Der nachgebaute Trabant wurde eben erst, im März, über dem Berliner Alexanderplatz montiert; die Touristenscharen, die sich daran hätten ergötzen sollen, versiegten jedoch «just in time». Der 1969 fertiggestellte Fernsehturm war ein Prestigeprojekt der DDR-Staatsführung, sozusagen das schmucke vertikale Pendant zur schmutzigen horizontalen Mauer. Die gegenwärtigen zähflüssigen Seuchenwochen bescheren uns nun unverhofft die Erfahrung eines Anhauchs von DDR-Lebensgefühl: Grenzen dicht, Regale nicht mehr ganz so übervoll wie gewohnt – das Sortiment in der «Zone» war selbst in besten Zeiten ungleich dürftiger –, Schlangen vor den Läden, wenngleich nicht wegen Mangels, sondern zwecks Frequenzkontrolle. Auch ist die Polizei präsenter, mitunter wird denunziert («Das sind mehr als fünf Personen!»). Die Regierung tritt autoritär auf, das Parlament nicht mehr. Täglich ergehen mahnende Appelle ans – noch – gefügige Volk. All das wird vorübergehen, manches schon bald. Nicht so bald jedoch wird der Staat aufhören können, Betriebe durchzufüttern, die er mit seinen Covid-19-Massnahmen, und seien sie noch so gerechtfertigt, ruiniert. Einigen im Land dürfte dieser Schwenk nach links ganz recht sein. (Bild: Jens Kalaene/Keystone)