Unternehmen / Finanz

Finma nimmt Julius Bär an die Kandare

Die Aufsichtsbehörde hat bei der Privatbank schwere Mängel bei der Bekämpfung von Geldwäscherei festgestellt.

(AWP/SK) Die Eidgenössische Finanzmarktaufsicht Finma greift bei Julius Bär (BAER 39.1 -1.39%) hart durch. Die Aufsicht hat beim Vermögensverwalter schwere Mängel in der Geldwäschereibekämpfung festgestellt. Bis diese behoben sind, verbietet die Finma der Bank, Firmenakquisitionen durchzuführen, die ihren Komplexitätsgrad erhöhen, wie sie am Donnerstag mitteilte.

Dazu kommen eine Reihe von Sanktionen wie die Auflagen, die Vergütungs- und Sanktionspolitik anzupassen und Prozesse bei der Rekrutierung und beim Management von Kundenberatern zu verbessern. Das Fehlverhalten stehe im Kontext der mutmasslichen Korruptionsfälle rund um den staatlichen venezolanischen Ölkonzern Petróleos de Venezuela S.A. PDVSA und den Fussballverband Fifa, so die Finma.

Es kommt nicht oft vor, dass die Aufsicht mit derart strenger Hand gegen ein Finanzinstitut vorgeht. Insbesondere das Aussprechen eines Akquisitionsverbots ist selten. Auch die Tonalität, mit der die Finma in ihrer Mitteilung über die Missstände bei Julius Bär informiert, lässt auf den Schweregrad der Verfehlungen schliessen. Julius Bär habe «schwer gegen das Finanzmarktrecht verstossen».

Dass die Finma keine monetären Sanktionen wie den Einzug ungerechtfertiger Gewinnen verfügt hat, liegt auch daran, dass sich diese kaum berechnen lassen. Zu grundsätzlich waren die Mängel im Risikomanagement des Vermögensverwalters. Statt Einzelfällen handelte es sich um ein systematisches Problem, wie auch die Finma in ihrer Mitteilung andeutet.

Festgestellt wurden die Mängel im Zeitraum von 2009 bis Anfang 2018. Damals war Boris Collardi CEO des Instituts. Dieser wollte auf Anfrage von AWP Finanznachrichten die Rüge der Finma nicht kommentieren. Collardi ist seit Mitte 2018 Teilhaber und Co-Leiter des Vermögensverwaltungsgeschäfts der Genfer Pictet-Gruppe.

Mangelhaftes Risikomanagement

Die Untersuchungen waren bereits 2017 eingeleitet worden. Das Institut habe auf klare Hinweise auf Geldwäschereirisiken wiederholt nicht oder nicht entschieden genug reagiert, schreibt die Finma. Die Bank habe zudem die Identität von Kunden sowie den Zweck und die Hintergründe ihrer Geschäftsbeziehungen ungenügend abgeklärt.

So seien die Angaben in der sogenannten Know-Your-Customer-Dokumentation bei der überwiegenden Mehrzahl der geprüften Geschäftsbeziehungen unvollständig oder unklar gewesen. Transaktionen seien zu wenig konsequent überwacht und ungenügend hinterfragt worden, auch zu einem Zeitpunkt, als die Bank bereits klare Warnsignale betreffend Geldwäscherei haben musste, monierte die Finma weiter.

Vergütungsmodell bietet Fehlanreiz

Das Verfahren der Finma zeigt auch, dass auch Fehlanreize die Verletzungen der geldwäschereirechtlichen Pflichten begünstigten. So habe das Vergütungsmodell der Bank fast ausschliesslich auf monetäre Aspekte abgestützt, kritisiert die Aufsicht weiter. So erhielt beispielsweise ein für venezolanische Kunden zuständiger Kundenberater noch 2016 und 2017 Boni und Entschädigungen in Millionenhöhe, obwohl die Bank eine ganze Reihe ihrer Kunden nach Ermittlungen oder Verdächtigungen im Kontext des PDVSA-Falles der Meldestelle für Geldwäscherei (MROS) gemeldet hatte.

Die festgestellten Verfehlungen hätten sich jedoch nicht auf einzelne Kundenberater beschränkt. Julius Bär habe insgesamt eine mangelhafte Compliance- und Risikokultur, in der den geldwäschereirechtlichen Pflichten nicht das erforderliche Gewicht beigemessen worden sei, kritisiert die Finma.

Die verfügten Massnahmen muss die Bank zur Durchsetzung der geldwäschereirechtlichen Pflichten nun rasch umsetzen. Die Finma lässt die Umsetzung der Massnahmen von einem unabhängigen Beauftragten überprüfen.

Die Aufsicht anerkennt allerdings an, dass Julius Bär bereits vor und seit Beginn des Verfahrens operationelle, organisatorische und personelle Massnahmen zur Verbesserung des Geldwäschereidispositivs getroffen habe und dass die Massnahmen unter der heutigen Führung «entschieden vorwärts getrieben» würden.

Bär anerkennt die Finma-Schlussfolgerungen

Das wird auch von Julius Bär in einer Mitteilung unterstrichen. Die Bank anerkennt grundsätzlich die Schlussfolgerungen im Zusammenhang mit Mängeln in der Geldwäschereibekämpfung im Lateinamerika-Geschäft. Man habe mit der Finma umfassend kooperiert und bereits im Verlauf der Untersuchung umfassende operationelle, organisatorische und personelle Massnahmen ergriffen und damit die Compliance- und Risikokultur innerhalb der Gruppe verstärkt, heisst es.

Die Bank habe dabei unter einer neuen Führung die Strategie angepasst. Künftig werde der Fokus vom Neugeld-Wachstum auf nachhaltige Gewinnentwicklung verlagert.

Die Region Lateinamerika sei seit Dezember 2017 unter neuer Leitung, und sämtliche Schlüsselpositionen seien neu besetzt worden. Die Strategie der Region wurde von Grund auf neu ausgerichtet, so die Julius Bär. Das lokale Geschäft in Panama und Venezuela wurde gar ganz geschlossen.

Das globale Risikomanagement der Gruppe wurde ausserdem gemäss den Angaben im Rahmen eines umfassenden Programms über die letzten zwei Jahre gezielt verstärkt, und Schlüssel- und Führungspositionen wurden neu besetzt.

Wie der genaue Fahrplan aussieht, mit dem sich Julius Bär von ihren Altlasten lösen will, ist nicht bekannt. Die Entwicklung dürfte aber weit über ein Jahr in Anspruch nehmen. Wie es bei der Finma auf Anfrage von «Finanz und Wirtschaft» heisst, sei es denkbar, dass einzelne Sanktionen wie das Akquisitionsverbot schon früher aufgehoben werden, sollte die laufende Überprüfung gute Fortschritte zeigen.

Die komplette Historie zu Julius Bär finden Sie hier. »