Meinungen

Falscher Alarm

Hongkong ist für die Schweizer Uhrenbranche nicht mehr existenziell – dank der letzten Krise. Ein Kommentar von FuW-Redaktor Pascal Meisser.

«Die Krise hat die Uhrenbranche diszipliniert – auf schmerzhafte, aber konsequente Art. »

Wieder einmal sorgt Hongkong für Unruhe. Nicht nur auf politischer Ebene, sondern auch bei den Schweizer Herstellern von Luxus-Zeitmessern. Doch dieses Mal dürften die Uhrenmanager ruhiger schlafen als vor fünf Jahren. Damals war es die Regenschirm-Revolte, die für Aufsehen sorgte und am Anfang einer veritablen Krise der Schweizer Uhrenindustrie stand.

Die gute Nachricht: Die neuerlichen Demonstrationen haben nicht das Potenzial, die Branche in ihren Grundfesten zu erschüttern. Zu sehr haben sich die Voraussetzungen innerhalb dieser kurzen Zeit geändert. Damals herrschte Goldgräberstimmung unter den Uhrenherstellern, die Produktion lief auf Hochtouren, die Kontrolle über die Vertriebswege wurde sträflich vernachlässigt.

Die Krise hat die Uhrenbranche diszipliniert – auf schmerzhafte, aber konsequente Art. Ein Prozess, der noch im Gange ist. Gleichzeitig sind die Unternehmen gefordert, sich vielen neuen Herausforderungen zu stellen. So läuft seit Monaten fast nur noch das Geschäft mit den ganz teuren Uhren so richtig rund. In tieferen Preiskategorien setzt sich der Rückgang fort, getroffen von der Nachfrage nach intelligenten und vernetzten Digitaluhren. Das trifft hauptsächlich die Swatch Group, die mit den Marken Swatch und Tissot rund ein Drittel des Jahresumsatzes erzielt und nun eine Antwort darauf finden muss.

Richemont experimentiert mit digitalen Vertriebskanälen. Neben dem Kauf von zwei Online-Plattformen ist der Genfer Konzern dabei, ein Joint Venture mit Alibaba zu lancieren. Dies sind heute die Herausforderungen der Uhrenbranche, nicht die Ausschreitungen in Hongkong.