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Finma lobt Versicherer

Die Finanzmarktaufsicht beruhigt, und der Branchenverband negiert ernste Probleme

Gemäss der Finanzmarktaufsicht Finma funktionieren die beaufsichtigten ­Finanzinstitute und Versicherungsunternehmen operationell sehr gut. «Sie waren vorbereitet für die aktuellen Marktturbulenzen, und sie sind auch für strenge Stressszenarien gewappnet», sagt Sprecher Vinzenz Mathys auf Anfrage. Die Behörde bewertet die ­Solidität der Versicherer jährlich mit dem Solvenztest SST. «Die Unternehmen weisen SST-Quotienten aus, die im Schnitt weit über dem erforderlichen Minimum ­liegen», betont Mathys.

In Szenarien wird getestet, wie sich die aufgebauten Kapitalpuffer in Stressphasen verhalten. Dazu gehören mögliche Sonderbelastungen bei versicherten Ereignissen, etwa bei einer Häufung von Todesfällen oder von Naturereignissen. Zu anderen Stressfaktoren zählen eine Aktienbaisse oder unvermittelte massive Veränderungen der Marktzinsen und folglich Knicke bei den Obliga­tionenpreisen. «Tendenziell sind die Versicherungsunternehmen mehr von Finanzmarktkorrekturen betroffen als von Sprüngen bei den versicherten ­Ereignissen», erläutert Mathys.

Nicht im kritischen Bereich

Die Branchenunternehmen würden ­aktuell ihre Kapitalausstattung «in kürzeren Zeiträumen» an die Finma rapportieren, erklärt auf Anfrage der Versicherungsverband SVV. Sprecher Takashi ­Sugimoto fügt an, dank der bisher guten Kapitalisierung der Unternehmen ­bestehe trotz der Entwicklung der ­Aktienmärkte keine Problemsituation: «Wir gehen nicht davon aus, dass Ver­sicherer in den kritischen Bereich einer Solvenzquote unterhalb von 33% fallen.»

Die Aufsichtsbehörde gibt im SST mehrere Interventionsschwellen vor mit entsprechend kalibrierter Ansetzung von Massnahmen. Unterhalb von 100% Solvenzwertung werden akzelerierend von den Unternehmen Korrekturen ­eingefordert. Wenn Gefahr besteht, dass die Quote 100% unterschreitet, müssen die Verantwortlichen des betroffenen Ver­sicherers bspw. Dividendenzah­lungen von der Finma bewilligen lassen oder sie freiwillig aussetzen.

Helvetia hält am Plan fest

Alle kotierten Branchenunternehmen haben nach bisherigen Verlautbarungen zu Jahresbeginn SST-Wertungen von mindestens 200% erreicht. Der Versicherer Helvetia (HELN 87.1 -0.51%) plant eine Kapitalerhöhung um bis zu 10%, um einen Teil der 0,8 Mrd. Fr. teuren Akquisition der spa­nischen Caser zu finanzieren. 

Mit Blick auf die Börsenlage wirkt die Realisierung des Vorhabens schwierig. Helvetia-Sprecher Jonas Grossniklaus sagt auf Anfrage, der angestrebte Finanzierungsmix sei nach wie vor die prä­ferierte Variante. Die Vorbereitungen würden fortgesetzt, um auf Opportu­nitäten reagieren zu können: «Dennoch haben wir Eventualpläne, beispielsweise eine Verschiebung von Finanzierungsaktivitäten oder eine Veränderung des Finanzierungsmix.» Der General­­versammlung vom 24. April einen geänderten Dividendenantrag vorzulegen, gehört nicht zu den Vorgehensvarianten. «Zum aktuellen Zeitpunkt sind keine Anpassungen an den Traktanden ­geplant», sagt Grossniklaus.

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