Meinungen

Falsche Anreize

Die Lohnstrukturerhebung zeigt, dass kein Bedarf für einen gesetzlichen Mindestlohn besteht. Ein Kommentar von FuW-Redaktor Peter Morf.

«Die Mindestlohninitiative setzt für Junge und Unternehmen falsche Anreize.»

Wer Volksinitiativen lanciert, sieht immer Handlungsbedarf. Allzu oft allerdings ist dieser rein politisch motiviert. Das gilt auch für den Gewerkschaftsbund und seine Mindestlohninitiative. Es geht um die eigene Profilierung statt um die Problemlösung. Das illustriert die neue Lohnstrukturerhebung für den privatwirtschaftlichen Bereich.

Ist das Problem niedriger Löhne in der Schweiz derart schwerwiegend, dass es einer umfassenden gesetzlichen Regelung bedarf? Wer die Erhebung analysiert, kommt zum Schluss, dass dies nicht der Fall ist. Der Niedriglohnsektor in der Schweiz ist in den vergangenen zehn Jahren nicht gewachsen, sondern gar leicht geschrumpft. Im internationalen Vergleich ist er zudem sehr klein. Umgekehrt ist die Einkommensverteilung in keinem anderen Industrieland so ausgeglichen wie in der Schweiz.

Die Erhebung zeigt auch, wer mit niedrigen Löhnen zu leben hat: Vor allem Erwerbstätige, die über keine abgeschlossene Berufsausbildung oder «nur» eine unternehmensinterne verfügen. Genau da setzt die Initiative gerade für Junge verkehrte Anreize: Weil sie ohne Berufsbildung sofort einen Lohn von 4000 Fr. in Aussicht haben, sinkt die Attraktivität eine – vorerst schlechter bezahlte – Ausbildung zu absolvieren, womit sich die Betreffenden selbst künftiger Chancen auf dem Arbeitsmarkt berauben.

Falsche Anreize werden auch für die Unternehmen geschaffen. Können die erhöhten Lohnkosten nicht auf die Preise überwälzt werden, werden die Niedriglohnjobs nach Möglichkeit ausgelagert oder wegrationalisiert. Damit werden ausgerechnet die schwächsten Teilnehmer am Arbeitsmarkt ausgegrenzt. Statt in einem Niedriglohnjob beschäftigt, werden sie in die Arbeitslosigkeit geschickt. Das ist sozialpolitischer und volkswirtschaftlicher Unsinn.

Leser-Kommentare

Markus Saurer 29.04.2014 - 23:46

Genau. Ecklösungen sind per se ineffizient. Viel wichtiger sind Leistungsanreize und dass man sich mit guten Leistungen verbessern kann (Flexibilität).