Unternehmen / Industrie

Feintool zahlt einen hohen Preis

Hoher Kursschaden nach der Kapitalerhöhung.

Keine Geiss schleckt das weg: Die Kapitalerhöhung von Feintool ist für die zuvor schon engagierten (Klein-)Aktionäre überaus enttäuschend verlaufen. Bei FuW eingegangene Kommentare drücken Verärgerung aus. Remo Rosenau, Leiter Research der Helvetischen Bank, erklärt: «Die äusseren Umstände der Transaktion waren denkbar schlecht. Zugleich war ihr Volumen mit zwei neuen Aktien auf eine alte enorm, wurde Feintool mit ihr doch sozusagen fast noch einmal neu an die Börse gebracht.»

Mit der Aktienemission löst die Industriegruppe die Überbrückungsfinanzierung für die mit rund 170 Mio. € bewertete Übernahme des privaten deutschen Elektroblechspezialisten Kienle + Spiess ab. Auch wenn nicht alles juhui ist, ergibt die Akquisition strategisch Sinn – nach dem herben Rückschlag ein Anlass zu Hoffnung auf eine Kurserholung. Womöglich wurde aber überbezahlt, und alles über Eigenmittel zu finanzieren, war auch nicht nötig. Eine weiterhin robuste Bilanz und die Wahrung der unternehmerischen Freiheit sind aber auch etwas wert.

Mildernde Umstände

Mildernde Umstände lassen sich mit Blick auf den ernüchternden Kursverlauf insofern geltend machen, als die Bedingungen Anfang Dezember an der Unterzeichnung des Übernahmevertrags einiges besser waren, in der Geopolitik, in Sachen Teuerung, Zinsen und Konjunktur und folglich auch am Aktienmarkt. Dass für den angestrebten Emissionserlös von 200 Mio. Fr. so viele neue Titel ausgegeben werden müssen, war damals ebensowenig absehbar wie die geringe Aufnahmebereitschaft. Um ihre Bezugsrechte auszuüben, mussten Aktionäre viel Geld aufwerfen; vielen kam das ungelegen.

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Leser-Kommentare

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Markus Fischer 13.05.2022 - 14:18
Guter Artikel, der VR mit Mehrheitsaktionär Pieper hat über die letzten 15 Jahre gesehen einen miserablen Job gemacht, hätte ich nicht für möglich gehalten nachdem Unternehmer Pieper gemäß früheren Aussagen Uebernahmeofferten ausgeschlagen hatte. Schlimm, dass es auf diesen ultratiefen Levels nicht einmal zu einer Kaufsempfehlung reicht nachdem die Titel auf viel höheren Levels in diversen Artikel als interessant eingestuft wurden.… Weiterlesen »
Tobias Schait 13.05.2022 - 15:36
Feintool hat eine fantastische Zukunft vor sich. Das entstandene Unternehmen ist mehr wert als die beiden Einzelbausteine. Die kurzfristige Kursbaisse ist technisch bedingt, weil viele Aktionäre nicht Neuaktien zeichnen wollten und die Bezugsrechte auf den Markt warfen. Bei Sfr. 30.- wäre der alte Kurs bereits wieder erreicht. Auf Vorkrisenniveau (Umsatz, Margen 2018) wäre das ein KGV von 12, immer noch… Weiterlesen »
Erich Biedert 13.05.2022 - 16:18

Ich bin seit Jahren Feintool Aktionär. Und komme beruflich von der Mechanik.
Mich hat das herstellen von Getriebeteilen überzeugt. Weltweit einzige Firma, die sowas kann. Da hätte mit der Zeit eine Ebit Marge von über 10 Prozent und ein hohes KGV gewunken. Nur „leider“ benötigt der Markt wegen den Elektroautos diese Bauteile immer weniger. Und die Anlegerstory ging den Bach hinunter.

Tobias Schait 14.05.2022 - 10:43

Das KGV muss tief sein als Indikator für ein gutes Verhältnis zwischen Börsenkapitalisierung und Gewinn (P/E Ratio). lg und schönes Weekend

Markus Fischer 13.05.2022 - 21:09
Fantastische Zukunft habe ich schon bei der vorherigen Aquisition von Feintool gelesen, als Aktionär leider daran geglaubt, dass man nun optimal auf die Elektrifizierung der Autos ausgerichtet sei. Bis jetzt hat der Aktionär nichts davon bemerkt, er hat durch diese erneute Aquisition nach davor enttäuschenden Aktienkursverlauf (Buchwert CHF 66.- !) viel Geld verloren, musste dabei noch neu viel Geld investieren… Weiterlesen »