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1947 rollte der Ferrari 125 S aus der Fabrikhalle ins Freie, das erste Modell des berühmten italienischen Sportwagenbauers aus Maranello.

Die Inkarnation eines prachtvollen Wagens für Männer, die sich selbst belohnen, einen Traum verwirklichen und ihr Leben noch lange mit jugendlichem Feuer erfüllen wollen.»

Mit diesen Worten beschrieb Enzo Ferrari die selbst kreierten Automobile. In seinen Augen diente übrigens der Absatz der Wagen mit seinem Namen vor allem dazu, seinen Rennstall, die heissgeliebte Scuderia, zu finanzieren und seinen Durst nach Siegen zu stillen.

Der am 18. Februar 1898 in Modena geborene Enzo Ferrari wird nach dem Ende des Ersten Weltkriegs Rennfahrer. Die Marke Alfa Romeo wird schon bald auf ihn aufmerksam und engagiert ihn 1924.

Die Zusammenarbeit sollte 20 Jahre dauern, in denen er vom Fahrer zum Leiter der Abteilung Rennsport aufsteigt. Seine Erfolge am Steuer tragen ihm später den Ehrentitel Commendatore ein, mit dem Italien Verdienste für die Nation auszeichnet.

1929 gründet er seinen eigenen Rennstall und geht mit Alfa Romeos an den Start: Die Scuderia Ferrari ist geboren. Als Logo wählt er ein aufgebäumtes schwarzes Pferd als Erinnerung an einen Glücksbringer, den ihm die Gräfin Baracca, die Mutter eines im Krieg gefallenen Kampfpiloten, geschenkt hatte.

1939 verlässt er Alfa Romeo endgültig, um seine eigene Marke zu gründen. Wegen einer Wettbewerbsverbotsklausel darf er seinen Namen nicht verwenden, weshalb die ersten Wagen unter der Marke Auto Avio Costruzioni erscheinen.

Nach dem Zweiten Weltkrieg baut er ein neues Werk in Maranello südlich von Modena. 1947 rollt der 125 S als erster Wagen mit seinem Namen durch den berühmten Portikus der Fabrik und lässt den edlen Sound seines V12-Motors auf den Strassen der Emilia-Romagna ertönen.

Zwei Monate später gewinnt dieser Bolide sein erstes Rennen. Ferrari ist geboren.

Sieg folgt auf Sieg

1948 an den Mille Miglia, 1949 an den 24 Stunden von Le Mans, 1951 mit dem ersten Grossen Preis von England in Silverstone und 1952 erneut dort an der ersten Formel-1-Weltmeisterschaft.

Diese Erfolgsserie hat jedoch auch ihre Kosten, weshalb Enzo Ferrari das auf den Rennstrecken herausgefahrene Prestige praktisch von Anfang an auch für die Produktion und den Verkauf strassentauglicher Sportwagen nutzt.

1949 erscheint der 166 Inter, der erste echte Ferrari für die Strasse. Am Pariser Automobilsalon von 1954 präsentiert Ferrari den 250 GT, und der kommerzielle Erfolg lässt nicht auf sich warten.

Ein Freund Enzos, der italienischstämmige US-Rennfahrer Luigi Chinetti, trägt in hohem Mass dazu bei. Als erster und lange Zeit einziger Ferrari-Importeur in den Vereinigten Staaten erschliesst er diesen heute noch bedeutendsten Markt für Ferrari.

Entwicklung des schönsten Ferrari aller Zeiten

Ab 1960 bietet Enzo, der die Notwendigkeit erkannt hat, seinen Käuferkreis zu erweitern, mit dem 250 GTE das erste 2+2-Modell an (sprich: einen Vierplätzer). Den Höhepunkt der Entwicklung der Serie 250 bildet der GTO (Gran Turismo Omologato, wie Enzo gerne sagte), der 1962 vorgestellt wird.

Vielen gilt er als der schönste Ferrari aller Zeiten. Er bewährt sich auch hervorragend auf den Rennstrecken und gewinnt drei GT-Weltmeisterschaften in Folge. Da er zudem in nur 36 Stück gebaut wurde, versteht es sich von selbst, dass er eine absolute Ikone ist und heute als das teuerste Auto der Welt gilt.

Ein Exemplar wird übrigens gegenwärtig in Grossbritannien für die kokette Summe von 45 Mio. £ zur Versteigerung angeboten. Der Erfolg dieser ersten Jahrzehnte wurde jedoch durch ein persönliches Drama überschattet.

Enzo Ferraris ältester Sohn Alfredo (genannt Dino) litt an Duchenne-Muskeldystrophie und starb 1956 mit nur 24 Jahren. 1969 nannte Enzo ihm zum Gedenken ein Modell Dino 246 GT.

Sein zweiter Sohn, Piero, war aus einer ausserehelichen Beziehung hervorgegangen. Aus Rücksicht auf seine Frau Laura anerkannte Enzo ihn erst nach deren Tod 1978 offiziell.

Die Scuderia, im Wettkampfsport an allen Fronten aktiv – F1, GT und Sport-Proto – kostet viel Geld und ist einer immer härteren Konkurrenz ausgesetzt. 1963 macht der US-Gigant Ford das Angebot, Ferrari finanziell zu unterstützen.

Keine Partnerschaft

Doch die Partnerschaft kommt nie zustande. Der stolze Commendatore weigert sich, den Vertrag zu unterzeichnen. Henri Ford II. ist beleidigt und rächt sich, indem er den Ford GT40 entwickeln lässt.

Dieser Bolide gewinnt vier Jahre in Folge die 24 Stunden von Le Mans, was die finanzielle Gesundheit von Ferrari weiter schwächt. Eine andere Anekdote illustriert den stolzen Charakter Enzos: Ein gewisser Ferrucio Lamborghini, seines Zeichens Traktorfabrikant, sammelt Ferraris.

