Meinungen

Fed bereitet Kopfzerbrechen

Die amerikanische Zentralbank verlässt den Pfad der graduellen Zinsschritte. Das fordert die Anleger. Ein Kommentar von FuW-Redaktor Martin Lüscher.

«Für Verwirrung und Volatilität an den Finanzmärkten ist gesorgt.»

Jerome Powell ist kein Ökonom. Als Jurist ist der Präsident des Federal Reserve skeptisch gegenüber den theoretischen Konstrukten der Ökonomen. Und das wird sich auf die Geldpolitik auswirken. Powell will nämlich die Festlegung des Leitzinses von der wirtschaftlichen Entwicklung abhängig machen. Seine Aussagen in jüngster Zeit führen zu diesem Schluss.

In der Vergangenheit versuchten die Währungshüter, die Erwartungen der Marktteilnehmer in Bezug auf die Zinspolitik zu beeinflussen. Sie wollten sie mit ihrer Forward Guidance verankern. Davon hat sich die amerikanische Zentralbank verabschiedet. Verschwunden ist damit auch die Stabilisierung durch den Anker. Das wird zweifellos zu mehr Schwankungen an den Finanzmärkten führen.

Dieser Paradigmenwechsel wird den Anlegern Kopfzerbrechen bereiten. Denn egal, ob es sich um die Zahl der geschaffenen Stellen oder das Vertrauen der Konsumenten handelt – jeder wichtige Datenpunkt muss von den Investoren dahingehend analysiert werden, ob er den Trend bestätigt, vom Trend abweicht oder den Anfang eines neuen Trends darstellt. Das ist aber noch nicht alles.

Die Anleger müssen auch abschätzen, wie die Währungshüter die Daten beurteilen, wie die anderen Marktteilnehmer die Daten interpretieren und dann auch noch wie der Markt als Ganzes erwartet, dass die Zentralbank reagieren wird.

Für Verwirrung und Volatilität an den Finanzmärkten ist also gesorgt. Immerhin sind sich die Währungshüter dessen bewusst. Darum wird das Federal Reserve ab dem kommenden Jahr nach jeder Sitzung des Offenmarktausschusses eine Pressekonferenz durchführen. Somit können die Währungshüter direkt auf dringende Fragen reagieren.