Märkte / Makro

Die nächste Finanzkrise bahnt sich an

Griechische Sparer heben Einlagen ab. Die EZB autorisiert die Notfinanzierung an Banken vor Ort nur bis Montag.

Griechenlands Bevölkerung bereitet sich auf das Schlimmste vor. Allein von Montag bis Mittwoch hoben Bankkunden 2 Mrd. € ab, das entspricht 2,2% der von Banken Ende April gehaltenen Einlagen von Privatpersonen und Unternehmen.Die Flucht ins Bargeld, die von Ende November bis April die Einlagen bereits um rund ein Fünftel schrumpfen liess, hat damit markant an Tempo gewonnen. Das als entscheidend für eine Lösung in letzter Minute klassifizierte Treffen der Euro-Finanzminister brachte am Donnerstag kein Ergebnis. Die Gespräche sollen am Montag auf der Ebene der Regierungschefs fortgesetzt werden.

Beide Seite pochen auf ihrer Position. Konkrete neue Kompromissvorschläge wurden keine präsentiert. Griechenlands Finanzminister sagte, dass über die griechischen Vorschläge nicht debattiert worden sei. Von den Gläubigern war zu hören, dass Athen an den aus ihrer Sicht unzureichenden Reformvorschlägen festhalte.

Ein Durchbruch in letzter Minute bleibt möglich, aber die Öffentlichkeit bereitet sich auf den Extremfall vor. Drei hochrangige Bankenvertreter sagten der Nachrichtenagentur Reuters am Freitag, am Donnerstag seien von Kunden Einlagen im Umfang von mehr als 1 Mrd. € abgehoben worden. Kapitalverkehrskontrollen stehen angesichts des Geldabflusses unmittelbar bevor, sind die Analysten der Bank Barclays (BARCl 1.60 +0.60%) überzeugt.

Dass Griechenlands Banken überhaupt noch solvent sind, ist den Geldzuschüssen der griechischen Notenbank zu verdanken. Die Europäische Zentralbank  hat die Geldgeschäfte seit Februar eingestellt und autorisiert seither die Notenbank vor Ort zu Notfinanzierungen gegen Sicherheiten, die allerdings auf der lokalen Notenbankbilanz bleiben. Die EZB erhöhte am Mittwoch den entsprechenden Plafonds um 1,1 Mrd. auf 84,1 Mrd. €. In einer eiligst einberufenen Sitzung genehmigte sie am Freitag weitere 1,8 Mrd. €.

Bereits am Montag will der EZB-Rat erneut über den ELA-Plafonds entscheiden. Im Gespräch soll auch sein, die Banken  ab Montag geschlossen zu halten. Finanzminister Yanis Varoufakis dementierte das am Freitag. Griechische Aktien erholten sich daraufhin etwas, aber per saldo haben sie diese Woche 10% verloren. Der Euro legte leicht zu. Das erstaunt nicht weiter: Nicht-Europäer kaufen europäische Aktien fast nur währungsabgesichert. D. h. es werden Euros leer verkauft. Das führt dazu, dass bei Aktienverkäufen der Euro anzieht.

Das politische Power Play setzte sich am Freitag fort. Regierungschef Alexis ­Tsipras unterzeichnete in Russland ein Gaspipeline-Abkommen. Natürlich wurde über einen Kredit der Russen spekuliert. Ob solche Aussichten, die vor allem die USA in Rage bringen, die Eurostaaten zum Einlenken bewegen, wird sich zeigen.