Meinungen

Fällige Korrektur

Die niedrige Volatilität ist Ausdruck sorgloser Anleger. Aber gerade jetzt ist es wichtig, auf die Risiken zu achten. Ein Kommentar von FuW-Ressortleiter Jeffrey Hochegger.

«Es ist noch nie ein Anleger verarmt, weil er Gewinne mitgenommen hat.»

Investoren zeigen sich von der sorglosen Seite.  Die niedrige Volatilität ist der beste Beweis dafür. Hohe Bewertungen oder die wirtschaftliche Verlangsamung hindern viele Anleger nicht daran, ihre Risiken sogar aufzubauen und von defensiven in zyklische Werte umzuschichten. Wer auf der Zinsseite nichts verdient, scheint für Absicherungsgeschäfte nicht noch zusätzlich Geld ausgeben zu wollen. Dabei würde es sich in diesem Fall um eine Versicherung handeln, die wegen der Sorglosigkeit der Anleger aktuell sogar günstig zu haben ist. Es ist, wie wenn jemand eine Feuerversicherung abschliesst, während es draussen in Strömen regnet.

Dass es an den Börsen immer wieder zu Kursstürzen kommt, ist klar, dass sich Investoren von der Gier leiten lassen, allerdings auch. Nach einer jahrelangen Aufwärtsbewegung handeln der Swiss Market Index und viele Aktien nahe an ihren Höchst. Jetzt das Risiko zu reduzieren und einen Teil der Aktien zu verkaufen oder abzusichern, ist nicht verkehrt, auch wenn dadurch ein gewisser Anlagenotstand entsteht oder auf etwas Performance verzichtet wird; das gehört nach einer solchen Marktperformance zur verantwortungsvollen Vermögensverwaltung. Auf jeden Fall ist noch nie ein Anleger verarmt, weil er Gewinne mitgenommen hat, und eine Korrektur kommt in der Regel ohne Vorwarnung, fällt dafür umso heftiger aus.

Eine Absicherung kostet, und wenn es nicht zur Korrektur kommt, verfällt sie wertlos. Aber nur weil ich eine Feuerversicherung abschliesse, hoffe ich ja auch nicht, dass das Haus abbrennt.