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Finma verlangt Handydaten von Credit-Suisse-Spitze

In der Untersuchung der Beschattungsaffäre will die Finma laut Insidern elektrische Nachrichten von VR- und Konzernleitungs-Mitgliedern auswerten.

(Reuters) Bei ihrer Untersuchung des Beschattungsskandals der Credit Suisse (CSGN 9.202 4.95%) interessiert sich die Schweizer Finanzmarktaufsicht (Finma) Insidern zufolge auch für Handydaten mehrerer Verwaltungsräte und Konzernleitungsmitglieder der Grossbank. Die Finma habe Daten zum elektronischen Nachrichtenverkehr über die Mobiltelefone der betreffenden Personen angefordert, sagten drei mit der Sache vertraute Personen der Nachrichtenagentur Reuters. Um welche Verwaltungsräte und Manager es sich handelt, gaben sie nicht preis. Die Finma lehnte eine Stellungnahme ab.

Die Aufsichtsbehörde hatte im Dezember angekündigt, aufsichtsrechtlich relevante Fragen der Corporate Governance bei der Bank zu klären. Die Finma prüft dabei unter anderem, ob Kontrollmängel die Überwachung der früheren Konzernleitungsmitglieder Iqbal Khan und Peter Goerke im Jahr 2019 ermöglicht hatten. Nach einer internen Untersuchung hatte das Institut Chief Operating Officer Pierre-Olivier Bouee für die Beschattung verantwortlich gemacht und sich von ihm getrennt. Konzernchef Tidjane Thiam habe von alldem nichts gewusst, erklärte die Bank. Wegen des immer grösseren Reputationsschadens nahm der Konzernchef im Februar dennoch seinen Hut.

Im Rahmen ihrer breiter angelegten Untersuchung prüfe die Finma, ob verschlüsselte Messaging-Apps verwendet wurden, um gewisse Unterhaltungen zu verheimlichen, sagte eine Person mit Kenntnis der Untersuchung. «Worauf sie sich jetzt mehr konzentrieren, ist, wer, wann, was wusste und wer es hätte wissen müssen.» Die von der Credit Suisse betraute Anwaltskanzlei Homburger hatte bei der Veröffentlichung eines internen Prüfberichts im Oktober erklärt, die Untersuchung sei nur eingeschränkt möglich gewesen. So seien gewisse Nachrichten gelöscht worden, die über die – von Bouee und Sicherheitsmitarbeitern benutzte – App Threema versandt wurden.

«Die Credit Suisse hat im laufenden und im vergangenen Jahr mehrere öffentliche Stellungnahmen zum Überwachungs-Thema abgegeben und die Öffentlichkeit über die Ergebnisse interner und externer Untersuchungen informiert», erklärte ein Sprecher der Bank dazu. Wegen der laufenden Untersuchung des von der Finma eingesetzten Prüfbeamten wolle sich die Bank gegenwärtig zu der Sache nicht weiter äussern. Credit Suisse habe von Beginn an mit dem Prüfbeamten kooperiert.

Zwei mit der Sache vertrauten Personen zufolge hat Credit-Suisse-Verwaltungsratspräsident Urs Rohner Threema ebenfalls benutzt. Einer der Personen zufolge geschah dies aber nur für persönliche Zwecke. «Der Verwaltungsratspräsident hat Threema nie in einem geschäftlichen Kontext verwendet», erklärte ein Credit-Suisse-Sprecher.

Die Finma hat bisher niemandem Fehlverhalten vorgeworfen. Die Behörde darf gegen Einzelpersonen vorgehen, wenn sie feststellt, dass eine Bank gegen ihre eigenen internen Kommunikationsrichtlinien verstossen hat oder wenn sie von ihren Vorgaben für die Aufzeichnung von Managemententscheidungen abweicht. Credit Suisse legte ihre internen Regeln zur Verwendung von Messaging-Apps nicht offen. Reuters konnte sie auch nicht unabhängig von der Bank in Erfahrung bringen.

Thiam und Goerke konnten für eine Stellungnahme nicht erreicht werden. Khan lehnte eine Stellungnahme ab

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