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Fintech: Beachtliches Wachstum, aber kein Selbstläufer

Grösser als man denkt, bemerkenswert ausgeglichen und mit viel Luft nach oben. So sieht eine Studie die Schweizer Finanztechnologie-Szene.

Die Schweizer Finanztechnologie-Branche (Fintech) ist in kurzer Zeit beachtlich gewachsen und ist international wettbewerbsfähig. Doch ein Selbstläufer wird die weitere Entwicklung dieser Szene nicht sein, wie das Institut für Finanzdienstleistung Zug (IFZ) der Hochschule Luzern in einer Studie aufzeigt.

Die heute in Zug präsentierte Studie «IFZ FinTech 2016» ist eine Bestandsaufnahme des Schweizer Fintech-Markts. «Das Angebot an innovativen digitalen Finanzdienstleistungen ist beachtlich», sagt Studienleiter Thomas Ankenbrand.

Sein Team hat eine eigene Datenbank aufgesetzt, in der die Schweizer Fintech-Unternehmen aufgeführt sind. Bis Ende 2015 waren in der Datenbank 162 Fintech-Unternehmen mit Sitz in der Schweiz. Dabei handelt es sich um Startups, Direktbanken, Technologie- und Informatikfirmen.

Alle Fintech-Bereiche werden dabei etwa gleichmässig abgedeckt. Diese sind: Analytics (Algorithmen-basierte Datenanalyse), Banking Infrastructure (neue Banken-Software und -Tools), Blockchain (Technologie zur dezentralisierten Speicherung von vergangenen Transaktionen), Deposit & Lending (Crowdfunding, alternative Finanzierungsmöglichkeit mithilfe einer grossen Anzahl Geldgeber), Investment Management (online Anlegen und Investieren von Geldern) und Payment (neue Zahlungsmethoden).

In den vergangenen drei Jahren machte die heimische Fintech-Landschaft einen grossen Sprung nach vorne. Die meisten Unternehmen in diesem Bereich wurden in dieser Zeit gegründet. Das Schweizer Fintech-Ökosystem besteht aber nicht nur aus den Unternehmen, sondern auch aus zahlreichen Einrichtungen wie Inkubatoren und Akzeleratoren, Interessenverbände sowie zahlreiche Anlässe, Tagungen, Konferenzen und Treffen.

Das Schweizer Fintech-Mekka ist dabei klar Zürich mit 72 ansässigen Unternehme, gefolgt von einer Region, die man bei diesem Thema nicht zwangsläufig auf dem Radar hat: Zug, mit 21 Unternehmen.

Auch das Kapital zur Förderung der jungen Firmen sei vorhanden, so Ankenbrand. «Von einem generellen Engpass kan man nicht sprechen». 2015 wurde insgesamt mit 27 Mio. Fr. an Wagniskapital in die hiesige Szene gesteckt. Das ist wenig im internationalen Vergleich und im Vergleich mit anderen Sektoren der Schweiz, beispielsweise dem Biotechnologie-Branche. Doch müsse man beachten, dass die meisten Unternehmen immer noch sehr jung sind und erst wenige Finanzierungsrunden hinter sich haben.

Regulierung muss nachziehen

Also alles top in Helvetia? Nein. Denn damit viele Fintech-Firmen wirklichen Erfolg haben können brauchen sie eigentlich einen grösseren Markt. Die Zahl möglicher Nutzer und Abnehmen ist in der Schweiz überschaubar. «Sollen langfristig Fintech-Arbeitsplätze in der Schweiz erhalten und neue geschaffen werden, müssen sich die Fintech-Unternehmen international positionieren und Markteintritte im Ausland wagen». Zugang zu den internationalen Märkten auch für Arbeitskräfte ist deswegen unerlässlich.

Zudem muss auch der heimische Regulator mitwirken. Stehen die Fintech-Unternehmen im globalen Wettbewerb tut dies auch die Finanzmarktaufsicht (Finma), deren Regeln nun mit denen Londons oder Singapurs verglichen werden. Zwar hat sich die Finma des Themas angenommen, doch international beispielgebend ist sie bisher nicht. Einzelne Schritte werden unternommen, wie die Ermöglichung der Online-Registrierung zur Kontoeröffnung. Doch ein gutes Stück des Weges ist noch zu gehen. «Die Regulierung muss mit dem technischen Fortschritt mithalten», so Ankenbrand.