Was die beiden jungen Leute hier, in den Strassen Stettins, mit offensichtlichem Vergnügen zelebrieren, ist ein polnischer Brauch zu Ostermontag: Am «Lany poniedziałek», dem «gegossenen Montag», begiesst man sich mit Wasser, gerne gleich kübelweise. Eine Art volksfromme Ersatztaufe, ein Reinigungsritual, ein Überbleibsel altslawisch-heidnischer Magie gar? Der bevorstehende Ostermontag dürfte etwas trockener ausfallen als gewöhnlich; wer in Warschau, Krakau, Breslau derzeit sozial distanziert flaniert, darf sich wenigstens in dieser Hinsicht nahezu ungefährdet fühlen – es sei denn, Hochdruckwasserpistolen kämen nun vermehrt zum gezielten Einsatz. Selbstredend sind auch in Polen Menschenansammlungen untersagt und das folgsame Volk ist gehalten, am heimischen Herd zu verweilen. Landes­kundige vermelden freilich, dass unter den gegebenen Internierungsbedingungen dem feuchtfröhlichen Schabernack umso ausgiebiger im familiären Kreise gehuldigt werden dürfte. Oder von Balkon zu Balkon (wer oben wohnt, ist im Vorteil). Es wäre ein Beitrag zur Prophylaxe, heuer der nassen Sitte statt mit kommunem Leitungswasser mit einer Glyzerin-Alkohol-Mixtur zu frönen. Das desinfiziert.  (Bild: Marcin Bielecki Poland Out)