Märkte / Makro

Das Fed macht die Märkte nervös

Einige Exponenten der US-Notenbank wollen neben Zinserhöhungen auch rasch damit beginnen, den Anleihenbestand zu reduzieren. Vor allem Techaktien verlieren klar.

(VA/Reuters) Das am Mittwoch veröffentlichte Sitzungsprotokoll (Minutes) der US-Notenbank Fed reflektiert den bereits eingeschlagenen strafferen Kurs in der Geldpolitik. Die Mitglieder des massgeblichen Offenmarktausschusses (FOMC) sind der Ansicht, dass der Leitzins «früher oder in einem höheren Tempo» angehoben werden solle.

Der Ton der Protokolle lege nahe, dass die Notenbank mit der Straffung ihrer Geldpolitik schneller beginnen und diesen Kurs womöglich noch verstärken werde, kommentierte Kim Rupert, Analystin von Action Economics, die Protokolle. «Sie ist sehr besorgt, dass ihr die Inflation ausser Kontrolle gerät.» Damit werde der Markt auf womöglich vier Zinsschritte in diesem Jahr eingestimmt.

An seiner Sitzung im Dezember beschloss der Offenmarktausschuss, das Anleihenkaufprogramm schneller als erwartet – wohl Ende März – auslaufen zu lassen. Zudem signalisierten die Währungshüter je drei Zinserhöhungen für dieses und kommendes Jahr sowie nochmals zwei für 2024. Das würde den Leitzins auf 2,1% bringen.

Ein Umfang von 8,76 Bio. $

Was mit der durch das Kaufprogramm aufgeblähten Bilanz der Notenbank geschehen soll, dazu hielt sich Fed-Chef Jerome Powell im Dezember noch bedeckt. In den Minutes heisst es nun, dass einige FOMC-Mitglieder es für angemessen halten, relativ bald nach Beginn der Zinserhöhungen mit der Reduzierung der Bilanz anzufangen.

Zuvor erwarteten die Experten der Deutschen Bank den Beginn des Bilanzabbaus erst für das dritte Quartal 2023. Die Analysten von Bank of America zielten auf Ende 2022. Fed-Chef Jerome Powell sagte im Dezember, darüber werde erst an einer späteren Sitzung entschieden. Die Bilanz des Fed hat sich in den vergangenen zwei Jahren mehr als verdoppelt und beträgt heute 8,76 Bio. $ in Form von Staatsanleihen und hypothekarbesicherten Wertpapieren.

Sobald das Fed aufhört, Vermögenswerte zu kaufen, könnte es die Bestände stabil halten, indem es den Erlös aus fälligen Wertpapieren in neue investiert. Zum Abbau könnte es die Anleihen einfach bis zum Ende ihrer Laufzeit halten. Dass es Anleihen verkauft, was einen stärkeren Effekt auf den Markt haben würde, ist dagegen eher unwahrscheinlich.

Powell deutete aber bereits im Dezember an, dass das Fed nicht zwangsläufig das gemächliche Tempo nach Ende des letztmaligen Kaufprogramms 2014 an den Tag legen müsse. Damals hielt es den Anleihenbestand drei Jahre lang stabil und begann dann nach und nach, die Bilanz bis 2019 abzubauen. Als es Ende 2017 mit dem Abbau begann, war die Wirtschaft allerdings schwächer als heute. Die Inflation lag unter dem Fed-Ziel von 2%, und die Arbeitslosenquote war höher.

US-Aktienmarkt gibt nach

Bereits vor den Fed Minutes hielten sich die Anleger zurück, nach Veröffentlichung tauchten die Indizes dann merklich. Der breite Marktindex S&P 500 ging rund 1,9% schwächer aus dem Handel. Der Dow Jones Industrial verlor 1,1%. Der technologielastige Nasdaq Composite handelte rund 3,3% tiefer.

Aus den Depots flogen erneut Technologiewerte. «Da die Zinsen dieses Jahr voraussichtlich steigen, besteht die Wahrscheinlichkeit, dass der Druck auf Tech-Aktien zunimmt», sagte Sam Stovall, Chef-Investmentstratege beim Researchhaus CFRA in New York. Anleger würden sich eher von Wachstumstiteln abwenden und sich für Aktien von etablierten Firmen entscheiden. Doch auch die Tech-Schwergewichte, die 2021 die Hausse des S&P 500 trugen, gaben am Mittwoch nach. Die Valoren des Google-Konzerns Alphabet (–4,7%), der Facebook-Mutterfirma Meta Platforms (–3,7%) und des Softwarekonzerns Microsoft (–3,8%) verloren deutlich an Terrain.

Neue Nahrung erhielten die Zinserhöhungsfantasien der Anleger auch durch den jüngsten Arbeitsmarktbericht des Personaldienstleisters ADP. Die privaten Firmen haben demnach im Dezember 807’000 neue Jobs geschaffen – doppelt so viele wie von Volkswirten prognostiziert. Ein Zeichen dafür, dass der Markt sich erholt, die Wirtschaft rund läuft und ultratiefe Zinsen diesbezüglich nicht mehr nötig sind. Für Freitag werden die offiziellen Arbeitsmarktdaten der US-Regierung erwartet.

Umfeld spricht weiter für Aktien

«Wir sind immer noch im Modus des Jahresanfangs», sagte dagegen Peter Chatwell, Analyst bei der Bank Mizuho. «Die Risikobereitschaft ist höher, wie immer um diese Zeit, und die generelle Ansicht ist, dass es an den Aktienmärkten Potenzial nach oben gibt.» Gefragt am Markt waren unter anderem AT&T. Die Titel des Telekommunikationsanbieters stiegen zeitweise über 4% und gingen zum Schluss immerhin mit einem Plus von 2,2% aus dem Handel. Der Konzern hat im vierten Quartal rund 880’000 neue Kunden gewonnen.

Spekulationen über einen milliardenschweren Anteilsverkauf trieben die Aktien des IT-Konzerns IBM zeitweise rund 3% in die Höhe, bevor sie die Gewinne allerdings einbüssten. Das Unternehmen will einem Medienbericht zufolge die digitale Gesundheitsplattform Watson Health für mehr als 1 Mrd. $ verkaufen. Der Rivale Oracle steigt neu in den Markt ein und hat sich dafür den Dienstleister Cerner für 28 Mrd. $ geschnappt.

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