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Fed signalisiert baldiges Tapering

Im November dürfte die US-Zentralbank die Reduktion des Anleihenkaufprogramms einläuten. Eine Zinserhöhung erwartet die Hälfte der Währungshüter für nächstes Jahr.

Ein Satz macht den Unterschied: «Hält die Erholung am Arbeitsmarkt wie erwartet an, könnte eine Reduktion des Anleihenkaufprogramms bald gerechtfertigt sein», schreibt das Federal Reserve in der Medienmitteilung nach der Sitzung des Offenmarktausschusses am Mittwochnachmittag.

Damit kündigt die US-Notenbank das möglicherweise baldige Ende des Programms an, gemäss dem sie pro Monat US-Staatsanleihen in der Höhe von mindestens 80 Mrd. $ und hypothekengesicherte Wertpapiere in der Höhe von mindestens 40 Mrd. $ kauft.

Während die Medienmitteilung offenliess, wann genau «bald» ist, erklärte Fed-Chef Jay Powell an der anschliessenden Medienkonferenz, dass dies «bereits die nächste Sitzung vom 2. und 3. November bedeuten kann».

Alle Augen auf September

Entscheiden über den Start des Tapering wird also der Arbeitsmarktbericht des Monats September. Mit Publikationstermin 8. Oktober ist es der letzte Arbeitsmarktbericht, der vor der nächsten Offenmarktsitzung publiziert wird.

In den Augen von Powell benötigt es einen «einigermassen guten Arbeitsmarktbericht», damit die Kriterien für die Reduktion des Anleihenkaufprogramms erfüllt sind. «Während einige Währungshüter der Meinung sind, die Kriterien seien bereits erfüllt, verlangen andere einen sehr guten Arbeitsmarktbericht», ergänzte Powell.

Ein einigermassen guter Arbeitsbericht entspricht wohl einem Plus von mehreren hunderttausend Stellen. Vergleichbar mit dem Bericht von August. Der enttäuschte die Anleger, da das Stellenwachstum von 235’000 neuen Arbeitsplätzen deutlich schwächer ausfiel als das Plus in den Monaten zuvor, als im Mittel 1 Mio. Stellen geschaffen wurde pro Monat.

Ist das Tapering einmal eingeläutet, dürfte das Anleihenkaufprogramm dann laut Powell «sehr gemächlich und Schritt für Schritt reduziert werden, bis es irgendwann Mitte des nächsten Jahres ausläuft». Entschieden seien aber weder das Tapering noch seine Geschwindigkeit.

Zinserhöhung ist noch kein Thema

Ist das Tapering dereinst beendet, lautet die Frage, wann der Leitzins erhöht wird. Seit März 2020 liegt das Zielband des Leitzinses zwischen 0 und 0,25%. Laut Powell wird das Ende des Tapering kein Indikator für den Beginn eines Straffungszyklus sein. «Die Kriterien für eine Zinserhöhung sind deutlich strenger als diejenigen für das Tapering», erklärte er.

Damit das Fed an der Zinsschraube dreht, muss am Arbeitsmarkt Vollbeschäftigung herrschen, die Inflationsrate 2% betragen und auf dem Weg sein, über gewisse Zeit über 2% zu notieren. Während die Inflationsrate derzeit auch die Kriterien für eine Zinserhöhung erfüllt, sieht das am Arbeitsmarkt anders aus. «Die Arbeitslosenquote von 5,2% unterstreicht, dass der Arbeitsmarkt noch weit von der Vollbeschäftigung entfernt ist», erklärte Powell. Vor der Pandemie betrug die Arbeitslosenrate 3,5%.

Mehrere Mitglieder des Offenmarktauschusses rechnen dennoch damit, dass der Arbeitsmarkt bereits im nächsten Jahr die Kriterien für eine Straffung erfüllt respektive eine Erhöhung angebracht ist. Genau genommen erwarten neun Währungshüter für 2022 eine Zinserhöhung, während ebenfalls neun für nächstes Jahr noch keine einpreisen.

Das zeigt der Dot Plot, der quartalsweise publiziert wird und die Erwartungen der Mitglieder des Offenmarktausschusses bezüglich der künftigen Geldpolitik abbildet. Für 2022 liegen neun Punkte unter 0,25%, was dem gegenwärtigen Zielband entspricht, und neun Punkte sind weiter oben (vgl. Grafik). Im Juni rechneten erst sieben Währungshüter mit einem höheren Leitzins im kommenden Jahr.

 

Anpassung der Prognosen

Aktualisiert haben die Währungshüter auch die Erwartungen zum Wirtschaftswachstum, zur Arbeitslosenrate und zur Inflation. Aufgrund der Deltavariante haben Powell & Co. das erwartete Wachstum im laufenden Jahr im Median auf 5,9% reduziert. Im Juni rechneten sie im Median noch mit einem Plus von 7%. Gleichzeitig haben sie aber das Wachstum für das nächste Jahr von 3,5 auf 3,8% erhöht.

Analog dürfte auch die Arbeitslosenquote länger erhöht bleiben, sehen die Währungshüter sie zum Jahresende doch bei 4,8 und nicht mehr bei 4,5%. Für 2022 ist sie mit 3,8% unverändert. Deutlich angepasst wurden auch die Erwartungen der Inflationsrate. Statt bei 3,4% – wie im Juni erwartet – sehen die Mitglieder des Offenmarktausschusses sie per Ende Jahr bei 4,2%. Im nächsten Jahr soll sie dann aber auf 2,2% sinken.

«Die Inflation ist hoch und wird länger erhöht bleiben als erwartet, bevor sie sich abschwächt», sagte Powell. «Die Auswirkungen von Engpässen waren länger und stärker als erwartet.» Der Fed-Chef beteuerte aber erneut, dass das Fed eingreifen würde, wenn die Inflation nachhaltig auf einem hohen Niveau verharren und zu einem Problem werden würde. Es sei jedoch beruhigend, dass die langfristigen Inflationserwartungen nach wie vor niedrig seien.

Die Marktteilnehmer reagierten uneinheitlich auf den Zinsentscheid. Die Aktienmärkte beendeten den Handelstag im Plus, wobei der Auftritt von Powell keinen erkennbaren Einfluss hatte. Der handelsgewichtete Dollar hingegen avancierte nach dem Zinsentscheid 0,3%, und Gold verlor 0,6% an Wert. Am Anleihenmarkt kletterte die Rendite von Treasuries mit einer Laufzeit von bis zu fünf Jahren um zwei bis drei Basispunkte, während die Rendite von längerfristigen US-Staatsanleihen sank.