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Branson will Fintech-Firmen Marktzugang erleichtern

Der Finma-Direktor plädiert für die Einführung einer neuen Bewilligungskategorie für Finanzinstitute.

Die Finanzmarktaufsicht (Finma) musste in den vergangenen Monaten viel Kritik aus der Schweizer Fintech-Szene einstecken. Vor allem Start-ups warfen ihr Gesprächsunwillen und eine Regulierung vor, welche die traditionellen Player auf dem Finanzplatz bevorzuge. Doch nun scheint sich der heimische Regulator offenbar zu bewegen.

«Die gesetzlichen Vorschriften werden nicht von der Aufsichtsbehörde erlassen», sagte Finma-Direktor Mark Branson in einer Rede vor dem Business Club Zürich Ende vergangener Woche. Branson forderte vom Gesetzgeber daher die Einführung einer neuen Bewilligungskategorie für Finanzinstitute, die tiefere Anforderungen stellt als gegenwärtig im Bankengesetz verankert.

Keine Fristentransformation

Heute muss nach Bankenverordnung ab der Entgegennahme von Publikumseinlagen von 20 Personen eine Banklizenz beantragt werden, so Branson. Dies gilt sowohl für Zahlungsdienstleister als auch für Crowdfunding-Plattformen und Anbieter im Bereich virtueller Währungen. Das Einholen der erforderlichen Bankenbewilligung sei für Start-ups der Finanztechnologie in den allermeisten Fällen zu teuer und verhindere so den Marktzutritt, sagte Branson.

Zwei Bedingungen stellte er allerdings an diese «Bankenlizenz light»: Das Unternehmen darf nur kleinere Volumen abwickeln und keine Fristentransformation betreiben. Es darf mit kurzfristigen Einlagen also keine langfristigen Kredite vergeben.

«Eigentlich ist ein Institut ohne Fristentransformation keine Bank im klassischen Sinn», so Branson. Und wer kein Bankgeschäft betreibe, brauche konsequenterweise auch nicht das Schutzniveau einer Bank. «Eine neue Bewilligungskategorie für einfache Geldinstitute würde eine hohe Hürde für den digitalen Finanzplatz abbauen», sagte Branson.

Goldgräberstimmung und Fintech-Hype

Das Thema Fintech scheine zurzeit in aller Munde zu sein, sagte Branson: «Man wähnt sich in Amerikas Mittlerem Westen in der Mitte des 19. Jahrhunderts. Goldgräberstimmung überall.» Der Finma-Direktor sprach in seinem Vortrag gar von einem «Fintech-Hype».

Marktkräfte und Kundenbedürfnisse müssten über Erfolg oder Misserfolg dieser Geschäftsmodelle entscheiden, nicht die regulatorischen Rahmenbedingungen, so Branson. Der Staat sollte zurückhaltend sein und alteingesessene wie neue Player fair behandeln. Sonst bestehe die Gefahr, «dass mit staatlichen Regeln Märkte abgeschottet werden, um bestehende Akteure vor neuer Konkurrenz zu schützen». Dies beeinträchtige automatisch die Innovationskraft eines Landes.

Anmerkung: Am 30. September findet in Zürich die vom Finanz und Wirtschaft Forum organisierte «Fintech 2015»-Konferenz statt. Weitere Informationen dazu finden Sie hier.

Leser-Kommentare

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Christian Dreyer 17.09.2015 - 12:12

Ein guter Denk-Start! Allerdings finde ich pikant, dass Branson gemäss Rede-Text “den Erfolg der heute dominanten Akteure sichern” will. Gehört das zur Mission der FINMA? Aber ich lese da bestimmt zu viel hinein.