Märkte / Makro 22:53 - 22.02.2017

Fed will Zinsen «ziemlich bald» erhöhen

Christoph Gisiger, New York
Die US-Notenbank bereitet sich auf die nächste Straffung der Geldpolitik vor. Gemäss dem Protokoll zu ihrer letzten Sitzung könnte ein Zinsschritt bereits im Frühling kommen.
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Basispunkt
Entspricht 0,01 Prozentpunkten oder einem Tick. Messgrösse für die Veränderung von Obligationenkursen und -renditen.
Bond
Englische Bezeichnung sowohl für eine Anleihe wie auch für ihre handelbaren Bruchteile, also die Obligationen .
Börse
Regelmässig stattfindender, nach feststehenden Usanzen organisierter Markt. Je nach den gehandelten Gütern spricht man z. B. von Wertpapier-, Effekten-, Devisen-, Warenbörsen oder Börsen für derivative Instrumente (Terminbörsen ).
Fed
US-Zentralbanksystem, dem die zwölf Federal Reserve Banks angeschlossen sind. An der Spitze steht das Direktorium (Board) in Washington, das auch die Mehrheit im Offenmarktausschuss stellt, in dem über die Geldpolitik entschieden wird.
Geldpolitik
Massnahmen, mit denen die Zentralbanken die Zinsen am Geldmarkt (Leitzinsen ) und damit die Geldversorgung eines Landes oder Währungsraums steuern. Die meisten Zentralbanken, so auch die Schweizerische Nationalbank , sind bestrebt, die Preise stabil zu halten (vgl. Inflation , Deflation ) und der Wirtschaft Wachstum zu ermöglichen (vgl. quantitative Lockerung ).
Inflation
Preisanstieg bzw. Geldentwertung. Die Veränderung wird als Inflationsrate angegeben. Veranlasst Notenbanken oft zu einer restriktiven Geldpolitik (hohe Leitzinsen), was Aktien und Obligationen belastet. Gegenteil: Disinflation , Deflation .
Konjunktur
Oft synonym verwendet für die Lage der Gesamtwirtschaft. Die Forschung betont den zyklischen Verlauf des Wirtschaftswachstums (Aufschwung , Hochkonjunktur, Abschwung, Rezession , Depression). Im Englischen wird deshalb auch von Business Cycle gesprochen.
Kurs
Börsen- oder Marktpreis von Wertpapieren , Devisen , Münzen oder Waren. Der Kurs schwankt je nach Angebot und Nachfrage.
Notenbank
Volkswirtschaftliche Institution, die für die Versorgung der Volkswirtschaft mit Geld zuständig ist. Gleichzeitig soll sie Geldwertstabilität und je nach Statut Vollbeschäftigung sowie angemessenes Wirtschaftswachstum herstellen. In der Schweiz ist dies die SNB .
Research
Systematische Wertpapierbeurteilung als Grundlage für die Anlagepolitik. Sie gliedert sich in die Fundamentalanalyse und die technische Analyse .
Risiko
In der Finanzmarkttheorie wird das Risiko einer Anlage an den Ertragsschwankungen gemessen. Risiko und Ertrag stehen theoretisch in einem direkten Zusammenhang: Je höher das eingegangene Risiko ist, desto grösser sollte längerfristig der Ertrag der entsprechenden Anlage ausfallen (vgl. Risikomanagement ).
Staatsanleihe
Anleihe , die von einem Staat zur Deckung seines Finanzierungsbedarfs im In- oder Ausland emittiert wird. Die Renditen der Staatsanleihen dienen als Benchmark für andere Emittenten desselben Staates. Die Schweiz begibt im Unterschied zu anderen Ländern keine Anleihen der Eidgenossenschaft im Ausland.
Terminbörsen
Marktplätze, an denen Futures und Optionen gehandelt werden. Zu den bekanntesten zählen: Chicago Board of Trade (CBOT) und Chicago Mercantile Exchange (CME) – beide gehören zur CME Group –, Eurex (Tochter der Deutschen Börse und der SIX ), London International Financial Futures and Options Exchange (Liffe, Tochter von Nyse Euronext), Chicago Board of Options (CBOE), International Securities Exchange (ISE) – Tochter der Eurex –, New York Mercantile Exchange (Nymex), Intercontinental Exchange (ICE) und New York Board of Trade (Nybot), Tochter der ICE.
Unze
Handelsübliche Masseinheit für Edelmetalle. Sie entspricht 31,1035 Gramm.
Wallstreet
Im übertragenen Sinne Bezeichnung für die an der Strasse Wall Street gelegene Nyse , aber auch allgemein für New York als Finanzplatz .

