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Blogs / Fintech

Eine Option auf die Bankenrevolution

Pascal Meisser
Investieren in Fintech-Start-ups ist meist grossen Geldgebern vorbehalten. Eines der angesagtesten Jungunternehmen holt nun auch Privatanleger ins Boot.

Revolut nennt sich das Londoner Jungunternehmen, das sich dem Thema Zahlungsverkehr in allen möglichen Varianten verschrieben hat. Im Zentrum steht der Fremdwährungsbezug im Ausland, den Revolut zu viel günstigeren Konditionen anbietet als Banken oder Wechselstuben.

Revolut gehört derzeit zu den angesagtesten Start-ups im Fintech-Bereich. Erst kürzlich hat sie in der zweiten Finanzierungsrunde 66 Mio. $ eingesammelt. An diesem Erfolg will sie nun auch ihre Kunden teilhaben lassen.

Breit abgestützte Finanzierung

Am kommenden Mittwoch startet Revolut auf der Plattform Seedrs ein Crowdfunding, das ihr weitere 4 Mio. £ einbringen soll. «Nach der letzten Finanzierungsrunde wären wir nicht mehr zwingend auf weiteres Geld angewiesen», sagt Sprecher Chad West. Es sei aber ein Anliegen, auch die Kunden zu Teilhabern der Gesellschaft zu machen.

Um die Basis möglichst breit abzustützen, wurde die Summe pro Kunden begrenzt. Premium-Kunden, die gegen Bezahlung Extradienstleistungen beziehen können, dürfen sich mit 2000 £ einkaufen, alle anderen mit bis zu 1000 £.

Damit hat man die Lehren aus dem ersten Crowdfunding gezogen. Vor einem Jahr hatte das Limit 7000 £ betragen – mit der Folge, dass das Crowdfunding hundertmal überzeichnet wurde. Das sei für britische Verhältnisse ein Rekordwert gewesen, sagt West.

Für Anleger bietet sich mit dem Crowdfunding eine rare Möglichkeit, in eines der derzeit heissesten Start-ups zu investieren. Üblicherweise ist dies grossen Risikokapitalgebern vorbehalten – und das zu Recht. Gerade bei Jungunternehmen muss ein Investor äusserst breit diversifizieren, da nur die wenigsten Start-ups langfristig überleben.

Restrisiken sind vorhanden

Ein gewisses Restrisiko ist auch bei Revolut vorhanden. Die 1000 £ müssten von den Privatanlegern als eine Art Option angeschaut werden. Sie kann entweder wertlos verfallen – oder sich im Wert vervielfachen. Denn eines ist klar: Sollte Revolut dereinst an die Börse gehen, würde der Wert des Unternehmens deutlich in die Höhe getrieben.

Für diejenigen, die beim ersten Crowdfunding berücksichtigt wurden, hat sich das Engagement bis heute bereits bezahlt gemacht. Das Unternehmen hatte ihnen nach der letzten Finanzierungsrunde angeboten, ihre Aktien zurückzukaufen – zu einem fünfmal höheren Preis.

Revolut ist zwar ein Londoner Unternehmen, hat aber in mehrfacher Hinsicht einen Schweizer Bezug. Kürzlich hat das Start-up den Service auch hierzulande lanciert. In kurzer Zeit ist es ihm gelungen, 12’000 Kunden aus der Schweiz zu gewinnen.

Ex-CS-Händler als Gründer

Der Gründer und CEO Nikolay Storonsky wiederum arbeitete zuletzt als Händler bei der Grossbank Credit Suisse (CSGN 15.88 -0.25%), bevor er im Juni vor zwei Jahren das Start-up gründete. Ihm kamen dabei die Erfahrungen aus dem Bankgeschäft zugute. Mit seinen Einblicken sah er genau, wo Banken noch immer hohe Margen verdienen und wo sich relativ einfach Marktanteile gewinnen lassen – beim Bezug von Fremdwährungen und beim Geldtransfer ins Ausland.

Derzeit verfügt Revolut in Europa über 140 Angestellte und knapp 750’000 Kunden. Bis Ende Jahr soll die Millionengrenze geknackt werden. Mit dem erhaltenen Geld will das Start-up, das bislang nur in Europa tätig ist, die Expansion nach Nordamerika und Asien finanzieren.