Ein Bier kommt selten allein. Es braucht Gesellschaft. Von Meisterhand gezapft, der Gästeschar vom flinken Personal gereicht, geht es seiner Bestimmung entgegen: dem Genuss in Geselligkeit. Das ist eine ganz andere Kategorie als der ­betäubende stille Suff, das einsame Hinunterspülen eines schäbigen Büchsengebräus. Wir dürfen jetzt ja wieder, unter Achtung der Tabus betreffend Abstand, Händedruck und Umarmung, beisammensitzen und uns solchen Riten widmen – das sind diese Zusammenkünfte nämlich. Bei Wein, Bier, weniger feierlich bei Kaffee (Kaffee 131.705 0.04%), Tee oder was für Trank (und Speis) auch immer, üben wir Zeremonielle, heilige Handlungen aus, selbst wenn wir sie nicht auf Anhieb als das erkennen und benennen. Das abendliche Glas Bier oder Wein in Freundesrunde ist ein Hochgenuss, ein kleines Fest, das uns des profanen Alltags enthebt (hier liesse sich wohl über Jesu Abendmahl sinnieren). Zu Zeiten, in denen die körperliche Gesundheit jedoch oberstes Absolutum ist, kommt das blanke Überleben vor dem Leben; fragt sich irgendwann bloss, wofür denn noch gelebt wird. Diese Sinnsuche wird sich übrigens nicht erledigt haben, sobald Corona nur noch eine unangenehme Erinnerung sein wird. (Bild: Frederic Soreau/Keystone)