Das Federal Reserve hat sich mit der Normalisierung der Geldpolitik bislang reichlich Zeit gelassen. Bleibt die Konjunkturlage aber freundlich, könnte die US-Notenbank bereits in den kommenden Monaten ein weiteres Mal an der Zinsschraube drehen.

«Viele Teilnehmer waren der Ansicht, dass es möglicherweise angebracht sein werde, die Federal Funds Rate ziemlich bald weiter zu erhöhen», heisst es im Protokoll zum letzten Treffen der US-Währungshüter von Anfang Februar.

Gemäss den Unterlagen, die am Mittwoch veröffentlicht worden sind, sprachen sich «einige Mitglieder» im Fed-Vorsitz für eine Erhöhung des Leitzinses «potenziell an einem kommenden Treffen» aus. Das, damit sie mehr Flexibilität hätten, wenn die Konjunktur in den USA anziehe.

Unsicherheit um Trumps Programm

Ein entscheidender Faktor in den Kalkulationen des Fed ist ein Wechsel in der Wirtschaftspolitik. US-Präsident Trump hat angekündigt, Steuern zu kürzen und Regulierungen zu lockern. Zudem sieht sein Programm Investitionen in die Infrastruktur vor.

Details dazu sind bislang jedoch kaum bekannt. «Die Unsicherheit über die Effekte einer Veränderung der Wirtschaftspolitik und über andere Massnahmen der Regierung ist gross», hält das Fed-Protokoll dazu fest.

Hinzu kommt, dass Trumps Initiativen zur Einschränkung von Freihandel und Einwanderung die Konjunktur sogar bremsen könnten. Es sei daher möglich, dass sein Wirtschaftsprogramm «andere Konsequenzen für Wachstum und Inflation hat als derzeit angenommen», steht in den Sitzungsunterlagen.

Ungewöhnliche Ruhe

Diskutiert wurde ausserdem die Lage an den Finanzmärkten. Die Börsen in New York bewegen sich auf Rekordniveau, wobei es kaum grössere Kursbewegungen gibt. Manche Fed-Mitglieder sorgen sich deshalb, dass der aussergewöhnlich ruhige Handel «im Widerspruch zur beträchtlichen Unsicherheit» über die künftige Wirtschaftspolitik stehe.

Den nächsten Zinsentscheid trifft das Federal Reserve am 15. März. Im Anschluss daran wird Notenbankchefin Janet Yellen eine Pressekonferenz abhalten. Zudem werden die Währungshüter ihre Prognosen zur Zinsentwicklung aktualisieren.

«Das Protokoll zeigt, dass der Fed-Vorsitz über die Verfassung der Wirtschaft gespaltener Meinung ist», denkt Ian Shepherdson vom Researchdienst Pantheon Macroeconomics. Das gelte speziell mit Blick auf den Arbeitsmarkt und das Risiko anziehender Inflation.

Fokus auf Arbeitsmarkt

Eine Schlüsselrolle für das kommende Fed-Treffen wird der Arbeitsmarktbericht zum Februar spielen. Die US-Notenbank wird dabei vor allem auf das Lohnwachstum achten, aus dem sich Hinweise zur Inflation ableiten lassen. Zuletzt hatte sich die Zunahme der Löhne etwas abgeflacht.

An Wallstreet löste das Fed-Protokoll keine grösseren Emotionen aus. Der Dow Jones Industrial schloss am Mittwoch 0,2% fester auf 20’775,6 und verzeichnet damit den elften Kursrekord seit den Präsidentschaftswahlen.

Am Bondmarkt gab die Rendite auf zehnjährige US-Staatsanleihen minim auf 2,42% nach. Etwas an Terrain gab ebenfalls der Dollar preis. Auch Gold notierte mit 1239.80 $ pro Unze kaum verändert.

An den Terminbörsen in Chicago sind die Zinserwartungen in den vergangenen Tagen etwas zurückgekommen. Aktuell rechnen Investoren nur noch mit einer Chance von rund 20%, dass die US-Notenbank in drei Wochen den nächsten Schritt macht. Für das übernächste Treffen von Anfang Mai beträgt die Wahrscheinlichkeit rund 50%.

Das Federal Reserve hat das Zielband für den Leitzins im Dezember um 25 Basispunkte auf 0,5 bis 0,75% erhöht. Für 2017 stellte es drei weitere Zinsschritte in Aussicht.

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