Meinungen

Finanzspielereien

Aktienrückkäufe werden auch bei Schweizer Unternehmen immer beliebter. Nicht immer schaffen sie damit mehr Substanz. Ein Kommentar von FuW-Chefredaktor Mark Dittli.

«Problematisch wird’s, wenn der Rückkauf primär der Finanzspielerei dient oder zu einem Zeitpunkt der Überbewertung geschieht.»

Aktienrückkäufe stehen hoch im Kurs. In den USA haben Grosskonzerne in den ersten zwei Monaten des laufenden Jahres neue Rückkäufe im Umfang von 130 Mrd. $ angekündigt. Geht der Trend so weiter, wird 2015 zu einem Rekordjahr. In der Schweiz sind Rückkäufe unter den Unternehmen etwas weniger verbreitet, doch auch hier mehren sich die Signale, dass das Volumen steigt.

Was ist davon zu halten? Grundsätzlich ist das Instrument des Aktienrückkaufs ein sinnvoller Weg für ein Unternehmen – neben der Dividendenausschüttung –, um Kapital an die Aktionäre zurückzuführen.

Problematisch wird’s, wenn der Rückkauf primär der Finanzspielerei dient oder zu einem Zeitpunkt der Überbewertung geschieht. Wenn Unternehmen im grossen Stil Schulden aufnehmen, um damit Aktien zurückzukaufen, schaffen sie keinen Wert. Sie pumpen zwar ihre Eigenkapitalrendite und den Gewinn je Aktie auf, aber Substanz schaffen sie nicht.

Zur Vorsicht mahnt der Zeitpunkt des in den USA derzeit zu beobachtenden Rückkaufbooms. Letztmals waren ähnlich hohe Volumen 2007 und 1999 zu verzeichnen, auf dem Höhepunkt einer jeweils mehrjährigen Aktienhausse. Die Historie zeigt, dass die Unternehmen mit ihren Rückkäufen jeweils kein besonders geschicktes Timing beweisen.

«Manager dürfen nur Rückkaufprogramme beschliessen, wenn sie überzeugt sind, dass ihre Aktien am Markt unter ihrem inneren Wert gehandelt werden. Ansonsten vernichten sie Wert», formulierte der US-Investor Warren Buffett 1999 im Jahresbericht von Berkshire Hathaway (BRK.A 328000 -1.56%) sein Urteil über Aktienrückkäufe. Diese Einschränkung gilt weiterhin – doch es ist zu bezweifeln, dass die Voraussetzung der Unterbewertung heute, nach sechs Jahren Börsenboom, noch gegeben ist.