Unternehmen / Finanz

Finanzanalyst: «Die Reaktionen sind nur bedingt verständlich»

Rainer Skierka, Analyst bei Research Partners, ordnet die jüngsten Verluste der Banken ein.

Beatrice Bösiger, Monica Hegglin

Herr Skierka, nach dem Zinsentscheid der SNB haben Finanztitel verloren. Wieso?
Die negative Reaktion der Bankaktien ist überraschend und nur bedingt verständlich. Namhafte Ökonomen und die grossen Geldhäuser selbst haben uns seit dem Abstieg in die Welt der Negativ­zinsen immer wieder eingebläut, wie positiv sich steigende Zinsen auf die Erfolgsrechnung der Banken auswirken werden.

Was hat noch mitgespielt?
Möglicherweise ist die Angst vor potenziell steigenden Wertberichtigungen im Kreditgeschäft in die Überlegungen der Anleger eingeflossen.

Sind alle Banken gleich betroffen?
Dass sich die Ertragsgenerierung nach so vielen Jahren Druck auf die Zinsmarge in Richtung Kommissions- und Dienst­leistungsgeschäft sowie Handelsgeschäft verlagert hat, könnte eine weitere Erklärung für die Kursschwäche sein. Zwar schaffen diese mehr Wert und führen zu einer höheren Bewertung der Geldhäuser, sorgen aber auch für mehr Volatilität bei den Kursen. Bis vor kurzem standen Banken, die hier schwergewichtig tätig sind, in der Gunst der Anleger. Das könnte sich jetzt aber ändern, wenn der Ertrag aus dem Zinsgeschäft wieder etwas berechenbarer wird.

«Die Angst vor potenziell steigenden Wertberichtigungen hat möglicherweise auch eine Rolle gespielt.»

Sollten Anleger Finanztitel jetzt meiden?
Die übertriebenen Negativreaktionen bieten Chancen für einen günstigen Einstieg in ertrags- und substanzstarke Geldhäuser. Für mittelfristig orientierte Anleger gilt es, sie zu nutzen. Wir würden den Vermögensverwaltungsbanken den Vorzug geben und Grossbanken meiden.

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