Märkte / Emerging Markets

Flash PMI in China weiter in Kontraktion

Gemäss ersten Daten von HSBC ist der Ausstoss des chinesischen Industriesektors im Juli auf ein Elfmonatstief gesunken.

In China schwächt sich der Industriesektor weiter ab. Für den Juli zeigt der heute morgen veröffentlichte HSBC (HSBAl 5.32 +1.18%) Flash PMI einen Wert von nur noch 47,7. Das ist zum dritten Mal in Folge ein Wert unter 50, was auf eine Kontraktion der verarbeitenden Industrie in China deutet. Der definitive HSBC PMI im Juni notierte 48,2, der offizielle Einkaufsmanagerindex PMI für den Industrieausstoss befand sich mit einem Wert von 50,1 gerade noch in der Wachstumszone.

Der Flash PMI berücksichtigt bereits gegen 90% der 430 von HSBC erfassten Unternehmen, darunter viele kleine und mittelgrosse Betriebe. Für den offiziellen PMI befragt das nationale Statistikbüro rund 3000 Unternehmen in 21 Sektoren, mit Schwerpunkt auf den weniger zyklischen grossen Staatsbetrieben.

 Weniger neue Aufträge

Der Flash PMI zeigt das tiefste Niveau seit August 2012 und bestätigt den Abwärtstrend der meisten Konjunkturindikatoren. Der Gesamtoutput fiel auf ein Zehnmonatstief. Grund für die weitere Abschwächung der Industrieleistung sind weniger neue Aufträge, ein rascherer Lagerabbau sowie eine Verschlechterung der Situation am Arbeitsmarkt. Der Subindex Beschäftigung fiel auf 47,3, den tiefsten Wert seit März 2009. Bei den Exportaufträgen ist trotz neuerlichem Rückgang eine Stabilisierung zu erkennen. Die Preise schwächten sich ebenfalls etwas langsamer ab als im Monat zuvor.

Im zweiten Quartal ist die chinesische Wirtschaft real um 7,5% gewachsen, nach 7,7% im ersten Quartal. Für das erste Halbjahr ergibt sich eine Wachstumsrate von 7,6%. Von Peking in Aussicht gestellt wurde ein BIP-Zuwachs von 7,5% für das ganze Jahr, die Prognosen von Ökonomen und Analysten lagen meist darüber. Doch als Folge der von der People’s Bank of China (PBoC) forcierten Liquiditätsverknappung am Interbankenmarkt im Juni liegt der Konsens nun um 7,5%. Das sonst optimistische asiatische Research- und Brokerhaus CLSA rechnet mit einem Wirtschaftswachstum von nur noch 7%, Société Générale mit 7,4% – Trend sinkend, bis unter 7% für 2014. Die Werte wurden in den letzten drei Monaten mehrmals nach unten revidiert.

Achtung Arbeitsmarkt

Nachdem Premier Li Keqiang in den vergangenen Monaten immer wieder betonte, die Wirtschaft sei trotz Abschwächung robust, hat er gestern Dienstag einen neuen Ton angeschlagen. Er erklärte, das Wirtschaftswachstum nicht unter 7% fallen zu lassen, und stellte Infrastrukturprojekte in Aussicht.

Bislang wurde auf Stimulierungsprogramme verzichtet, u.a. mit der Begründung, der Arbeitsmarkt sei stabil. Verschlechtert sich dort die Situation, könnte das Peking zu einem Eingreifen verleiten. Neuste Daten weisen jedoch nicht auf eine markante Abschwächung. Tao Wang, Chefökonomin von UBS (UBSG 17.99 +1.35%) in China, erklärt: «Die verfügbaren Indikatoren zeigen, dass der zyklischste Teil des Arbeitsmarktes trotz der Wirtschaftsabschwächung recht gut gehalten hat.»

Die Regierung hat den nötigen fiskalischen und monetären Spielraum, um die Wirtschaft anzukurbeln und somit die soziale Stabilität und genügend Arbeitsplätze zu sichern – aber eine solche Politik könnte einige der begonnenen Reformbemühungen bremsen. Und Präsident Xi Jinping hat ebenfalls gestern Dienstag erklärt, den wirtschaftlichen Problemen sei mit verstärkten Reformbemühungen auf allen Ebenen zu begegnen.

Die asiatischen Börsen reagierten mit Abgaben auf den Flash PMI. Der Nikkei 225 (N225 26'781.68 +0.66%) gab am Mittwochmorgen 0,41% nach, der Hang Seng (HSI 20'697.36 +2.89%) in Hongkong verlor 0,28%, der Shanghai Composite Index 1,27%. Die Börse in Singapur bewegte sich seitwärts.