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Finma warnt vor Tiefzinsen und Hypothekenblase

Die Finanzmarktaufsicht führt in ihrem erstmals publizierten Risikomonitor die sechs Hauptrisiken für die Branche auf.

(AWP) Das anhaltende Tiefzinsumfeld sowie die Gefahr eines Einbruchs am Immobilien- und Hypothekarmarkt gehören für die Finanzmarktaufsicht Finma zu den derzeitigen Hauptrisiken für den Schweizer Finanzsektor. Die Bankenaufseher befürchten deshalb, dass die angekündigte Selbstregulierung der Banken bei den Renditeimmobilien nicht ausreichen könnte.

In dem erstmals publizierten «Risikomonitor» hat die Finma die sechs bedeutendsten Risiken für die Branche aufgelistet. Der Risikomonitor zeige, was die Finma zur Zeit für die «brennendsten Themen» halte, sagte Finma-Direktor Mark Branson am Dienstag in Zürich bei der Vorstellung des Berichts vor den Medien. Die weiteren Risiken umfassen «Cyberangriffe», den Wegfall der Libor-Referenzzinsätze, die Geldwäscherei sowie einen erschwerten grenzüberschreitenden Marktzugang in wichtige Zielländer.

Mit dem Risikomonitor, der künftig jährlich erscheinen soll, gehe es der Finma um mehr Transparenz. Im Idealfall werde der – recht kurz und verständlich gehaltene – Bericht etwa von Banken-Verwaltungsräten gelesen, wünschte sich Jan Blöchliger, Leiter Banken bei der Finma. «Wir erhoffen uns auch Diskussionen innerhalb der Banken.»

Selbstregulierung reicht nicht

Eine Folge der seit Jahren anhaltend tiefen Zinsen ist eine nachlassende Profitabilität der Banken. Sollten die Institute die Negativzinsen an «breite Kundenkategorien» weitergeben, so sei das Kundenverhalten «schwierig abzuschätzen», so die Finma. Eine langfristige Stagnation der Zinsen auf dem tiefen Niveau könnte gar bestimmte Geschäftsmodelle gefährden – nicht nur für die im Zinsengeschäft tätigen Banken, sondern auch für Lebensversicherer.

Keineswegs gebannt sind für die Finma-Verantwortlichen zudem die Folgen der tiefen Zinsen am Immobilien- und Hypothekarmarkt. So sei noch keineswegs klar, ob die per Anfang 2020 geltende Selbstregulierung der Schweizer Banken bei den Renditeimmobilien ausreiche, sagte Branson. Die Finma werde die Banken diesbezüglich deshalb «eng begleiten», kündigte er an.

«Buy-to-let» nicht erfasst

Anders als beim selbstgenutzten Wohneigentum spielten die Banken nämlich bei Renditeimmobilien wie Miethäusern eine weniger wichtige Rolle, begründete Branson seine Skepsis. Rund die Hälfte des Markts machten institutionelle Anleger aus, die gar keine Hypotheken benötigten – etwa Pensionskassen oder Versicherer. «Das Kreditangebot der Banken ist nicht so bestimmend.»

Sorgen bereitet dem Finma-Chef zudem das sogenannte «buy-to-let»-Geschäft, also der Kauf einer Wohnung oder eines Hauses zur Weitervermietung durch Privatpersonen. Die Praxis der Banken sei diesbezüglich heute «uneinheitlich», sagte Branson.

Zu wenig Libor-Vorbereitung

Als noch mangelhaft kritisierten die Verantwortlichen die Vorbereitung der Banken auf den absehbaren Wegfall der Libor-Referenzzinsen per Ende 2021. Eine Finma-Umfrage unter 43 grösseren Instituten im ersten Semester fiel offenbar eher ernüchternd aus.

Zwar sei das Thema bei allen Banken auf dem Radar, sagte Blöchliger. Vielen Banken sei aber noch unklar, wie hoch ihr «Exposure» überhaupt sei. Auch die «einfache Frage», wie viele Libor-gebundene Verträge bestünden, die über 2021 hinausgingen, hätten sie nicht beantworten können.

Ein Dauerthema bleiben die Geldwäschereirisiken. Jüngere Fälle wie etwa die Skandale um den malaysischen Staatsfonds 1MDB oder die brasilianische Petrobras (PETR4 5.1 -17.07%) zeigten, dass die Risiken weiterhin hoch seien. Dazu kämen neue Risiken im Bereich der Blockchain-Technologie, die wegen potenziell grösserer Anonymität und schneller grenzüberschreitender Transaktion Geldwäscherei- und Terrorismusfinanzierungsgefahr aufweise.

Klimarisiken

Daneben macht die Finma auch weitere längerfristige Gefahren für den Finanzplatz Schweiz aus, darunter die Risiken im Zusammenhang mit dem Klimawandel aus. Klimabedingte Naturkatastrophen könnten etwa bedeutende Gefahren für Versicherer und Rückversicherer mit sich bringen.

Sollte die Klimapolitik zu Massnahmen oder zu «disruptiven» technologischen Durchbrüchen führen, so könnte dies auch zu Anpassungen in Sektoren wie Energie, Industrie oder Transport führen. Würden dadurch Wertpapiere solcher Firmen absacken, so würde dies auch Banken, Vermögensverwalter und Versicherer treffen.