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Fernab der BenchmarkWer die Trends in Asien früh erkennt, hat auch in der Krise Erfolg

Alexander Trentin

«Mit meinem Anlagestil braucht man viel Selbstdisziplin – sonst funktioniert es nicht», betont Stuart Winchester im Gespräch mit «Finanz und Wirtschaft». Seit 1994 ist er Fondsmanager des RCM Oriental Income Fund von Allianz Global Investors. Winchester sucht in ganz Asien nach interessanten Anlagen, ohne sich an eine Benchmark halten zu müssen. Er erklärt: «Ich muss die Möglichkeit haben, teure Aktien zu verkaufen und das Portfolio durch Cash und Anleihen zu schützen.»

Der völlig überraschende Siegeszug der japanischen Brauerei Asahi mit deren «Dry Beer» am Anfang seiner 27-jährigen Karriere in Asien beeindruckt Winchester bis heute. Für ihn ist es wichtig, solche Trends früh zu erkennen: «Jede Aktie ist eine Geschichte, die sich vor mir ausbreitet. Und mein Job ist es, diese Geschichten darauf abzuklopfen, ob sie wahr sind.»

Keine Länderallokation

Im Gegensatz zu vielen anderen Fondsmanagern hält er von Länderallokationen nicht viel: «Selbst in Ländern mit starkem makroökonomischen Gegenwind gibt es Unternehmen, die sich gut behaupten.» Daher würde er Anlageentscheidungen entsprechend der Unternehmensphilosophie immer Bottom-up, also auf Unternehmensebene, vornehmen.

Im Rückblick hat das Abklopfen von Unternehmen ihn schon vor Totalverlusten geschützt. So wurde ihm Mitte der Neunzigerjahre die Minengesellschaft Bre-X Minerals empfohlen, die vorgab, auf Borneo nach Gold zu schürfen. Erst intensive Abklärungen liessen ihn vor der Aktie zurückschrecken – die erst um 2500% anstieg, bevor sie sehr schnell abstürzte.Zwar sei er im Kontakt mit anderen Analysten und Brokern, aber «viele gute Ideen, die ich in meinem Portfolio umsetze, sind auch solche, die ich selbst entdeckt habe.» Kleine und mittelgrosse Gesellschaften, die noch nicht allgemein bekannt sind, seien am ehesten Erfolg versprechend. «Davon gibt es noch eine Menge in Asien. Und solche wird es auch immer geben.»Doch was ist mit dem Vorurteil, wonach das innovative Unternehmertum in Asien nicht besonders ausgeprägt ist und man immer noch nach Silicon Valley muss, um Technologieunternehmen zu finden? «Das kommt darauf an, auf welcher Stufe der wirtschaftlichen Entwicklung sich das Land befindet.» Vor zehn bis fünfzehn Jahren seien in China für Arbeitnehmer multinationale Unternehmen sehr attraktiv gewesen. «Es gibt aber immer mehr Menschen, die sich als Unternehmer grössere Chancen ausrechnen.» Aber es sei auch eine Persönlichkeitsfrage: «In jeder Kultur gibt es Menschen, die das Risiko eher scheuen.»Doch auch in China sei es nicht einfach, Unternehmer zu sein. «Der Konsumsektor ist sehr interessant, aber es herrscht ein extremer Konkurrenzkampf. Damit sinkt die Gewinnmarge.» Dagegen sei Thailand für Konsumangebote ein besserer Markt.Eines der Anlagethemen, die den Fondsmanager umtreiben, ist die wirtschaftliche Erosion Japans: «Das Land muss sich wandeln – es verliert sonst weiter an Wettbewerbsfähigkeit. Und ich suche nach den Unternehmen, die diesen Wandel vollbringen wollen.» Es gebe nicht viele solche Gesellschaften, aber einige habe er doch gefunden.

Contrarian von Natur aus

Einem Stil wie etwa Growth, Value oder Momentum will sich Stuart Winchester nicht zuordnen. «Ich bin ein Contrarian von Natur aus» – also ein Anleger, der sich gegen den herrschenden Markttrend stellt. Daher gibt es manchmal Druck von Investoren: «Wenn ich etwa zwei Quartale underperforme, dann überprüfe ich meine Strategie sehr genau. Aber ich will nie von meinem Glauben abweichen, dass man langfristig investieren muss.» Daher suche er nach Unternehmen, die er nicht verkaufen müsse.

«Aber in den letzten drei bis vier Jahren ist es schwieriger geworden, durch Stock Picking eine Überrendite zu erzielen», dies liege an der hohen Korrelation der Aktien untereinander seit der Finanzkrise. Seither versucht Winchester die schwankenden Märkte verstärkt für sich zu nutzen: «Ich habe die Zielbänder meiner Positionen verkleinert und agiere viel aggressiver, wenn ein Zielband durchbrochen wird.»

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