Fastweb fordert den Schweizer Eigentümer

Im Telecomsektor des Nachbarlandes gelten andere Spielregeln, und es besteht Konsolidierungsdruck.

Wenn es im italienischen Telecommarkt zu einer Konsolidierung kommt, dürfte die Swisscom-Tochter Fastweb anders als vor einigen Monaten gemunkelt nicht im Zentrum stehen. Vielmehr sollen der Telecomkonzern Vimpelcom und der Mischkonzern Hutchison Whampoa  den Zusammenschluss ihrer Anbieter Wind und 3 Italia, der Nummern drei und vier am Markt, prüfen.

«Wir werden beobachten, was dort passiert.  Eine solche Fusion verändert die Positionierung von Fastweb nicht grundlegend», sagt Swisscom-CEO Urs Schaeppi. Der mögliche Zusammenschluss werde primär von Überlegungen für das Mobilfunkgeschäft getrieben, was für Fastweb nur eine Ergänzung darstelle, führt er aus. Allerdings nutzt die italienische Tochter das Mobilfunknetz von 3 Italia als virtueller Anbieter.

Umsatz rückläufig

Für Swisscom (SCMN 514.20 +2.06%) hatte der italienische Markt in der Vergangenheit einige Überraschungen parat. Im Jahr 2011 belastete eine Sonderwertberichtigung auf Fastweb den Gewinn mit 1,2 Mrd. Fr. Anlässlich des Abschreibers, der sich auch in den Daten pro Aktie spiegelt, senkte Swisscom die Wachstumsannahmen für Fastweb von seinerzeit fast 10% auf aktuell 4,1% pro Jahr bis 2018.

In den vergangenen Jahren leistete die Tochter aber einen rückläufigen Umsatzbeitrag.

Ein Grund ist, dass der Anbieter das niedrigmargige Geschäft mit dem Handel von Telefonminuten (Hubbing) nicht mehr fortführt. «Wir sind gefordert, sehen aber derzeit keine Notwendigkeit einer Wertberichtigung», sagt der Swisscom-CEO. «Dort, wo wir die neuen Breitbandnetze gebaut haben, konnten wir die Neukundenakquisition verdoppeln. Das zeigt, dass unsere Strategie Früchte trägt.» Im vergangenen Jahr flossen 565 Mio. € in den Ausbau der Netze, ein wesentlicher Teil davon in die Glasfasertechnologie.

Die Übernahme der Mehrheit am italienischen Breitbandanbieter 2007 hatte einen Transaktionswert von 6,9 Mrd. Fr. inklusive Schulden. Es war die teuerste Übernahme der Firmengeschichte. Swisscom-CEO Urs Schaeppi bekundet, er sei im Vergleich zur Konkurrenz mit der Entwicklung von Fastweb zufrieden. Gleichzeitig räumt er ein: «Wir wachsen im Volumen, durch die wirtschaftliche Schwäche ist der Preisdruck aber hoch, und das Umsatzwachstum leidet darunter.» Fastweb habe es allerdings geschafft, den Ebitda zuletzt leicht zu steigern, was eine Leistung sei.

Vorerst keine TV-Pläne

Im Grosskundensegment ist Fastweb gut positioniert. Mithilfe eines neuen Rechenzentrums am Sitz in Mailand fokussiert der Anbieter künftig stärker auf Cloud-Lösungen. Herausfordernder ist das Privatkundengeschäft. Dort kooperiert Fastweb mit dem Pay-TV-Konzern Sky Italia und hat mit dessen TV-Angebot  ein Bündel geschnürt.

Ein eigenes TV-Angebot sei derzeit kein Thema, der Markt sei hart umkämpft und Live-Fernsehen quasi gratis zu haben, sagt Schaeppi. «In Italien muss man viel Mehrwert bringen, um mit einem Bezahlprodukt erfolgreich zu sein», betont er. Dass Fastweb die Situation in dem sich wandelnden TV-Markt künftig anders beurteilt, will der Swisscom-CEO aber nicht ausschliessen.