Die Rohstoffmärkte befinden sich in einer Jahrhundertbaisse. Daran ändert auch die Rally seit Donnerstag nichts, in der der Ölpreis von 27 auf über 31 $/Fass hochschoss. Der Preis für das schwarze Gold (Gold 1285.39 0.04%) liegt immer noch weit unter dem mehrjährigen Mittel. Die hohen Preise der letzten zehn Jahre haben die derzeitige Erdölschwemme überhaupt möglich gemacht, weil so auch Förderprojekte mit höheren Produktionskosten realisiert wurden. Das rächt sich nun. Zum Beispiel in der Ölsandförderung in Kanada: Die durchschnittlichen Kosten zur Gewinnung eines Fasses Erdöl guter Qualität aus Ölsand beträgt laut Branchenexperten rund 35 $.

 

Auch der Grossteil der US-Schieferöl-Produzenten braucht dringend höhere Absatzpreise, um profitabel zu sein. Die negativen Folgen der Erdölbaisse sind unübersehbar: Zahlungsaufsälle, Herabstufungen, Investitionsstopps und Entlassungen. 2015 gerieten weltweit 108 High-Yield-Schuldner in Zahlungsunfähigkeit, die Hälfte davon stammte aus dem US-Energie- und Minensektor. Doch das war wohl erst der Anfang. Die amerikanischen Banken rüsten sich bereits gegen die anrollende Welle von Kreditausfällen und bilden Rückstellungen. Die globalen Erdölkonzerne stemmen sich derweil gegen den Preiszerfall: BP hat vor Wochenfrist den Abbau von 4000 Stellen bekannt gegeben. Der Ölservicekonzern Schlumberger will 10 000 Jobs streichen.

 

Nicht nur Unternehmen ächzen unter den niedrigen Preisen: Selbst Länder pumpen Öl, ohne daran zu verdienen. «Mit jedem Fass, das wir produzieren, verlieren wir Geld», sagte Ecuadors Präsident Rafael Correa im August, als der WTI-Preis noch 40 $ betrug. Andere Länder, etwa die Golfstaaten mit Förderkosten um 10 $/Fass, sind da im Vorteil. Für sie ist die Ölförderung auch bei Preisen unter 30 $ kein Verlustgeschäft, aber es entgehen ihnen enorme Summen an Staatseinnahmen. Grosse Löcher in der Staatskasse sind die Folge. Der Währungsfonds schätzt das Haushaltsdefizit Saudi-Arabiens auf 20% des Bruttoinlandprodukts. Damit der saudische Staatshaushalt ausgeglichen ist, bräuchte das Land einen Rohölpreis von rund 100 $.

 

Ein Blick auf die Produktions- und Exportstatisitk macht schnell klar, welche weiteren Länder und Regionen zu den grössten Verlierern der niedrigen Erdölpreise gehören. Die Golfregion ist am stärksten betroffen. Von dort stammt jedes dritte Fass im Welthandel. Auf rund 20 Mio. Fass/Tag belaufen sich die Nettoexporte (vgl. grosse Grafik zum Ölhandel). Für Asien sind die Golfstaaten die mit Abstand wichtigsten Öllieferanten. In vielen Ländern der Golfregion machen die Öl- und Gasexporte mehr als 70% der Gesamtexporte aus. Gross ist der Schaden auch in Russland und der ehemaligen Sowjetunion. Mit fast 9 Mio.  Fass/Tag ist die Region der zweitgrösste Netto-Exporteur. Der Hauptabnehmer ist Europa, das seine fossilen Energieträger hauptsächlich von Russland, Kasachstan und Aserbaidschan bezieht. Die Handelsstromgrafik verdeutlicht, dass Europa am meisten von den niedringen Preisen profitiert.  Mit über 10 Mio. Fass/Tag ist es der welweit wichtigste Importeur.

 

Die USA ist zwar per saldo immer noch ein Erdölimporteur. Der Schiefergas -und Ölboom hat aber die Abhängigkeit von saudischem und venezolanischem Öl reduziert. Die Freude über die fallenden Erdölpreise ist in den USA derzeit aber  kleiner als in Europa, schliesslich sind die Vereinigten Staaten der grösste Produzent sowohl von Erdöl als auch von Erdgas (Erdgas 2.598 0.78%).