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Märkte

Fed dämpft Zinsängste

Christoph Gisiger, New York
Die amerikanische Notenbank eröffnet sich die Option für eine Zinserhöhung ab Mitte Jahr. Zugleich senkt sie aber den Konjunkturausblick, was an den Finanzmärkten für Entspannung sorgt.

Die erste Passage eines gefährlichen Balanceaktes ist überraschend gut geglückt: Obschon das Federal Reserve am Mittwoch einen grossen Schritt zur ersten Zinserhöhung seit der Finanzkrise gemacht hat, ist ein Panikschub an den Märkten ausgeblieben. Auf Geld zum Nulltarif können sich Investoren allerdings bald nicht mehr verlassen.

Die US-Notenbank hat bislang versichert, dass sie mit einer Zinserhöhung «geduldig» sein werde. Dieses Versprechen ist nun aufgelöst. Wie das Fed nach seiner zweitägigen Sitzung festhält, wird es die Geldpolitik straffen, wenn es «weitere Verbesserungen im Arbeitsmarkt» sieht und es «ziemlich sicher» ist, dass sich «die Inflation auf mittlere Sicht zurück zur Zielrate von 2% bewegen wird».

«Nur weil wir das Wort ‹geduldig› aus dem Statement gestrichen haben, heisst das aber nicht, dass wir ungeduldig sein werden», relativierte Notenbankpräsidentin Janet Yellen an der Pressekonferenz. Eine Zinserhöhung an der kommenden Fed-Sitzung Ende April sei «unwahrscheinlich». Ab den nachfolgenden Treffen sei ein solcher Schritt aber nicht mehr auszuschliessen, sagte sie. Der früheste Zeitpunkt ist damit die übernächste Fed-Sitzung vom 16. und 17. Juni.

Small Caps klettern auf Allzeithoch

Wallstreet nahm die Nachrichten mit Erleichterung auf. Der US-Leitindex S&P 500 zog nach der Publikation des Fed-Statements am Mittwochnachmittag sprunghaft an und schloss 1,2% im Plus auf 2099,42. Das Technologiebarometer Nasdaq Composite rückte 0,9% auf 4982,83 vor, und der Small-Cap-Index Russell 2000 markierte mit 1252,14 sogar ein neues Rekordhoch.

Noch grössere Bewegungen gab es an den Devisenmärkten. Gemessen an den wichtigsten Währungen knickte der Dollar 2,5% ein und kostet inzwischen wieder weniger als 1 Fr. Deutlich unter Druck kamen auch die Renditen im Bondsektor. US-Staatsanleihen mit zehn Jahren Laufzeit wurden zu 1,95% verzinst, nachdem es am Vortag 2,06% gewesen waren. Letztmals war die Rendite Anfang Februar so tief. Öl der US-Refenzsorte WTI tendierte 2,8% fester auf 44.66 $ pro Fass.

Gedämpfter Ausblick zur Konjunktur

Das Aufatmen an den Börsen hat vor allem mit dem Wirtschaftsausblick der US-Notenbank zu tun. An der letzten Sitzung von Ende Januar sprach sie noch davon, dass die amerikanische Wirtschaft mit «solidem Tempo» expandiere. Neu heisst es nun, dass sich «das Wachstum etwas verlangsamt» habe. Der Jobsektor mache zwar weitere Fortschritte. «Die Erholung am Häusermarkt bleibt zögerlich und die Exporte haben sich abgeschwächt», räumt das Fed aber gleichzeitig ein.

Die vorsichtigere Einschätzung spiegelt sich in den individuellen Prognosen der Währungshüter. Für dieses Jahr rechnen sie im Durchschnitt nur noch mit 2,3 bis 2,7% Wirtschaftswachstum. Das, nachdem sie beim letzten Ausblick vor drei Monaten von 2,6 bis 3% ausgegangen waren. Die Kerninflation soll sich zwischen 1,3 und 1,4% bewegen statt wie bisher zwischen 1,5 und 1,8%.

Zinspfad flacht sich ab

Das schlägt entsprechend auf die Erwartungen zur Zinspolitik durch. Neu rechnen die Mitglieder des Fed-Gremiums durchschnittlich damit, dass sich die Federal Funds Rate per Ende Jahr auf 0,625% bewegen und bis Ende 2016 auf 1,875% steigen wird. Im Dezember hatten sie für diese Zeitpunkte noch einen Leitzins von 1,125 respektive 2,5% prognostiziert.

Die US-Notenbank signalisiert Investoren damit eine deutlich mildere Haltung. «Der Fed-Vorsitz deutet zwar noch immer eine strengere Zinspolitik an, als das an den Finanzmärkten eingepreist wird», meint Jim O’Sullivan vom Researchdienst High Frequency Economics. «Der Unterschied hat sich jedoch verringert», fügt er hinzu.

Kein Handlungsdruck am Jobmarkt

Das Fed hat sich zudem mehr Spielraum mit Blick auf den Arbeitsmarkt verschafft. Seit dem Ende der Rezession ist die Arbeitslosenrate in den USA rasch von 10 auf 5,5% gefallen. Sie bewegt sich damit bereits am oberen Rand des Bereichs von bis 5,2 bis 5,5%, den die Notenbank bislang als Niveau bei Vollbeschäftigung erachtete. Nun hat sie diese Bandbreite auf 5 bis 5,2% reduziert.

Das «deutet darauf hin, dass das Fed-Komitee keine Eile mit Zinserhöhungen hat», meint Steven Ricchiuto, Chefökonom in Diensten von Mizuho Securities USA. Das Fed habe zwar das Wort «geduldig» aus seinem Vokabular gestrichen. Der Ton und die Grundsubstanz des geldpolitischen Statements würden jedoch die Markterwartungen für den ersten Zinsschritt nach hinten verlagern.

An Wallstreet werden sich die Spekulationen über das Timing nun vor jeder Fed-Sitzung neu anheizen. Im einstimmig gefällten Entscheid vom Mittwoch sagt das Fed dazu, dass es «noch keinen Beschluss über den Zeitpunkt der ersten Zinserhöhung gefasst» habe und dass es sich ab jetzt auf eine breite Reihe von Indikatoren zur Wirtschaft konzentrieren werde. Zum ersten Mal seit dem Ende der Finanzkrise lässt es Investoren damit im Ungewissen.