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Märkte / Makro

Fed will Zinsen «ziemlich bald» erhöhen

Christoph Gisiger, New York
Die US-Notenbank bereitet sich auf die nächste Straffung der Geldpolitik vor. Gemäss dem Protokoll zu ihrer letzten Sitzung könnte ein Zinsschritt bereits im Frühling kommen.

Das Federal Reserve hat sich mit der Normalisierung der Geldpolitik bislang reichlich Zeit gelassen. Bleibt die Konjunkturlage aber freundlich, könnte die US-Notenbank bereits in den kommenden Monaten ein weiteres Mal an der Zinsschraube drehen.

«Viele Teilnehmer waren der Ansicht, dass es möglicherweise angebracht sein werde, die Federal Funds Rate ziemlich bald weiter zu erhöhen», heisst es im Protokoll zum letzten Treffen der US-Währungshüter von Anfang Februar.

Gemäss den Unterlagen, die am Mittwoch veröffentlicht worden sind, sprachen sich «einige Mitglieder» im Fed-Vorsitz für eine Erhöhung des Leitzinses «potenziell an einem kommenden Treffen» aus. Das, damit sie mehr Flexibilität hätten, wenn die Konjunktur in den USA anziehe.

Unsicherheit um Trumps Programm

Ein entscheidender Faktor in den Kalkulationen des Fed ist ein Wechsel in der Wirtschaftspolitik. US-Präsident Trump hat angekündigt, Steuern zu kürzen und Regulierungen zu lockern. Zudem sieht sein Programm Investitionen in die Infrastruktur vor.

Details dazu sind bislang jedoch kaum bekannt. «Die Unsicherheit über die Effekte einer Veränderung der Wirtschaftspolitik und über andere Massnahmen der Regierung ist gross», hält das Fed-Protokoll dazu fest.

Hinzu kommt, dass Trumps Initiativen zur Einschränkung von Freihandel und Einwanderung die Konjunktur sogar bremsen könnten. Es sei daher möglich, dass sein Wirtschaftsprogramm «andere Konsequenzen für Wachstum und Inflation hat als derzeit angenommen», steht in den Sitzungsunterlagen.

Ungewöhnliche Ruhe

Diskutiert wurde ausserdem die Lage an den Finanzmärkten. Die Börsen in New York bewegen sich auf Rekordniveau, wobei es kaum grössere Kursbewegungen gibt. Manche Fed-Mitglieder sorgen sich deshalb, dass der aussergewöhnlich ruhige Handel «im Widerspruch zur beträchtlichen Unsicherheit» über die künftige Wirtschaftspolitik stehe.

Den nächsten Zinsentscheid trifft das Federal Reserve am 15. März. Im Anschluss daran wird Notenbankchefin Janet Yellen eine Pressekonferenz abhalten. Zudem werden die Währungshüter ihre Prognosen zur Zinsentwicklung aktualisieren.

«Das Protokoll zeigt, dass der Fed-Vorsitz über die Verfassung der Wirtschaft gespaltener Meinung ist», denkt Ian Shepherdson vom Researchdienst Pantheon Macroeconomics. Das gelte speziell mit Blick auf den Arbeitsmarkt und das Risiko anziehender Inflation.

Fokus auf Arbeitsmarkt

Eine Schlüsselrolle für das kommende Fed-Treffen wird der Arbeitsmarktbericht zum Februar spielen. Die US-Notenbank wird dabei vor allem auf das Lohnwachstum achten, aus dem sich Hinweise zur Inflation ableiten lassen. Zuletzt hatte sich die Zunahme der Löhne etwas abgeflacht.

An Wallstreet löste das Fed-Protokoll keine grösseren Emotionen aus. Der Dow Jones Industrial schloss am Mittwoch 0,2% fester auf 20’775,6 und verzeichnet damit den elften Kursrekord seit den Präsidentschaftswahlen.

Am Bondmarkt gab die Rendite auf zehnjährige US-Staatsanleihen minim auf 2,42% nach. Etwas an Terrain gab ebenfalls der Dollar preis. Auch Gold notierte mit 1239.80 $ pro Unze kaum verändert.

An den Terminbörsen in Chicago sind die Zinserwartungen in den vergangenen Tagen etwas zurückgekommen. Aktuell rechnen Investoren nur noch mit einer Chance von rund 20%, dass die US-Notenbank in drei Wochen den nächsten Schritt macht. Für das übernächste Treffen von Anfang Mai beträgt die Wahrscheinlichkeit rund 50%.

Das Federal Reserve hat das Zielband für den Leitzins im Dezember um 25 Basispunkte auf 0,5 bis 0,75% erhöht. Für 2017 stellte es drei weitere Zinsschritte in Aussicht.