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Fed signalisiert Nullzins bis 2023

Die amerikanische Zentralbank sieht derzeit auf Jahre hinaus keinen Grund, den Leitzins zu erhöhen.

Die US-Notenbank plant, die lockere Geldpolitik auf Jahre hinaus weiterzuführen. Das haben die Währungshüter nach der jüngsten Sitzung des Offenmarktausschusses am Mittwochnachmittag bekannt gegeben.

Das Federal Reserve will den Leitzins im Zielband von 0 bis 0,25% belassen, «bis am Arbeitsmarkt Vollbeschäftigung herrscht, die Inflationsrate auf 2% gestiegen ist und auf dem Weg ist, für einige Zeit moderat über 2% zu steigen». Das erläuterte Fed-Chef Jerome Powell an der Medienkonferenz nach der Sitzung. Bezüglich der Teuerungsrate fasst Powell damit in Worte, was er an der Notenbankkonferenz in Jackson Hole als neues langfristiges Ziel angekündigt hatte.

Nicht vor 2023

Laut der Mehrheit der Währungshüter werden die Ziele nicht vor 2023 erreicht werden. Dreizehn Mitglieder des Offenmarktausschusses sehen den Leitzins in drei Jahren immer noch in der Bandbreite von 0 bis 0,25%. Nur vier sehen einen höheren Leitsatz.

Für das Jahr 2023 erwarten die Mitglieder im Median eine Arbeitslosenquote von 4% sowie eine Inflationsrate von 2%. Dies geht aus den jüngsten Prognosen der Währungshüter hervor, die quartalsweise publiziert werden. Für das Jahr 2023 wurde erstmals eine Schätzung abgegeben.

Für das laufende Jahr wurden die Prognosen nach oben revidiert. «Die Erholung war schneller als erwartet», erklärte Powell. Das zeigt sich in den Schätzungen der Währungshüter. Im Juni rechneten sie für Ende Jahr im Median noch mit einer Arbeitslosenquote von 9,3%. Die Schätzung vom September beträgt nun 7,6%.

Im August sank die Arbeitslosenquote auf 8,4%. Powell gab aber zu bedenken, dass sie auch aufgrund von falscher Klassifikation so niedrig sei. Darum wiederholte er auch, dass fiskalpolitische Massnahmen notwendig seien, um die Wirtschaft und den Arbeitsmarkt zu unterstützen.

Die Währungshüter ergänzten in der Medienmitteilung, dass sie die Kaufprogramme für US-Staatsanleihen und hypothekengesicherte Wertpapiere im aktuellen Volumen fortführen werden, nicht nur, um das reibungslose Funktionieren des Marktes sicherzustellen, sondern auch, um die Wirtschaft zu unterstützen.

Erst die Hälfte

Wie weit der Weg noch ist, zeigt die Lücke am Arbeitsmarkt. «Von den 22 Mio. Amerikanern, die seit der Pandemie die Stelle verloren haben, konnte erst die Hälfte wieder eine Arbeit finden», sagte Powell. «Wir werden die Millionen, die noch keine Arbeit haben, nicht aus den Augen verlieren.»

Für die nächsten Jahre rechnen die Währungshüter mit einer steten Verbesserung am Arbeitsmarkt. Von der Vollbeschäftigung ist er aber noch weit entfernt. «Die Erholung wird noch lange dauern», erklärte Powell. Zwar habe es bereits eine substanzielle Verbesserung gegeben, das Niveau der Arbeitslosigkeit sei aber immer noch hoch.

Gleichzeitig räumte Powell ein, dass die konjunkturelle Entwicklung höchst unsicher sei und vom Verlauf der Coronaviruspandemie abhänge.

Wann genau das Ziel der Vollbeschäftigung erreicht sei, wollte er nicht definieren. Es gebe keinen einzelnen Indikator als Zielgrösse: «Wir betrachten die Arbeitslosenrate, die Beschäftigungsquote, das Lohnwachstum sowie eine Reihe von weiteren Indikatoren.»

Er sähe gerne wieder eine Arbeitslosenquote von 3,5%, wie sie vor der Pandemie erreicht wurde. Auf diesem Niveau stieg laut Powell die Beschäftigungsquote, und die Gewinne am Arbeitsmarkt wurden breit geteilt. 3,5% seien aber keine magische Zahl. «Ein heisser Arbeitsmarkt hat viele Vorteile, besonders wenn die Inflation in Schach gehalten werden kann.»

Locker wie kaum je zuvor

Wie locker die Geldpolitik unter Powell geworden ist, zeigt der Vergleich mit Vorgängerin Janet Yellen. Als die Notenbank Ende 2015 den Leitzins erhöhte, rechneten die Währungshüter mit einer Arbeitslosenquote von 5% und einer Kerninflationsrate von 1,3% zum Jahresende. Nun sehen sie selbst bei einer Arbeitslosenquote von 4% und einer Kerninflationsrate von 2% noch keinen Grund, den Leitzins zu erhöhen.

Der Entscheid, das Ziel anzupassen, wurde nicht einstimmig gefällt. Abweichungen gab es in beide Richtungen. Für Neel Kashkari von der Distriktnotenbank Minneapolis geht das Ziel einer Inflationsrate, die für einige Zeit mehr als 2% betragen soll, nicht weit genug. Er forderte eine «nachhaltige» Überschreitung von 2%. Robert Kaplan von der Distriktnotenbank in Dallas wollte hingegen am bisherigen Ziel von 2% ohne Überschiessen festhalten.

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