Meinungen

Falsches Ziel, Herr Dougan

Die CS Group strebt eine Eigenkapitalrendite von 15% an. Für sich allein betrachtet, ist diese Zielsetzung aber sinnlos, meint Chefredaktor Mark Dittli in seinem Kommentar.

«Der Return on Equity ist kein Mass für die Leistung einer Bank. Ein RoE-Ziel setzt falsche Anreize.»

Brady Dougan setzt sich für die Credit Suisse ein Ziel von mindestens 15% Eigenkapitalrendite über den Zyklus. Gut so. An ihren Vorgaben werden der CEO und sein VR-Präsident Urs Rohner gemessen. Bloss: Das Ziel ist sinnlos. Die Eigenkapitalrendite (Return on Equity, RoE) ist für sich allein betrachtet kein Mass für die Leistung der Bank.

Wieso das? Der RoE ist nichts anderes als die Rendite auf dem Gesamt­kapital (Return on Assets, RoA), multipliziert mit dem Leverage (definiert als Gesamtkapital durch Eigenkapital). Der erste Faktor, der RoA, kann als echte Leistung des Managements betrachtet werden; hier zeigt sich sein Können, aus den gegebenen Aktiven in der Bilanz einen Gewinn zu erwirtschaften. Der zweite Faktor ist bloss eine Wette, die in guten Zeiten die Eigenkapital­rendite aufbläht. Je mehr Leverage, desto höher der RoE – ein Glück, wenn die Wette aufgeht. Die Führungsleute der CS setzen sich also ein Ziel, das sich aus Können mal Glück errechnet.

Sie sind damit nicht allein. Die meisten monetären Anreizsysteme der Bank­manager basieren auf dem RoE. Das ist nicht nur falsch, sondern gefährlich. Falsch, weil das Modell den Interessen der Eigentümer der Bank potenziell ­widerspricht: Was nützt ein RoE von 20%, wenn die Bilanz so schwach kapitalisiert ist, dass der Anteil der Aktionäre im Fall einer Kapitalerhöhung massiv verwässert wird? Ein RoE von 10% ist im Direktvergleich deutlich sinnvoller, wenn er das Resultat einer solid kapitalisierten Bilanz ist.

Geradezu gefährlich ist das explizite RoE-Ziel, weil es dem Management der Bank permanent den Anreiz gibt, den Leverage bis an die Grenze des Erlaubten auszudehnen und keinen Cent mehr Eigenkapital zu halten als unbedingt nötig. Mit dem Resultat, dass im Ernstfall zu wenig Polster vorhanden ist. Mit umsichtiger Geschäftsführung hat das nichts zu tun.

Leser-Kommentare

Josef I. Fischer 28.07.2012 - 13:45

Der traurige Hintergrund dazu ist, dass die Verwaltungsräte der Grossbanken ihrer Aufgabe nicht gewachsen sind. Die Eigentümer sind nicht mehr vorhanden (diese Rolle wird nicht mehr wahrgenommen). Es sind nur noch Gauckler da, die aus dem Management kommen, die in der aktiven Zeit sich bei den Grossaktionären beliebt machten und dann den Sprung in den VR machten. usw usf…

p_salto 30.07.2012 - 16:51

Guter Kommentar. Da das Management und nicht der Eigentümer diese Vorgaben bestimmt, braucht es leider Basel III und IV…., oder eine Aufteilung der Universalbanken.

Michael Gerstenberg 31.07.2012 - 00:56

Erstklassige, mutige und konstruktive Kritik!
Die schweizer Grossbanken verlieren durch einige ihrer Manager und deren persönlicher Panik und Hilflosigkeit Anteilseigner und Kunden zunehmend aus den Augen. Am Ende gehen Letztere rasch und lautlos von der Fahne mit fatalen Folgen für diese Institute, deren Mitarbeiter und schweizer Tradition.

Hermann Stern 31.07.2012 - 20:57

Korrekt und treffend auf den Punkt gebracht. Nur zu viele Unternehmen orientieren sich an irreführenden Renditezahlen. Das ist leider auch bei den Nicht-Banken oft der Fall.