Märkte / Makro

Fed wird vorsichtiger

Die amerikanische Zentralbank sieht keinen drängenden Grund, die Zinsen anzuheben. Die ökonomischen Daten werden bestimmen, wie die Geldpolitik aussieht.

Die amerikanische Zentralbank wird zurückhaltender. Das geht aus dem Protokoll zur jüngsten Sitzung vom 18. bis 19. Dezember hervor, das am Mittwochnachmittag publiziert wurde.

Damals hatten die Währungshüter das Zielband des Leitzinses 25 Basispunkte auf 2,25 bis 2,5% erhöht. Dies war der vierte Schritt im vergangenen Jahr und der neunte seit dem Beginn der straffenden Geldpolitik vor drei Jahren.

Seit dem jüngsten Schritt befindet sich die Rate laut den Währungshütern «in oder nahe der Bandbreite des langfristigen neutralen Zinses», bei dem die Wirtschaft weder angetrieben noch gebremst wird. Gemäss der Prognose der Währungshüter rechneten die Mitglieder im Dezember für 2019 mit zwei weiteren Zinserhöhungen.

Gemäss dem Protokoll ist das Fed «unsicherer geworden», wie oft und wie bald die Zinsen erhöht werden sollen. Als Grund für die gestiegene Unsicherheit nennen die Mitglieder des Offenmarktausschusses die «Volatilität an den Finanzmärkten sowie die gestiegenen Sorgen um das globale Wachstum», wie der Abschrift zu entnehmen ist.

Kaum Inflationsdruck

Viele Mitglieder sind der Meinung, dass die amerikanische Zentralbank bezüglich der weiteren Zinserhöhungen Geduld walten lassen könne, «besonders in einem Umfeld von gedämpftem Inflationsdruck». Die Kernrate des Konsumentenpreisindex betrug im November 1,9% – nahe dem Ziel der amerikanischen Zentralbank von 2%. Zudem sind die Inflationserwartungen der Marktteilnehmer jüngst gesunken.

Mehrere Währungshüter sprachen sich zudem dafür aus, die «gestiegenen Risiken» in den Blick zu nehmen, bevor der Zins weiter angehoben wird. Seit der Sitzung im Dezember haben sich verschiedene Währungshüter für eine zurückhaltendere Geldpolitik ausgesprochen. Unter anderem auch Fed-Chef Jerome Powell. Am vergangenen Freitag betonte er, dass der Weg des Leitzinses nicht definiert sei, sondern von wirtschaftlichen Daten abhänge.

Laut Paul Ashworth, US-Chefökonom vom Researchhaus Capital Economics, bedeutet dies aber nicht, dass das Fed 2019 die Zinsen nicht weiter erhöhen wird. Das Protokoll betont die Diskrepanz zwischen den «starken Wirtschaftsdaten und Sorgen an den Finanzmärkten». Am Ende wird das Fed laut Ashworth auf die Zahlen zur Wirtschaft fokussieren. Darum rechnet er weiterhin mit zwei Zinserhöhungen im laufenden Jahr.

Marktteilnehmer sehen dies anders. Die Wahrscheinlichkeit einer Zinserhöhung von 25 Basispunkten im laufenden Jahr wird gemäss der Futures-Börse CME auf nur noch 17% geschätzt. Das sind 7 Prozentpunkte weniger als am Vortag.

Die Aktienmärkte zeigten sich vom Protokoll wenig beeindruckt. Die Leitindizes notierten nach der Publikation wenig verändert im Plus. Auch die Zinsen bewegten sich kaum. Die zehnjährigen Treasuries rentierten unverändert 2,73%, die zweijährigen gaben 2 Basispunkte auf 2,57% nach.

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