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Das Fed warnt vor starkem Dollar

Die Entwicklung am Devisenmarkt bereitet US-Notenbankchefin Janet Yellen und ihren Kollegen zusehends Sorgen. Wallstreet spekuliert bereits, dass sich dadurch der erste Zinsschritt in den USA verzögern könnte.

Christoph Gisiger, New York

Der Dollar gibt im Kreis der amerikanischen Währungshüter mehr und mehr zu reden. Das zeigt das Protokoll zum Treffen des Federal Reserve von Mitte September: «Seit dem letzten Treffen ist der Wechselkurs des Dollars gestiegen, speziell gegenüber dem Euro, dem Yen und dem britischen Pfund», heisst es in den Sitzungsunterlagen, die am Mittwoch veröffentlicht wurden.

Dieser Trend wird im geldpolitischen Steuerungsgremium des Fed als neues Risiko eingestuft. «Einige Teilnehmer drückten Besorgnis darüber aus, dass das anhaltende Ausbleiben von Wachstum und Inflation in der Eurozone den Dollar weiter aufwerten und den US-Exportsektor beeinträchtigen könnte», halten die sogenannten FOMC Minutes dazu fest.

Inflationsziel ist gefährdet

Der härtere Dollar bringt zwar auch Vorteile. So geht eine festere Landeswährung in der Regel mit wachsenden Kapitalzuflüssen einher, die wiederum Investitionen auslösen können. Gleichzeitig verringert sich aber auch der Inflationsdruck. Aus Sicht der US-Notenbank ist das ein Problem, zumal sich die Teuerung bereits seit mehr als zwei Jahren unter der Zielrate von 2% bewegt.

«Einige Teilnehmer wiesen darauf hin, dass die Aufwertung des Dollars auch die graduelle Zunahme der Inflation bremsen könnte», steht im Fed-Protokoll. In ähnlicher Richtung geäussert hatte sich am Dienstag William Dudley, Präsident der einflussreichen Fed-Distriktnotenbank von New York. «Sowohl die Aufwertung des Dollars als auch die schwächeren Wachstumsaussichten im Ausland dämpfen den Inflationsdruck», sagte Dudley während einer Rede in New York.

Dass sich ein Exponent der Notenbank so direkt zum Wechselkurs äussert, ist ungewöhnlich. Üblicherweise gehört dieses Thema sonst in die Domäne des Finanzministeriums. Umso mehr nährt das Spekulationen, dass die US-Währungshüter länger mit der ersten Zinserhöhung zuwarten könnten.

Dow Jones verzeichnet grössten Tagesgewinn für 2014

Der Leitindex S&P 500 notierte am Mittwoch zunächst kaum verändert, verspürte nach der Veröffentlichung der FOMC Minutes dann aber kräftig Auftrieb und schloss 1,8% im Plus auf 1968,89. Das Blue-Chip-Barometer Dow Jones Industrial preschte 1,6% auf 16’994,22 vor, was dem grössten Tagesgewinn für dieses Jahr entspricht. Der handelsgewichtete Dollarkurs gab 0,5% nach, wogegen sich der Goldpreis 0,9% auf 1223.40 $ pro Unze erhöhte. Die Rendite auf zehnjährige Staatsanleihen sank 2 Basispunkte auf 2,33%.

Gemessen am Euro ist der Dollar seit Anfang Juli 7,5% gestiegen. Zum Yen und zum Pfund hat er sich 6,7 respektive 5,8% aufgewertet. Dieser Trend wird auch ein zentrales Thema während der Saison der Unternehmensberichte sein, die der Aluminiumkonzern Alcoa am Mittwoch eröffnet hat. Die Dollarstärke belastet vor allem US-Konzerne aus den Sektoren Energie, Werkstoffe, IT und Industrie. Für manche Schweizer Unternehmen ergeben sich hingegen Chancen.

Hitzige Debatte unter den Währungshütern

Die meisten Investoren rechnen damit, dass Fed-Chefin Janet Yellen gegen Mitte 2015 erstmals an der Zinsschraube drehen wird. Neue Anhaltspunkte dazu wird das nächste Treffen des Fed-Vorsitzes vom 28. und 29. Oktober geben. Für Zündstoff wird dabei die Frage sorgen, ob im Arbeitsmarkt weiterhin von einer «signifikanten Unterauslastung» gesprochen werden kann. Das, nachdem die US-Wirtschaft im September fast 250’000 neue Stellen geschaffen hat und die Arbeitslosenquote mit 5,9% nicht mehr weit von den 5,2 und 5,5% entfernt ist, die das Fed als natürliches Niveau bei Vollbeschäftigung erachtet.

Ein weiterer Streitpunkt ist, ob der Passus «für eine geraume Zeit» aus der Zinsprognose gestrichen werden soll. Bisher hat das Fed damit die kritische Phase zwischen dem Ende des Stimulusprogramms QE3 und der ersten Zinserhöhung umschrieben. Weil QE3 Ende Monat ausläuft, stösst diese Wendung im Fed-Vorsitz auf zunehmende Kritik. Sie sei mit Blick auf die Konjunkturentwicklung nicht mehr angebracht, protestierten an der letzten Sitzung gleich zwei stimmberechtigte Mitglieder.

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