Die Seefahrt ist das Rückgrat des Welthandels. Etwa 80% aller Warentransporte erfolgen über die Meere. Die Verstopfung des Suezkanals im März hat das schmerzhaft in Erinnerung gerufen. Damit die ungezählten Frachtschiffe zirkulieren können, brauchen sie verlässliche Wasserwege. Rund um den Globus gibt es eine ganze Reihe von Flaschenhälsen, wie eben zwischen dem Mittelmeer und dem Roten Meer. Zu den kommerziell und strategisch wichtigsten zählen daneben auch etwa der Panamakanal (aus einem Projekt Nicaraguas, einen parallelen Kanal zu bauen, ist bislang nichts geworden). Durch die Strasse von Hormus, zwischen der Arabischen Halbinsel und Iran, wird etwa ein Drittel des weltweit gehandelten Erdöls verfrachtet; sollte Iran, wie schon angedroht, das Engnis sperren, müsste die amerikanische Marine sofort intervenieren. Für China ist die Strasse von Malakka überlebenswichtig – durch sie fliesst ein wesentlicher Teil des Aussenhandels, in beide Richtungen (importseitig v.a. Erdöl). Der Ausbau von Überlandrouten im Rahmen der «Neuen Seidenstrasse» lässt sich auch vor diesem Hintergrund sehen. Sollte Peking gegen Taiwan zu den Waffen greifen, fiele die Formosastrasse als wichtiger Handelsweg aus. Die Erwärmung der Atmosphäre sorgt dafür, dass die Beringstrasse zwischen Sibirien und Alaska und damit Arktisrouten an Bedeutung gewinnen könnten.