Als er sich über die nicht sehr soliden Kupplungen der Boliden beklagt, erwidert ihm der Commendatore herablassend, er solle sich besser um seine Landwirtschaftsmaschinen kümmern.

Lamborghini empfindet dies als Demütigung und gründet seine eigene Sportwagenmarke, um Ferrari zu konkurrenzieren. Schon bald bleibt Enzo Ferrari keine Wahl: 1969 tritt er 50% seiner Aktien an Gianni Agnelli ab, den Patron des Fiat-Konzerns.

Volle Konzentration auf den Rennsport

Mit der Anbindung an einen starken finanziellen Partner kann sich Enzo nun ganz auf den Rennsport konzentrieren. Als hervorragender Menschenführer hat er ein Gespür für gute Piloten.

Die Berühmtesten lösen sich am Steuer seiner Boliden ab, darunter Antonio Ascari, Tazio Nuvolari, Juan Manuel Fangio, Niki Lauda und auch Gilles Villeneuve, den er als seinen Sohn betrachtete und der 1982 in seinem Ferrari im Grossen Preis von Belgien ums Leben kam.

In den 1970er Jahren wurden die Bande zwischen Ferrari und der Schweiz enger. 1970 stellte die Scuderia den Tessiner Rennfahrer Clay Regazzoni ein. Damals und in den Folgejahren sicherte er sich und der Scuderia vier Grand-Prix-Siege und wurde 1974 Vizeweltmeister.

Im selben Jahr übernahmen die Garagen Foitek in der Deutschschweiz und Zenith in der Romandie die offizielle Ferrari-Vertretung. 1984 feierten zwei ikonische Modelle Premiere: der Testarossa, der mit seinem futuristischen Design von Pininfarina Aufsehen erregte, und der 288 GTO, der erste «Supercar» eine Familie, zu der heute die Boliden F40, F50, Enzo und LaFerrari gehören.

Der F40 war übrigens der letzte Ferrari, der zu Lebzeiten von Enzo erschien, der 1988 mit 90 Jahren starb. Nach seinem Tod übernahm der Fiat-Konzern 90% des Kapitals, Ferraris Sohn Piero behielt die restlichen 10%.

In den 1990er und 2000er Jahren triumphierten die Ferrari auf den Rundstrecken, als sich Spitzenfahrer wie Alain Prost, Fernando Alonso und Michael Schumacher an ihrem Steuer ablösten.

Schumi ist übrigens mit sieben Weltmeistertiteln, davon fünf mit der Scuderia, für die er 72 Siege herausfuhr, der erfolgreichste F1-Rennfahrer der Geschichte. Heute ist Ferrari das älteste Team der Formel 1 und hält mit 15 Fahrer-Weltmeistertiteln, 16 Konstrukteurstiteln und 226 Siegen einen absoluten Rekord.

Zurzeit verteidigen Kimi Räikkönen und Sebastian Vettel die Farben von Maranello und sind in dieser Saison 2017 wieder an die Spitze zurückgekehrt.

Themenparks wie Walt Disney

Parallel dazu ist Ferrari im Fernsehen wie im Film präsent. Der rote 308 der TV-Serie «Magnum» und der weisse Testarossa von «Miami Vice» oder in jüngerer Zeit die Entdeckung eines 250 California in einer französischen Scheune (er hatte Alain Delon gehört!) tragen zum Mythos bei.

Das Image wird durch die Präsenz von Ferrari auf zahlreichen Produkten verstärkt, dank Partnerschaften etwa mit der Schuhmarke Tod’s oder mit der Uhrenmarke Hublot.

Die letztere Zusammenarbeit stand übrigens kürzlich dank der Uhr Hublot Techframe Ferrari Tourbillon im Rampenlicht, die mit Verfahren des Automobilbaus konzipiert wurde. Sie ist das erste nichtautomobile Objekt, das vom Ferrari-internen Designbüro unter Leitung von Flavio Manzoni entworfen wurde.

Wie Disney dekliniert Ferrari zudem heute seine Welt in Themenparks – die beiden ersten sind in Abu Dhabi und in Spanien eröffnet worden. Dieses Jahr wurde am Auto-Salon Genf das neue Flaggschiff von Ferrari vorgestellt, der 812 Superfast.

Zusammen mit der Einführung des Cabrios LaFerrari Aperta sowie einer Spezialserie von aktuellen Modellen aus dem Ferrari-Katalog, die den Sport- und Rennwagen die Ehre erweisen, welche die Geschichte der Marke geprägt haben, erscheint der 812 Superfast aus Anlass des 70-Jahr-Jubiläums, ergänzt durch eine Ferrari-Wanderausstellung, die in sechzig Ländern einen Boxenstopp einlegt.

Wie sieht es mit der Zukunft aus? Die an den Börsen von New York und Mailand kotierte Gesellschaft Ferrari firmiert jetzt unter niederländischer Flagge. Unter der Leitung von Sergio Marchionne ist die Fertigung von Jahr zu Jahr gewachsen (8014 Stück im letzten Jahr), und der Umsatz übersteigt 3 Milliarden Euro.

Diese finanzielle Basis erlaubt es den Ingenieuren von Ferrari, technische Lösungen zu entwickeln, die den neuen Herausforderungen gerecht werden, mit denen unser Planet konfrontiert ist – vor allem mit der Umstellung auf den Hybrid-Antrieb.

Enzo kann in Frieden ruhen: Heute ist Ferrari gewappnet, um der Zukunft gelassen entgegenzufahren. «Il cavallino» bäumt sich auch weiterhin auf…