Märkte / Makro

Fed will mit Zinserhöhung «geduldig» sein

Die US-Notenbank signalisiert für 2015 eine Straffung der Geldpolitik. Gleichzeitig versichert sie aber, das Tempo nicht zu forcieren.

Christoph Gisiger, New York

Das Federal Reserve steht vor einer kolossal schwierigen Aufgabe. Seit sechs Jahren hält es den Leitzins inzwischen auf nahezu null gedrückt. Die Finanzmärkte vom billigen Geld zu entwöhnen, wird deshalb zu einem Balanceakt. Entsprechend vorsichtig machten die US-Währungshüter am Mittwoch den ersten Schritt für eine Zinserhöhung.

«Basierend auf der aktuellen Einschätzung befindet das Komitee, dass es bei der Normalisierung der Geldpolitik geduldig sein kann», hielt der Fed-Vorsitz in seinem Statement nach einer zweitägigen Sitzung fest. Diese Haltung sei «übereinstimmend» mit der bisherigen Bekräftigung, dass nach dem Auslaufen des Stimulusprogramms QE3 «geraume Zeit» mit einer Zinserhöhung gewartet werde.

Ein bisschen von allem

Das klingt etwas verwirrend, gefällt aber den Finanzmärkten. Im Vorfeld der Fed-Sitzung wurde an Wallstreet spekuliert, dass der Passus «geraume Zeit» aus dem Statement wegfallen und mit «geduldig» ersetzt werden könnte. Mit diesem Wort hatte bereits der frühere Notenbankchef Alan Greenspan Investoren im Januar 2004 auf eine bevorstehende Zinserhöhung eingestimmt.  Ein halbes Jahr später war es dann so weit.

Mit ihrem Entscheid, die Schlüsselworte «geduldig» und «geraume Zeit» nun praktisch im selben Atemzug zu verwenden, signalisieren die Währungshüter, dass es ihnen mit einer Zinserhöhung zwar durchaus ernst ist. Gleichzeitig lassen sie sich beim Fahrplan jedoch viel Flexibilität offen und werden je nach Konjunkturverlauf Adjustierungen vornehmen.

«Wir haben zu einer Wortwahl gewechselt, die besser den Fokus des Komitees auf die wirtschaftlichen Bedingungen reflektiert, unter denen eine Zinserhöhung passend erscheint», erklärte Fed-Chefin Janet Yellen während der Pressekonferenz. «Im Speziellen hält es das Komitee mindestens für die nächsten zwei Sitzungen für unwahrscheinlich, mit dem Normalisierungsprozess zu beginnen», konkretisierte sie. Damit ist eine Zinserhöhung mindestens bis zur Fed-Sitzung von Ende April kein Thema.

Bester Tag für den S&P 500 seit Herbst 2013

An Wallstreet sorgten die Nachrichten aus Washington für gute Stimmung. Nachdem der US-Leitindex S&P 500 in den letzten Tagen erheblich unter Druck geraten war, setzte er am Mittwoch bereits zur Eröffnung zu einer Gegenbewegung an und baute die Gewinne nach der Fed-Sitzung weiter aus. Zu Handelsschluss notierte er 2% im Plus auf 2012,84, was der besten Tagesperformance seit Oktober 2013 entspricht.

Auch in anderen Märkten löste der Fed-Entscheid Bewegung aus. Die Rendite auf zehnjährige US-Staatsanleihen zog 8 Basispunkte auf 2,15% an. Der Dollar tendierte gemessen an einem Korb der global wichtigsten Währungen 1,1% fester. Der Ölpreis hingegen tendierte nach der Fed-Sitzung schwächer. Er büsste einen Grossteil des Terrains ein, das er zuvor gutgemacht hatte. Ein Fass der Referenzsorte WTI notierte zum Schluss der Handelssitzung noch 0,4% höher auf 57.36 $.

Auf Kurs für 2015

Auch wenn das Fed verspricht, «geduldig» zu sein, steht ein erster Zinsschritt im nächsten Jahr nun fest auf der Agenda. «Vorausgesetzt, die Wirtschaft entwickelt sich weitgehend den Erwartungen entsprechend, glauben fast alle Mitglieder, dass es angemessen sein wird, 2015 mit der Erhöhung der Federal Funds Rate zu beginnen», sagte Yellen. Neu rechnen die Währungsgüter im Durchschnitt damit, dass der Leitzins Ende nächstes Jahr 1,13% beträgt. Das ist leicht weniger als vor drei Monaten, als sie noch 1,38% prognostiziert hatten.

Die Einigung auf einen exakten Termin für den sogenannten Liftoff wird im Kreis der Währungshüter für heftige Kontroversen sorgen. Bereits am Treffen von dieser Woche haben gleich drei Mitglieder im Fed-Vorsitz gegen den Beschluss der Mehrheit gestimmt, was sehr selten vorkommt. Richard Fisher (Präsident der Distriktnotenbank Dallas) und Charles Plosser (Philadelphia) ziehen einen strengeren Kurs in der Geldpolitik vor. Narayana Kocherlakota (Minnesota) sprach sich hingegen für eine mildere Haltung aus.

Russland wird als geringes Risiko eingestuft

Keine grösseren Sorgen machen dem Fed die heftigen Turbulenzen an den Energiemärkten. Wie bisher hält es den negativen Einfluss des tieferen Ölpreises auf die Inflationserwartungen nur für «vorübergehend». Auch in der Finanzkrise Russlands sehen die Währungshüter kaum eine grössere Gefahr für die amerikanische Wirtschaft. «Ich erwarte, dass die Folgen für die USA mit Blick auf die Handels- wie auch die Finanzbeziehungen gering sind», meinte Yellen.

Wenig verändert hat sich der Konjunkturausblick 2015. Im Durchschnitt rechnen die Mitglieder im Fed-Vorsitz wie bisher mit 2,6 bis 3% Wirtschaftswachstum. Die Arbeitslosenquote soll von aktuell 5,8% bis Ende 2015 auf 5,2 bis 5,3% sinken. An der Sitzung vom September wurde noch mit 5,4 bis 5,6% gerechnet. Für die Kerninflationsrate werden neu 1,5 bis 1,8% statt 1,6 bis 1,9% erwartet.