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Finma knöpft sich Credit Suisse vor

Die Finanzmarktaufsicht setzt einen unabhängigen Prüfbeauftragten bei der Grossbank ein. CS will am Montag Ergebnisse zum zweiten Beschattungsfall liefern.

(AWP/VA) Neue Entwicklungen in der Beschattungsaffäre bei Credit Suisse (Credit Suisse 7.988 -0.12%) rufen die Bankenaufseher auf den Plan. Die Finanzmarktaufsicht (Finma) setzt einen Prüfbeauftragten bei der Grossbank ein. Die CS will derweil die Resultate ihrer eigenen Untersuchung am Montag veröffentlichen.

Die Finma wolle mit der Erweiterung ihrer laufenden Untersuchungen aufsichtsrechtlich relevante Fragen zu den Grundsätzen der Unternehmensführung (Corporate Governance) bei der Bank klären, teilte die Behörde am Freitagabend mit. Im Fokus stehen die Beschattungsaktivitäten der Bank, ihr Informationsverhalten in diesem Kontext sowie die Nutzung von elektronischen Kommunikationsmitteln.

Die Finma wird die Öffentlichkeit über die Ergebnisse informieren. Sie äussert sich aber nicht weiter zum Inhalt der laufenden Untersuchung oder zum möglichen Zeitpunkt ihres Abschlusses. Erfahrungsgemäss nähmen solche Untersuchungen aber mehrere Monate in Anspruch.

Zuvor hatte sich die Finma noch bedeckt gehalten in dieser Angelegenheit: Auf Anfrage erklärte sie jeweils lediglich, sie stehe mit der Bank im Kontext der Beschattungsaffäre in Kontakt.

CS-Untersuchung kurz vor Abschluss

Weiter teilte Credit Suisse mit, sie werde am Montag die Resultate ihrer eigenen Untersuchung veröffentlichen. Zudem werde die CS weiterhin vollumfänglich mit der Finma zusammenarbeiten.

Die CS hatte die Untersuchung eingeleitet, nachdem die «NZZ» diese Woche von einem weiteren Beschattungsfall berichtet hatte. Demnach wurde der damalige Personalchef Peter Goerke im Februar 2019 drei Tage lang verdeckt überwacht.

Rohner und Thiam im Fokus

Mit dieser Entwicklung geraten Konzernchef Tidjane Thiam und Präsident Urs Rohner erneut in den Fokus. Rohner hatte die Überwachung eines anderen CS-Managers Anfang Oktober als «isoliertes Ereignis» bezeichnet. Im September war der Chef der Vermögensverwaltungsgeschäfts, Iqbal Khan, vor seinem Wechsel zur Konkurrentin UBS (UBSG 9 -0.71%) beschattet worden.

Bereits damals leitete die CS eine Untersuchung ein, die schliesslich zum Abgang von zwei Top-Managern führte. So übernahm Thiams Vertrauter, der für das operative Geschäft zuständige Pierre-Olivier Bouée, die Verantwortung für die Ereignisse und trat zurück. Dagegen hiess es, Thiam habe nichts von dem Überwachungsauftrag gewusst.

Verwaltungsratspräsident Rohner sprach damals von einem «schwerwiegenden Reputationsschaden» für die Credit Suisse. Der Auftrag zur Überwachung von Khan, sei «falsch und unverhältnismässig» gewesen, so das Urteil des Aufsichtsgremiums nach der internen Untersuchung.

Wie die «NZZ» vor wenigen Tagen in Erinnerung rief, bezeichnete Thiam Ende Oktober gegenüber dem Westschweizer Fernsehen RTS Überwachungen als «legitimes Mittel», das die Bank manchmal benutze, «leider». Die Überwachung von Khan sei aber «unangemessen» und «nicht verhältnismässig» gewesen.

Die Zürcher Staatsanwaltschaft prüft derzeit, ob sich jemand in Zusammenhang mit der Überwachung von Khan strafrechtlich fehlverhalten hat. Denn dieser erstattete im September Anzeige wegen Nötigung und Drohung.

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