Leute aus Sitka säubern die Statue von Alexander Andrejewitsch Baranow. Das war vor knapp zwei Jahren; unterdessen wurde das Ebenbild des Russen ins örtliche historische Museum verfrachtet – wogegen Moskaus Botschafter in Washington Protest einlegte. Sitka, gelegen auf Baranof Island im Südzipfel des amerikanischen Bundesstaats Alaska, hiess zu Baranows Zeiten Nowo-Archangelsk. Als Chef der Russisch-Amerikanischen Kompagnie war er von 1799 bis 1819 Statthalter des Zaren im damaligen Dalni Wostok, Fernost. Die Russen – nur einige Hundert an der Zahl, verteilt auf Pelzhandelsposten entlang der Küste – dehnten ihr Netz zeitweise sogar bis nach Kalifornien (Fort Ross) und Hawaii (Fort Elizabeth) aus. Baranow und seine Leute behandelten die Einheimischen auch nicht feinfühliger als die Briten und Amerikaner weiter südlich; 1804 kam es zu einer Schlacht mit den in Sitka ansässigen Tlingit. Für den Zaren, der eine halbe Jahresreise entfernt in St. Petersburg residierte, lohnte sich das Engagement nicht. 1867 kauften die USA das Gebiet für 7,2 Mio. $ (aktuell ca. 140 Mio. $). Der heutige Herrscher aller Russen, wo auch immer sie leben mögen, wäre gewiss zu einem grosszügigen Rückkaufangebot bereit.