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Finanzbasis von Olympus erodiertEigenkapitalquote des Optik-Spezialisten schrumpft von 13,4 auf 4,5% – Kapitalerhöhung absehbar

Martin Fritz

Diese Woche erlebten die Aktionäre von Olympus eine neue Achterbahnfahrt. Am Mittwoch legte der japanische Optikspezialist gerade noch rechtzeitig seine Halbjahreszahlen sowie die korrigierten Abschlüsse der letzten fünf Jahre vor. Ansonsten hätte die Tokioter Börse die Titel sofort vom Handel ausgeschlossen. Die Aktien kletterten zunächst auf ein Zweimonatshoch von 1370 Yen. Doch nach einem genaueren Blick auf die Zahlen mussten die Anleger feststellen, dass die jahrelangen Bilanzmanipulationen die finanzielle Basis von Olympus schwer beschädigt haben.

Am Freitag schlossen die Aktien knapp 27% niedriger auf 1004 Yen. Olympus wird kaum um eine Kapitalerhöhung herumkommen. Nach der Einarbeitung der versteckten Anlageverluste von 134,8 Mrd. Yen in die Bilanzen verringerte sich das Nettovermögen von vermeintlichen 225 Mrd. Yen im März 2007 auf 46 Mrd. Yen (550 Mio. Fr.) Ende September. Dadurch sackte die Eigenkapitalquote von angeblichen 13,4% Ende Juni auf tatsächliche 4,5%. Branchenüblich sind 30%. Ohnehin steht das Unternehmen wegen hoher Schulden von 579 Mrd. Yen (7 Mrd. Fr.), davon 110 Mrd. Yen in Obligationen, auf finanziell wackeligem Grund. Die Bargeldreserven erreichten zuletzt 223 Mrd. Die japanische Ratingagentur Rating & Investment Information stufte die Bonität bereits auf BBB– herunter.Zur Problemlösung wollen der amtierende Präsident Shuichi Takayama und sein entlassener Vorgänger sowie Herausforderer Michael Woodford verschiedene Wege gehen. Takayama setzt auf einen weissen Ritter, also einen starken Partner aus der Branche wie die Optikunternehmen Canon und Hoya. Nach den Regeln der Tokioter Börse könnte Takayama bis zu 25% neue Aktien ohne Genehmigung der Altaktionäre ausgeben. Dagegen will Woodford die Unabhängigkeit von Olympus erhalten, indem er sich Kapital von Beteiligungsfonds oder über eine Bezugsrechtsemission holt. Letzteres ist in Japan zwar unüblich, aber die Anteilseigner könnten die neuen Aktien mit Rabatt zeichnen. Zusätzlich belastet der sich abzeichnende Machtkampf um den Chefposten den Aktienkurs. Die jüngsten Äusserungen von Takayama deuten darauf hin, dass er den Präsidentenposten behalten möchte, falls die interne Untersuchung ihn von der Beteiligung an den Bilanztricks reinwäscht. Der 61-Jährige will die a. o. Generalversammlung, an der ein neues Management gewählt werden soll, erst im März oder im April abhalten. Woodford hätte zum jetzigen Kenntnisstand wohl das Nachsehen.FRI, Tokio

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