Jean Sibelius verkörpert für die Finnen das Vaterland. Sein musikalisches Œu­v­re, gespeist aus Märchen und Weisen aus Volk und Land, wird von Orchestern in aller Welt gespielt, besonders aber in der Heimat. Die Tondichtung «Finlandia» gilt als inoffizielle Nationalhymne. 1967, zehn Jahre nach Sibelius’ Tod, wurde ihm in Helsinki dieses Monument geweiht; sein Antlitz und die mächtige «Passio musicae», die orgelartige Stahlröhrenplastik. Sibelius, Angehöriger der schwedischsprachigen Minderheit, wurde 1865 im Grossherzogtum Finnland geboren, das damals der Zarenkrone unterstand. In der Zeit der bolschewistischen Machtübernahme von 1917 im nahen Petrograd löste sich Finnland endgültig von Russland. Im Winterkrieg 1939/40 und im Fortsetzungskrieg 1941-1944 ging’s dann gegen die Rote Armee hin und her. Zu Friedenszeiten setzte dann die «Finnlandisierung» ein: Suomi blieb innenpolitisch frei und aussenpolitisch strikt neutral, mit stetem Wohlwollen gegenüber der Sowjetunion. Doch Finnland «entfinnlandisiert» sich nun – weil Putin der Schreckliche sich dazu verstiegen hat, die Ukraine zu entukrainisieren: Nato statt Neutralität heisst es neuerdings in Sibelius’ Heimat. Nebenan in Schweden auch.