Meinungen

Falscher Ansatz Robotersteuer

Bildung ist der bessere Weg für den Arbeitsmarkt. Ein Kommentar von Luc Zobrist.

Luc Zobrist
«Statt über eine Steuer sollte man vielmehr über geeignete Aus- und Weiterbildungsmassnahmen diskutieren.»

Detailhändler sollen künftig eine Steuer auf Self-Checkout-Kassen bezahlen – so fordert es ein Gesetzesentwurf aus dem Kanton Genf, über den noch in diesem Jahr abgestimmt werden soll. Der Entwurf zielt darauf ab, automatisierte Kassen für die Detailhändler unattraktiv zu machen und dadurch die Arbeitsplätze der Kassierer zu schützen.

Was aus Sicht des Kassenpersonals auf den ersten Blick vielversprechend klingen mag, dürfte sich für die Gesamtwirtschaft und ihre Innovationskraft als kontraproduktiv erweisen. Der Gesetzesentwurf fusst nämlich auf der falschen Prämisse, Roboter und neue Technologien würden uns die Arbeit wegnehmen.

In der Vergangenheit traf dies zwar auf einzelne Berufe und Branchen zu – im 19. Jahrhundert verloren viele Weber durch das Aufkommen der Webmaschine ihre Arbeit –, doch aus Sicht der Gesamtwirtschaft sieht das Bild anders aus. Der technologische Fortschritt hat das Lohnniveau und die Zahl der Beschäftigten in den letzten gut 200 Jahren massiv erhöht.

Die maschinelle Produktion von Kleidern etwa liess die Produktivität steigen und die Preise der hergestellten Ware sinken; dadurch stiegen die Realeinkommen der Konsumenten. Das zusätzlich verfügbare Geld wurde für andere Produkte und Dienstleistungen ausgegeben, so entstanden neue Arbeitsplätze. Die Automatisierung in der Textilindustrie hat gesamtwirtschaftlich viel mehr neue Stellen geschaffen als alte verdrängt.

Das gilt auch für die Digitalisierung. Eine Studie von Deloitte zeigt, dass in der Schweiz von 1999 bis 2010 rund 100 000 Arbeitsplätze unmittelbar durch Automatisierung und Digitalisierung ersetzt, gleichzeitig aber über 230 000 neu geschaffen wurden – fiel ein Arbeitsplatz weg, entstanden zwei neue. Es gibt wenig Anzeichen dafür, dass sich diese Relation in den nächsten Jahrzehnten grundlegend ändern wird. Die Menschen haben viele komparative Vorteile gegenüber Maschinen und Software: soziale Intelligenz, Kreativität, situative Anpassungsfähigkeit.

Der Wandel zur wissens- und dienstleistungsorientierten Wirtschaft wird weitergehen, Maschinen werden uns noch mehr monotone, kräftezehrende Arbeit abnehmen, während wir uns auf abwechslungsreichere, körperlich weniger anstrengende Aufgaben konzentrieren können. Dadurch werden Produktivität und Wohlstand weiter steigen.

Zugleich fordert dieser Strukturwandel einen Teil der erwerbstätigen Bevölkerung heraus. Alte Tätigkeiten oder Berufe müssen abgelegt, neue erlernt werden. Ein Prozess, der im Detailhandel bereits im Gang ist: Kassierer übernehmen neue Funktionen in der Kundenberatung, unterstützen Kunden an den Self-Checkout-Kassen oder führen Kontrollen durch.

Statt über eine Steuer, die den Einsatz neuer Technologien und dadurch Produktivität und Wohlstand mindert, sollte man deshalb vielmehr über geeignete Aus- und Weiterbildungsmassnahmen diskutieren.

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