrauen beeinträchtigen könnten.
Die Inflation sei geringer, als erwartet worden war.

14:39 Uhr

Der EZB-Rat ruft in Erinnerung, dass das Anleihenkaufprogramm flexibel sei und im Umfang und in der Dauer ausgeweitet werden könne. Erwartet wird eine wirtschaftliche Erholung, die lockere Geldpolitik stütze den Konsum.
An den Anleihenmärkten rentieren deutsche und französische Staatsanleihen leicht höher.

14:36 Uhr

Die Indikatoren zeigten weiterhin ein Abwärtsrisiko für die Inflation.
Derweil fällt an den Aktienmärkten in Europa der Stoxx 600 um 1,9%. Der deutsche Dax sinkt 2,8%.

14:34 Uhr

Das Anleihenkaufprogramm wird bis März 2017 oder darüber hinaus verlängert. Zudem wird die Auswahl an Anleihen ausgeweitet, die die EZB kaufen will. Neu dazu gehören die Anleihen von lokalen Gebietskörperschaften. Ziel sei, die Inflationserwartungen fest zu verankern.

14:32 Uhr

Der EZB-Rat habe die Ursachen analysiert, weshalb die Inflation gering bleibt. Er hat entschieden, den Einlagensatz von –0,2 auf –0,3% herabzusetzen. Die anderen beiden Leitzinsen bleiben unverändert.

14:30 Uhr

EZB-Präsident Mario Draghi eröffnet die Medienkonferenz und hält das Einführungsreferat.

 

Der Zinsentscheid

(Reuters/BEG) Die EZB verschärft den Strafzins für Banken. Der sogenannte Einlagensatz sei auf –0,3%, von bislang –0,2%, gesetzt worden, teilte die Europäische Zentralbank (EZB) am Donnerstag mit. Für Geschäftsbanken wird es damit noch teurer, wenn sie überschüssige Gelder bei der EZB parken. Den Leitzins für die Versorgung der Kreditinstitute mit Zentralbankgeld beliess die EZB hingegen bei 0,05%. Auf diesem Rekordtief liegt er bereits seit September 2014.

Die Notenbank kündigte zudem an, dass EZB-Präsident Mario Draghi weitere geldpolitische Schritte am Nachmittag in Frankfurt erläutern wird. Es wird erwartet, dass die umstrittenen Anleihenkäufe dann ausgeweitet werden. Die EZB will mit dem Programm das Wirtschaftswachstum ankurbeln und die aus ihrer Sicht viel zu niedrige Inflation anheizen. Im November waren die Preise in der Eurozone nur 0,1% gestiegen. Die EZB strebt aber als optimalen Wert für die Wirtschaftsentwicklung knapp 2% an.

Der Franken-Euro-Wechselkurs stieg unmittelbar nach der Publikation des Zinsentscheids von 1.0804 auf 1.0875 Fr./€. Danach sank der Kurs leicht und handelte um 1.084 Fr./€.

Euro-Franken

Quelle: Bloomberg

Auch gegenüber dem Dollar liess der EZB-Entscheid den Euro aufwerten. Er notierte zeitweise über 1.07 $/€. Zuvor war er im Tagesverlauf unter 1.055 $/€ gefallen.

Euro-DollarQuelle: Bloomberg